Master of Horror – Season 1
Mal wieder eine Anthologie-Serie, aber diesmal eine, die sich über die namhaften Regisseure definiert. Die sind zwar nicht unbedingt nur für ihr Horror-Oeuvre bekannt und einige haben ihre besten Zeiten schon hinter sich, aber es ist ja doch immer recht interessant, wenn die alten Recken ihre Talente für die kleine Mattscheibe mobilisieren. Jede einstündige Episode steht für sich selbst, kein Rahmen, keine separate Einführung, hier erzählen 13 Regisseure Horrorgeschichten ihrer Facon und so sollte es auch kein Problem sein, jeden Beitrag gebührend individuell zu besprechen.
1.1. Incident on and Off a Mountain Road (Don Coscarelli)
Begrenzter Spielraum, wenige Personen, konzentrierte Story – was Don Coscarelli hier präsentiert, ware das perfekte Kammerspiel, fände es nicht in freier Natur statt. Aber auch so genügen praktisch nur zwei Spielorte (die aus dem Titel) und einige Rückblenden für eine komprimierte Survivalstory.
Schön beklemmend ist es schon, was hier der Hauptfigur auf einer einsamen Bergstraße zustößt – gut, dass sie sich gegen ihren monströsen Angreifer dank des Trainings ihres gesellschaftsfeindlichen Ex-Ehemanns dann doch erwehren kann.
Das Skript macht ordentlich Tempo und so geht es binnen weniger Minuten in die Vollen, nur die immer wieder auftretenden Rückblenden einer Überlebenstraining-Liebesgeschichte sorgen für etwas ruhigere Momente. Eine Frau in einer scheinbar ausweglosen Situation, die zwar nicht unbedingt den kühlsten Kopf bewahrt, aber immer dann agressiv und erfindungsreich wird, wenn man ihr ans Leben will und das in doppelter Hinsicht.
Wir haben hier einen mondbleichen Mordriesen, der sich gern gekreuzigte Leichen vor die Waldhütte hängt, einen wirren Typen, der bei ihm wohnt, einige herbe Effekte (meistens nicht überaus graphisch) und eine Backgroundstory, die leider leider fast interessanter als der Rest ist – und zuletzt auch der Schlüssel zum Haupterzählungsstrang.
Leider ist nicht alles in Butter, denn Charakterisierungen werden nur häppchenweise nachgereicht, die Motivation und Herkunft des Riesen bleibt ungeklärt, der salbadernde Wirrkopf, der Angus Scrimm noch einmal einen Job besorgt hat ist praktisch ohne Bedeutung. Außerdem muß das Skript teilweise arg gestreckt werden, die Figuren faseln bisweilen unwichtig pseudophilosophisches Zeug und das Annageln einer Leiche dauert auch viel zu lange, um den dramatischen Faden nicht zu durchtrennen.
Ganz abgesehen von dem mindestens halbstündigen Hollywoodgewitter, bei dem es natürlich alle zwei Sekunden wie blöd blitzt. Insgesamt ein befriedigender Startschuß in die Reihe, aber alle Register wurden hier noch nicht gezogen, dafür ist die Story dann doch zu horror-hausbacken, weist aber eine hübsche Schlußpointe auf. (6,5/10)
1.2. H.P. Lovecrafts Dreams in the Witch-House (Stuart Gordon)
Einen literarischen Klassiker sollte ja jede Serie im Gepäck haben und hier erfüllt „Re-Animator“ Stuart Gordon eine Story von H.P.Lovecraft mit neuem Leben. Positiv zu vermelden in dieser Story um einen armen Studenten, der zur Miete in einem übel beleumundeten Haus wohnt und dort den kosmisch verqueren Träumen und Opferritualen seiner Vorbesitzerin zum Opfer fällt, wäre die relative Nähe zur Vorlage, die nur zum Schluß leicht abgeändert, bzw. erweitert worden ist.
Gordon lässt die Geschichte in der Neuzeit spielen, ein Kunstgriff, der nicht so ganz funktioniert, denn kein Student würde seine Bücher in so einer Bruchhalde wälzen und dass eine ledige Mutter mit Kind nebenan wohnt, wollen wir schon gar nicht glauben. Dennoch, die Kernelemente (Hexe, Ratte mit Menschengesicht, religiöser Nachbar, Fluchritual, unmöglicher Winkel in der Zimmerecke) sind erhalten geblieben und Gordon suhlt sich in der Abstrusität seiner Location, die immer nur für kurze Szenen verlassen werden. Das finstere und gar nicht nette Finale wirkt ein bisschen aufgesetzt, aber folgerichtig, doch trotz so mancher ekliger Szene spritzt hier nicht das Blut literweise.
