Review

„Ich habe mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun!“
Nein, nicht Barschel, sondern Alan Moore ist gemeint, der sich als Autor der hier verfilmten Graphic Novel (sprich: Comic mit Anspruch und mehr Text) vollkommen von dem Projekt „V wie Vendetta“ zurückgezogen hat und seinen Namen nach Möglichkeit aus der Produktion herausgehalten hat.
Irgendwie kann man den Mann verstehen.

Zweimal schon hat Hollywood mit seinen Werken Schlimmes verbrochen, sei es nun bei der schrecklich unoriginellen „From Hell“-Verfilmung oder der „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“-Totalkatastrophe.
Jetzt haben die Matrix-Wachowskis aus seiner anarchistisch gefärbten Kritik an der Thatcher-Regierung ein halbgares Drehbuch herausdestilliert, dass sich als Dystopie-Versuch über totalitäre Systeme liest, aber leider nicht funktioniert.
Immerhin ist das Ergebnis sympathisch, so was kann Filme ja noch irgendwie retten.

Also: irgendwann in der Zukunft! England hat sich in ein von einer Parteil kontrolliertes Land verwandelt, das über die Medien künstlich dumm gehalten wird und unter der Kontrolle des fanatischen Sutler (John Hurt) steht, der seine Untergebenen wie weilend Big Brother zusammen staucht.
Da taucht ein Verfechter des legendären Gunpowderplots von 1605 auf, der maskierte „V“, der unter seiner Guy-Fawkes-Maske den Plan gefasst hat, dem Land könne nur geholfen werden, wenn er das Symbol des Landes, das Parlament in die Luft sprengt. Und nebenbei noch eine Vendetta gegen seine früheren Peiniger führt. Und über das führt die junge Evey (Nathalie Portman) Protokoll, die ungewollt in die Ereignisse hereingerät…

Hollywood wird ja jetzt wieder etwas politischer, ist ja auch kein Problem, wenn die Republikaner die zweite Amtsperiode ihres Präsidenten gemütlich aussitzen können. Also halten revolutionäre Ideen auch in den plaktativen Unterhaltungsfilm Einzug.

Denn nichts anderes haben die Wachowskis aus der Novelle gemacht: einen symbolischen Brei, der sich leider überall und nirgends auf die aktuelle Situation anwenden lässt, denn weder sind die Zustände irgendwo so krass, noch haben wir momentan einen Hitler im Taschenformat in der ersten Welt rumlaufen. Natürlich kann man sich jetzt ein Täschen Amerika-Kritik zusammenfiltern, aber letztendlich riskiert der Film damit zu wenig, wenn er den Handlungsort weiter auf England konzentriert (und das in einem amerikanisch-deutschen Film).
Die komplexe Handlung wurde gestrafft und simplifiziert, bis sie sich auf ein halbes Dutzend handelnde Personen eingedampft hatte, bestehend aus dem von langer Hand vorbereiteten Staatsstreich bis zur Läuterung und Abhärtung des Volkes in Gestalt von Natalie als Vertretung für alle übrigen.

Einfach und stromlinienförmig aufgezogen, zweifelt man nie daran, dass Vs Vorhaben gelingen wird, ergo lässt man Stephen Rea als ermittelnden Beamten die Vorgeschichte im Verlaufe des Films Stück für Stück anhand der Opfer aufdröseln, während der Maskierte sich im Philosophieren ergehen kann. Der mischt dann Rachedurst mit einer gewissen „Phantom of the Opera“-Melancholie, sagt schlaue (und durchaus nachvollziehbare) Texte zum Staatsstreich auf und lässt manchmal seine vielen Dolche sprechen.