Daß das alles böse enden wird, steht in Balkenlettern von Anfang an über die Wand geschrieben, aber die Kontinuität entschädigt für so manches. Die sexuellen Übergriffe der Hexe hätte man sich aber sparen können, dafür etwas mehr von der Verstörung und den verzweifelten Gegenmaßnahmen des Studenten. Die darstellerischen Leistungen sind ganz okay, wirklich brillieren kann aber niemand.
Ein unterhaltsames und recht spannendes Stündchen, zum Klassiker fehlt aber der Spritzer Genie, der Hauch Raffinesse, der die Szenen unvergesslich macht. (7,5/10)
1.3. Dance of the Dead (Tobe Hooper)
Einer muß ja den schlechtesten Beitrag liefern und die unrühmliche Ehre gebührt leider Altmeister Tobe Hooper, der hier ein Stündchen abliefert, das eigentlich eher in die Nachbaranthologie „Master of Science Fiction“ einzuordnen ist, spielt das Geschehen doch in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die USA von Terroranschlägen und bakteriologischen Angriffen verwüstet und halb entvölkert ist.
In krassem Gegensatz dazu das klassische Diner unserer Protagonisten (Mutter und Teenagertochter), in der es noch echten Apfelkuchen gibt. Die bekommen Besuch von vier durchgeknallten Jugendlichen, die wiederum Leuten auf der Straße Blut abzapfen, um in einer Rock- und Horrorshow das entscheidende Showelement zu liefern.
Wer jetzt auf irgendwas Schockierendes wartet, wird komplett enttäuscht. In der Show erweckt man lediglich kurzzeitig per Serum die Toten, die dann mittels Elektroschocker ein bisschen gequält werden und aus nicht erfindlichen Gründen, nennt man das dann alles Tanz der Untoten. Mehr ist nicht. Stattdessen bekommt man wie nebenbei in den letzten 10 Minuten ein Famliendrama geliefert, das nur für die Schlußpointe sorgen soll, sich aber vorher durch fast nichts angekündigt hat.
Bestes Element ist sicher die (leider wiederholte) Rückblende von einer Geburtstagsparty im Garten, die in einem Inferno endet.
Das war es dann aber schon, der Plot passt auch notfalls in 10 Minuten rein, der Rest vom Film ist pure Streckarbeit. Töchterlein verliebt sich noch in einen der jugendlichen Hänger und fährt mit denen fast 15 Minuten zu schauerlichen Rückprojektionen in einem Drogentrip durch die Gegend, dazwischen muß Robert Englund immer und immer wieder als „MC“ denselben Ankündigungsschwund auf der Bühne von sich geben, der uns neugierig machen soll, was aber dank der unspektakulären Auflösung voll nach hinten los geht. Die Dialoge sind schauerlich, bedrohliche Stimmung kommt fast nie auf und neben einer nervtötenden Verzerrer-Schnitttechnik, die alle 20 Sekunden eingesetzt wird, hat man das alles mit nervtötender Hardrockmusik zugepflastert. Ein paar Titten gibt’s auch noch, ansonsten ist das „Strange Days“ meets „The Lost Boys“ bei „Mad Max“ für höhere Kindergartengänger. Langweilig, zäh und schlecht gemacht. (1,5/10)
1.4. Jenifer (Dario Argento)
Von Argento erwartet man in einer solchen Anthologie natürlich so einiges – da fällt es um so unangenehmer auf, wenn dann ein relativ enttäuschender Beitrag geliefert wird. Erzählerisch ist die Episode flach wie eine Flunder. Ein Cop rettet ein Mädchen vor einem mordgierigen Psychopathen, doch es entpuppt sich animalisches Wesen mit leeren, schwarzen Augen und einer entstellten Monsterfratze, was ihn in einer Art unheimlichen Besessenheit nicht hindert, sich des Mädchens anzunehmen, obwohl es ihn die eigene Existenz kostet.
Die Hauptschwäche der Story ist für einen normalen Zuschauer die grenzenlose Vorhersagbarkeit des Geschehens, man weiß praktisch von Minute 5 an, dass der Polizist wie sein Vorgänger enden und sich die Kette fortsetzen wird, mit einem anderen Mann. Und so geschieht es dann auch relativ überraschungsfrei, unterbrochen nur von den Morden des Mädchens und diversen Sexszenen. Das Problem ist, dass auch hier der Schockfaktor nach unten verläuft, nach dem Tod des Nachbarsmädchens (hier zitiert Argento ansatzweise James Whales „Frankenstein“, denn das Mädchen wirft Blumen in ihren Bassin) wirkt der Tod des Sohnes am Ende wie ein fades Streckungsmittel. Auch die Sexeinlagen sind beim dritten Einsatz nurmehr ermüdend, wenn man bis dato den psychologischen Feinschliff verstanden hat.
Das macht die Episode auch als einzige halbwegs interessant, eine nette Parabel auf Beschützerinstinkte und das Animalische, Wilde und Anhängliche im Menschen. Der Mädchen entpuppt sich dabei als unkontrollierbares Tier in Menschengestalt, die das Bestienhafte schon auf den Gesichtszügen trägt und den Domestizierungsversuchen ihres Herrchens immer wieder Beine stellt, nicht aus Boshaftigkeit, sondern schlicht und ungreifend, weil es ihre Natur ist. Sie ist eben nicht mehr als ein wildes Tier, das fressen und sich fortpflanzen will (zumindest den Prozeß), dass sich Steven Weber unterwirft und gleichzeitig (hier kommt der Schnitt in der Hand ins Spiel) wie eine Infektion eine Besessenheit an Beschützerinstinkt auslöst.
Einfache, haustierähnliche Gefühlregungen kann man dem Mädchen nicht absprechen, sie will schmusen, sie will trösten und, natürlich, sie kennt Eifersucht. Und sie löst ungewollt Verderben aus, denn einmal infiziert, gibt es kein Halten mehr, die Gegenwart Jenifers kostet Familie, Haus und Existenz, am Ende sogar das Leben.
Leider kommt diese Botschaft mit der Brechstange und ist auch für reine Unterhaltungszuschauer gar uninteressant, da macht sich trotz der schockierenden Goreeinlagen, wenn sich das Mädchen in kleine Kinder hineinfrisst, bald Langeweile breit. Auch nicht eben logisch ist, dass einer nicht dazu qualifizierten Person, also dem ermittelnden Beamten, eine offenbar zurückgebliebene und entstellte Frau aus einer Nervenklinik in die Obhut überstellt wird und das mit dem „System“ erklärt wird. Durch solche Löcher kann man Flugzeugträger schieben.
Für Gore-Freunde akzeptabel zwischendurch, ansonsten ist die Episode spannungsarm, aber immerhin folgerichtig. Aber leider eher ein Schwachpunkt in der Serie. (4/10)
1.5. Chocolate (Mick Garris)
Hatte „Jenifer“ wenigstens noch den psychologischen Unterbau, versagt Mick Garris mit „Chocolat“ leider Gottes völlig.
Viel zu besprechen gibt es hier eigentlich gar nicht, die Episode ist schlicht und ergreifend stinklangweilig über weite Strecken. Ein Mann sieht sich auf nicht erklärbare Art und Weise mit dem Geist einer Frau verbunden und fängt an, diese Verbindung zu genießen, obwohl ihn das nach einiger Zeit erst seine Beziehungen kostet und dann, als er sich zu einem Kontakt mit der Frau entschließt, in die Katastrophe.
Es gibt ein paar schräge Momente in „Chocolate“, aber grundsätzlich killt sich Garris die Spannung schon mit der Rahmenhandlung, in der die Hauptfigur nacherzählt, wie alles gekommen ist. Dummerweise hat die Story nicht eine einzige Pointe, stets erwartet man von den „Verbindungen“ irgendetwas Besonderes, aber da geschieht nichts. Erst als er die Frau kennenlernt, kommt kurzzeitig so etwas wie Tempo in die Sache, doch weder gibt es eine Erklärung für die Verbindung, noch hat sie Sinn oder Zweck, noch führt sie irgendwo hin. Ein Hauch von Gore im Finale und der Abschluß der Story in der Rahmenhandlung (wieder ohne Pointe, die Story läuft einfach so aus) machen dann auch die letzten Hoffnungen platt.