Leider funktioniert das Bemühen des Skripts nur selten: Für eine religiöse Diktatur mit nationalistisch gefärbtem Hintergrund sind die Beschreibungen der Realität zu gewöhnlich, die Unterdrückung des Volkes kommt fast gar nicht auf (es sieht so aus wie eben heute in Wohnungen und Pubs), die wirtschaftliche Situation beschränkt sich auf ein paar vage Informationen. John Hurt kreischt und zetert und Tim Pigott-Smith als Handlanger Creedy ist ein willfähriger düsterer Schurke, aber das System, das tödliche Viren am Volk ausprobiert hat und diese Gemetzel dann als Umweltkatastrophen verkaufte und jetzt in Nacht-und-Nebelaktionen Gegensprecher einfach mal so verschleppt, deportiert und hinrichtet, bleibt vage und unkonkret.
Im Film nur drüber zu reden, bringt da wenig, man muß es schon zeigen und einige Sequenzen rund um wie im KZ verscharrte politische Gefangene als Opfer der Virenkulturen bringen uns auch nicht wirklich weiter.

Ein britisches Volk, in dem irgendwie nur der politische Führer fanatisch zu sein scheint, ist wenig überzeugend und so sehr die Philosophie des Rächers sich beim Zuschauer verfängt (natürlich ist man dafür!), um so wortreich und konstruiert wirken die zeitweiligen Wortkaskaden, die gut klingen, aber nie verinnerlicht. Schließlich sollen sie ja auch nur die Basis für eine simple Revenge-Story eines gequälten Ex-Gefangenen dienen.

Daß dabei technisch alles versiert gemacht ist und die Dagger-Time-Sequenzen sehr gut aussehen, in denen der Maskierte seine Gegner mit den Stichwaffen niedersäbelt, aber sie sind, wohl als eine Konzession an die Verfechter inhaltvoller Filme, so selten gesät, dass selbst gutwillige Zuschauer die Blutarmut (metaphorisch gesprochen) nicht übersehen.
Sprich: es gibt eigentlich kaum Action, stattdessen wird ein simples Propagandastück auf die Zuschauer losgelassen, dass mit seinem Aufruf an Anarchie und Selbstjustiz durchaus als gefährlich einzustufen wäre, wenn sich der Film nicht als banaler Blockbuster abtun ließe.

Gute Leistungen aller Beteiligten mildern solche Eindrücke jedoch ab, zwar ist von Weaving nur die Stimme zu hören, aber sonst gibt man sich redlich Mühe. Portman ist zwar meistens in der Defensive, aber ihre Sprödigkeit passt gut. Rea muß zwar als direkt dem Führer unterstellter Ermittlungsbeamter die Figur „Finch“ sonst als nahezu neutralen und verblüffend schnell regimekritischen Polizeibeamten geben, ist aber zur weiteren Erklärung so nötig wie dramaturgisch überflüssig. Ein hübsches und vergnügliches Sahnehäubchen ist sicher der Einsatz von Stephen Fry als Showmaster, dessen Führer-Veralberung zu seinem Tod führt und bei dessen Verhaftung der Film erst- und letztmalig den Schrecken fühlbar macht, nicht mal der Volksaufstand auslösende Tod des Mädchens auf der Straße geht nahe.

Dennoch: es gibt noch wesentlich mehr richtige No-Brainer auf den Leinwänden, so dass man den Versuch ja doch irgendwie honorieren muß und unter dem Strich gewinnt Regisseur McTeague zwar nicht Eigenständigkeit, lässt den Film aber wenigstens sympathisch wirken, was bei einer beklemmenden utopischen Verfilmung aber logisch gesehen auch fehl am Platz wirkt.

Die Wachowskis müssen sich jedenfalls etwas besseres ausdenken als diese simple Philosophie, denn der Film bietet wenig Diskussionsstoff, sondern fordert nur auf, sich dem anzuschließen, was gut und richtig erscheint und das mit allen Mitteln. Hätten sie das mal in „Matrix: Revolutions“ durchgehalten, wäre der letzte Film der Brüder nicht so eine Gurke geworden.
Hier mit einem Lächeln 5/10!

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