Wäre das alles noch lustig, ginge es ja noch, aber hier funktioniert leider gar nichts, sieht aus, als hätte man eine mittelmäßige Halbstundenepisode von „Twilight Zone“ auf eine Stunde aufgeblasen. Vielleicht sollte Garris auch besser nicht seine eigenen Kurzgeschichten verfilmen, bzw. sollte aufpassen, dass das jemanden auch interessieren könnte. Ein vertanes Stündchen.(2,5/10)
1.6. Homecoming (Joe Dante)
Bei Joe Dante herrscht immer fröhliche Anarchie mit lustigem Filmzitateraten, einen politisch-satirischen Kommentar zur Lage der Nation hätte ich von ihm nicht erwartet.
Doch hier gibt’s was aufs Maul für die Bush-Administration, die Toten stehen auf und sie wollen die Republikaner abwählen, die sie in einem sinnlosen Krieg verheizt haben. Und sie lassen sich auch durch Kopfschüssen nicht zum Gang an die Wahlurnen abhalten.
Horror ist das wohl nur rudimentär, was Dante hier zusammendreht, ein Aufhänger, der dem Zuschauer ein paar Untote präsentiert, aber der Witz liegt in der hoffnungslosen Liebe-Haß-Beziehung zwischen einem Republikaner und einem Demokraten vor dem Hintergrund politischer Umwälzungen.
Dabei kommen beide Seiten schlecht weg, am Ende wird das Zwei-Parteien-System nachhaltig für die Zukunft erschüttert, Amerika wird mit einigen Umwälzungen zu rechnen haben bei der nächsten Wahl.
Das Problem an der Story ist ihre sehr kurze Halbwertzeit, Dante selbst hat zugegeben, dieser One-Note-Joke von Story würde auch nur in der augenblicklichen Situation funktionieren und könnte nächstes Jahr schon zur Fußnote der Geschichte mutieren. Aber noch wird im Irak munter weiter gestorben und deswegen kann man mit dieser Anti-Kriegs-Satire durchaus seine Freude haben, wenn auch der Humor den gängigen Horrorfans nicht unbedingt in die Hände spielt, zu intellektuell ist die Grundsituation geraten, da sollte man schon hinter den Irrsinn der modernen Politik jenseits jeder Totalverweigerung geblickt haben.
Für die Freaks gibt’s ein paar hüsche Leichen-Make-Ups und einige Einschüsse bzw. fliegende Körperteile, aber gruselig wird’s nun gar nicht, allerhöchstens fröstelt es einen bei dem realen Horror einer Lieferung gefallener Soldaten, die, wieder auf amerikanischem Boden, sich von nichts mehr aufhalten lassen wollen. Ein bisschen wilder und überzogener hätte es trotzdem noch sein dürfen, da ist schon fast zu viel Realität, selbst in den überzogenen Hauptcharakteren, verankert – bissig ist das Ergebnis auf jeden Fall.
Dante kann man immerhin das Kompliment machen, sich halbwegs treu geblieben zu sein. (6,5/10)
1.7. Deer Woman (John Landis)
Und noch jemand läuft plötzlich nach 20 Jahren wieder zu alter Form auf, John Landis is back.
Dem Guten ist ja seit „Der Prinz aus Zamunda“ und „Dream On“ nichts mehr gelungen, was einer Erwähnung wert gewesen wäre (und sein letzter Genrebeitrag „Bloody Marie“ litt an jedweder Form von Anämie), doch hier lässt er den Hund wieder von der Leine.
Dazu hat er sich seinen „Dream On“-Star Brian Benben geholt, der hier einen traumatisierten Polizisten gibt, in dessen Bezirk sich ein indianischer Dämon austobt, der mittels seiner unteren Hälfte in Hirschform sexuell erregte Männer zu Hackfleisch zertrampelt.
Wer jetzt nicht ungeheure Ansprüche an Gore oder Grusel stellt, darf sich bei „Deer Woman“ restlos amüsieren. Da gibt es einen Beamten, der nach dem selbstverursachten Tod eines Kollegen in Sarkasmus ersäuft; einen Rehdämon, der obenrum wie eine traumhaft schöne Indianerin ausschaut (die sich auch noch topless präsentiert) und eine Stimmung wie in besten „Tales from the Crypt“-Zeiten.
Landis nimmt mal wieder die Amis aufs Korn, die immergeilen Männer, die schwanzgesteuer in die Todesfalle laufen, wo nur noch der tiefdepressive Cop helfen kann.
Benben ist in Hochform, wenn er (komplett visualisiert) nach dem ersten Vorfall im Bett rekapituliert, wie oder von wem das Verbrechen begangen sein könnte und es mit jeder Version absurder wird. Schließlich lässt er sich zur Absicherung der (wahren) Theorie sogar herab und zitiert seinen eigenen „American Werewolf in London“, während ausgerechnet ein amerikanischer Ureinwohner die Wahrheit als indianische Sage ausplaudern und gleichzeitig lächerlich machen darf.
Erfrischend auch, dass bei all den schrecklichen Vorgängen das Ergebnis sehr undüster ausfällt, bis auf das Finale, in dem es plötzlich ernst wird.
Ein grundsympathisches Stündchen, in dem so ziemlich alles stimmt, bis vielleicht auf den fehlenden Goregehalt, ein paar vom Autopsietisch fallende Organe sind da schon das Höchste der Gefühle.
Wenig Horror, mehr Humor – das macht wirklich Spaß. (8/10)
1.8. John Carpenter’s Cigarette Burns (John Carpenter)
Von Carpenters Beitrag hat man sich natürlich auch Wunderdinge erwartet und die Palette der Kritiken reicht von “grauenhaft” bis “genial”. Ich sehe die Sache sehr zwiespältig, kann aber nur konstatieren, dass das Ergebnis keinesfalls 100 Prozent Carpenter ist, was kein Wunder ist, denn der Mann ist am besten, wenn er selbst am Drehbuch gesessen hat.
Die Prämisse ist vielleicht die Beste der ganzen Staffel, die Jagd eines Filmdetektivs nach einem verschollenen und verfluchten Film namens „La Fin absolutement du Monde“, der Tod und Schrecken über seine Zuschauer bringt.
In gewissen Zügen rekapituliert er die Untergangsstimmung, die schon Carpenters „Die Mächte des Wahnsinns“ auszeichnete, eine Reise in die Finsternis, in den Wahnsinn. Leider ist Norman Reedus in der Hauptrolle kaum der Mann, der es schafft, ein gruseliges Feuer zu entzünden, die meiste Zeit langweilt er mit seinem verbissenen Stoizismus, während ihm alle Beteiligten an dem Film die finstersten Dinge darüber erzählen. Aber er hat ja schließlich ein Kino zu retten, das verpflichtet. Die Hintergründe des mysteriösen Filmwerks zu ergründen, nimmt den Hauptteil der Handlung ein, ein eingeschobenes Snuff-Intermezzo, das wohl den bösen Einfluß unterstreichen soll, ist jedoch genau redundant wie übertrieben. Wie stets, wenn Carpenter zu übermäßigem Blutfluß neigt, geht die Qualität flöten.
Am stärksten ist sicherlich die finale Sequenz, in der Udo Kier (gewohnt solide nah am Wahnsinn) sich das Werk endlich mal reinziehen kann, bzw. verfilmt er seine eigenen Gedärme. Endlich mal ein Werk, das tief geht.
Was nicht funktioniert, ist, die Abgründe hinter dem Geschehen wirklich unheimlich auszuleuchten. Mit dem gequälten Engelswesen, einem Statisten aus dem Film streift Carpenter das zwar, aber die Rahmenhandlung ist biederster Standard und bringt längst nicht die Erfüllung, die der Aufbau angedeutet hatte.
Und das man sich hier ständig wünscht, endlich das Ende zu sehen, weil der Weg sowieso unausweichlich vorgezeichnet ist, macht die Sache auch nicht interessanter.
Für Horrorfreaks ist das aber bizarr genug (allein das Thema ist interessant), um es wohl zu einer der stärksten Episoden der Staffel zu machen, ich würde das aber mehr als durchwachsenes Kuddelmuddel mit Stärken und Schwächen einstufen. Und Carpenter nicht wirklich würdig, aber das waren seine letzten Langfilme auch nicht. (5,5/10)
1.9. Fair-Haired Girl (William Malone)
Hossa! William Malone, der “Dark Castle” Produktions ihren besten Film geschenkt hat (“Haunted Hill”) und dann den katastrophalen „Fear Dot Com“ folgen ließ, kann es noch.
„Fair-Haired Girl“ ist zwar deutlich storytechnisches TV-Material, kann aber von der Atmosphäre her überzeugend punkten. Die Entführung des hässlichen Klassenentleins durch ein schräges Ehepaar steht hier im Vordergrund, eine Reanimationsstory bildet den Hintergrund und für Qualität sorgt in diesem Häppchen vor allem die Tatsache, dass man die erste halbe Stunde lang noch nicht weiß, wie es aus- oder weitergehen wird. So etwas macht Spaß. Und gerade wenn man denkt, man hat alle Fäden in der Hand, wird die Hauptfigur doch noch gekillt. Prima Plan!
Dieses düstere Moral-Märchen ist eindeutig auf der Seite der Schwachen und der guten Absichten und präsentiert sich im besten „E.C.“-Comics-Gewand. Da muß das untote Monstrum genauso herhalten wie das Girl in Not und am trifft die rächende Nemesis die bösen Verursacher (ganz reizend märchenhaft: die Eltern). Lori Petty bietet als fanatische Mutter eine wunderbar kontrolliert böse Leistung, während im abgeriegelten Keller ein knackig spannendes Katz- und Mausspiel abgeht.
Daß das Monstrum dann doch etwas pc-künstlich ausschaut, ist halb so schlimm, immerhin ist es dermaßen bizarr, dass man selbst als Zuschauer sich tiefer in die Kissen zurückzieht. Und die psychotischen Traumsequenzen sind ebenfalls von erlesener Qualität in schwarz-weiß.
Gesplattert wird hier auch, aber mehr Andeutung als graphische Details, dennoch macht die Story streckenweise betroffen und berührt (der schlimmste Moment dürfte der Anruf des Mädchens bei seiner offenbar alkoholisierten, sedierten und der Entführung gegenüber total uninteressierten Mutter sein).
Und dass die Bösen hier noch ihr Fett weg kriegen, steht auch in Balkenlettern drüber.
Insgesamt eine sehr positive Note, Horror zum Gruseln und Miträtseln und trotz bekannter Versatzstücke originell und spannend umgesetzt. So geht das. In einer Stunde. (7,5/10)
1.10. Sick Girl (Lucky McKee)
An „Sick Girl“ werden sich sicherlich die Geister scheiden, eine makabre Story rund um ein Thema, bei dem sich bei den meisten Zuschauer unvermittelt die Härchen aufstellen: Lesben und exotische Insekten.
Was nun wirklich nicht unbedingt die Zutaten sind, die man zusammen in einen Topf werfen würde.
Das Schicksal ereilt hier eine Frauen zugeneigte Insektenforscherin, die sich endlich mal ein Herz fasst und eine Unbekannte anspricht und scheinbar das große Los zieht. Gleichzeitig erhält sie aber ein monströses Insekt privat zugeschickt, welches leider entkommt und seine eigenen Pläne vom Zusammenleben hat.
Das klingt schon ein bisschen albern, das ist es auch. So gut wie nichts an dieser Episode nimmt sich in irgendeiner Folge ernst, vor allem nicht die Darsteller das Skript und umgekehrt. Lucky McKee, der bisher lediglich durch „May“ auffiel, betont das Absurde dann bisweilen recht stark. Das Spiel der Akteure ist dermaßen überzogen, dass man nicht so recht weiß, ob das augenzwinkernder Humor, reine Trash-Albernheit oder einfach schauspielerisches Unvermögen ist.
Frisch und ironisch überzeichnet sind jedenfalls die Figuren, die Folge kommt mit einem absoluten Minimum von fünf Personen aus, die ebenfalls für sich fast schon ein Klischee sind (halb verklemmte Forscherin, forscher Kollege, leicht wirre Freundin, biestige Hauswirtin, süßes Kind). Dagegen steuern allerdings die Horrorelemente, die dann schon ernsthafterer Stoff sind und im Finale irgendwie unpassend in monströsen Splatter umschlagen. Im übrigen fällt es einigen sicher nicht leicht zu lachen, denn das Insekt sieht bei weitem nicht attraktiv aus.
Möglicherweise beabsichtigt, möglicherweise Terminnot könnten die Gründe für die bisweilen schlechten Tricks sein, denn sowohl das Insekt in Nahaufnahmen, wie auch das „Ding“ beim Treppensturz der Vermieterin wie das finale Monster sehen herzlich lächerlich und schlecht animiert aus, leider wie billige Modelle. Und so etwas fällt schon ins Gewicht, wenn ein leichtes Thema (wie das komödienhaft hölzerne Date-Problem zweier Lesben) mit einem ernsten (mörderisches Insekt on the rampage) eh schon miteinander kämpfen.
Hier nach einer wirklich sinnvollen und nachvollziehbaren Plot-Line zu schreien, ist natürlich überflüssig, das ist in letzter Instanz eine witzige Zwischenmahlzeit, die Gore- und Trash-Freunden Spaß machen soll. Insgesamt passt die Episode aber nicht ganz in das andere Dutzend und wird wohl auch schneller vergessen sein. Einmal gesehen – ganz witzig empfunden – mit ekliger Pointe – schön und gut. (5/10)
1.11. Pick me Up (Larry Cohen)
Man soll ja nie per Anhalter fahren. Deutlicher als Larry Cohen in „Pick me up“ hat das wohl noch keiner verdeutlicht, der einen spärlich besetzten Blue-Line-Bus in einer waldigen Berggegend stranden lässt. Dummerweise sind minimum zwei Serienkiller unabhängig voneinander in dieser Höhenlage unterwegs und das führt natürlich so zu einigem…
Das Erfrischenste an dieser Episode sind die ersten 20 Minuten, die wie mit dem Maschinengewehr mit Warnhinweisen gepflastert sind, dass man in dieser Gegend nun wirklich niemand trauen sollte. Fast alles, sowohl der freundliche Wandersmann wie auch der hilfsbereite Trucker sind dermaßen übertrieben auffällig, dass man bei den versteckten Andeutungen und Drohungen schon mal in helles Gelächter ausbrechen kann. Wie überhaupt dem bösartigen Wortwitz hier Tor und Tür geöffnet werden, pointierter geht es bisweilen kaum mehr und die Busfahrgäste sind auch durch die Bank weg hübsch unsympathisch genug, um möglichst schnell weggehäckselt zu werden, zwei punkige Slacker sind da nur noch ein Snack obendrauf.
Und so wird fröhlich gemeuchelt, bis zur Halbzeit nur noch die sperrige Fairuza Balk übrig ist, um die sich unsere beiden Meuchler jetzt schlagen, sei es nun bei der Annäherung in einem Motel oder auf der nächtlichen Straße.
An diesem Punkt geht den Künsten der Autoren auch langsam die Luft aus, denn so schön die Situation aufgebaut ist, so unspektakulär wird sie aufgelöst, das Finale ist ein wenig einfallslos und dürftig, weil alle drei Figuren noch für den (zu erwartenden) tiefschwarzen Schlußgag herhalten müssen, der einen anderen Cohen-Film zitiert.
Schauspielerisch und in Sachen Dialog ist das flott und unterhaltsam bis zeitweise brilliant, nur Fairuza Balk (die immer noch wunderbar angepißt aussehen kann) hat hier als letztes Opfer schlicht und ergreifend zu wenig zu tun, eine nicht genug entwickelte Rolle.
Dennoch nähert sich Cohen beachtlich an das Thema der Reihe an und präsentiert ein unprätentiöses, schwarzhumoriges Stündchen mit vielen Toten und einer Menge Blut. (7/10)
1.12. Haeckel’s Tale (John McNaughton)
Hoppala, da kommt doch tatsächlich doch noch jemand mit einer historischen Gruselgeschichte daher (Imprint soll natürlich nicht vergessen werden) und die ist sogar recht ordentlich. John McNaughton darf sich hier mit einer erweiterten Variante des Themas „Frankenstein“ rumschlagen, welcher zu Beginn sogar zitiert wird, erweitert sich dann aber zu einer Studio über die Liebe, die den Tod überdauern kann. Eingefaßt in eine Rahmenhandlung irgendwann in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts geht die eigentliche Handlung noch einmal 50 Jahre zurück und lässt uns bei der Geschichte des Medizinstudenten Ernst Haeckel zuschauen, der unbedingt Tote wiedererwecken will und lernen muß, dass man das nicht aus Liebe tun sollte.
Die erste Hälfte der Geschichte ist noch recht theoretisch, garniert mit Fragen nach Moral und Folgen der Nekromantie, dann aber geht es in die Vollen auf einem nächtlichen Friedhof. Das Skript ist leider so ausgerichtet, dass es auf das eigentliche Geschehen dort, auf diese Pointe ausgerichtet ist. Kennt man den Clou, häufen sich nur noch die grotesken Folgen in den letzten 10 Minuten aufeinander.
Hier fließt dann plötzlich in einer gänzlich unpassend brutalen Sequenz auch noch literweise Blut und es sterben reichlich Leute, obwohl vorher der klassische Ton so etwas als unnötig erscheinen ließ.
Die Dreifachpointe in der Rahmenhandlung ist es aber durchaus wert, ohne dass die Folge, sofern erst mal bekannt, großen Nachhall finden wird.
McNaughtons Regie ist kompentent, die Darsteller sind hervorragend und die Epoche hat man mit relativ einfachen Mitteln auch gut getroffen, eine hübsche Geschichte klassischen Anstrichs aus der Feder Clive Barkers. Insofern eine schöne Gruselstunde rund um lebende Tote, die den kurzen Abstecher in die Welt des Splatters eigentlich nicht nötig gehabt hätte. (6/10)
1.13. Imprint (Takashi Miike)
Was könnte man von Miikes Beitrag schon noch erwarten, als ein weiteres Ausloten der geschmacklichen Seh-Grenzen nach unten (bzw. nach innen). Der Mann schockiert gern und das tut er auch hier wieder reichlich.
Die Story an sich ist jedoch klassisches japanisches Material, Geister und Dämonen auf einer Bordellinsel rund um die Jahrhundertwende irgendwo am Gesäß des Reichs der Sonne. Hier spürt ein Amerikaner seiner großen Liebe hinterher und erfährt von einer entstellten Geisha so einiges über die verschwundene Geliebte, über sich selbst und über Schuld und Sühne.
Das große Kompliment, das man machen kann: Miike erreicht mit dieser für ihn außergewöhnlich geschlossenen inszenatorischen Leistung den vielleicht intensivsten Beitrag der Serie.
„Imprint“ ist eigentlich ein Drama mit übernatürlichen Bezügen, es ist bedrückend, bedrohlich, andersweltlich.
Wie eine Zwiebelschale enthüllen sich immer neue Seiten der hier erzählten Geschichte, je mehr Billy Drago als Amerikaner auf die endgültige Wahrheit drängt. Hier nähert man sich spielerisch „Rashomon“ an, und so wird aus einer tragischen Biographie eine monströse Höllenfahrt rund um Gier und den Willen zur Entscheidung, um Himmel, Hölle und Erlösung.
Dabei bedingt die Folge selbst in der geschnittenen Fassung einen gesunden Magen, denn Miike geht auch hier wieder mit dem Skalpell an unseren guten Geschmack. Da wird im Bordell aufs Entsetzlichste mit Nadeln gefoltert, man darf Abtreibungen beiwohnen und sieht die Föten den Fluß runtertreiben. Und die Hauptfigur trägt ebenfalls noch ein düsteres Geheimnis unter der schick zurechtgemachten Frisur herum, das man nicht zum Abendessen genießen sollte.
Miike ist damit immer ganz kurz vor dem Selbstzweck des Ekels, kriegt aber immer wieder die Kurve und dreht die Story in die Welt der schicksalshaften klassischen japanischen Geistergeschichten, die niemand heil und unbeschadet hinterlässt.
Eine genaue Nacherzählung hieße die Überraschung schmälern, zu viele Wendungen lassen die Story wirklich bis zur letzten Minute spannend bleiben, auch wenn der Erzählton sehr ruhig und entspannt ist. Bläst das grausame Tier Mensch hier aber erstmal zur Attacke, bleibt kein Auge mehr trocken.
Eine reife Leistung des Regie-Soziopathen, der mit solchen Arbeiten vermutlich bei der Kritik nicht mehr als amoklaufende Kuriosität herhalten müssen, hier gibt es Schrecken und Ekel mit Methode.
Und das verachtenswerteste Tier ist und bleibt dabei der Mensch. (8,5/10)
Fazit: Wir haben bestimmt nur einen Augenblick lang geglaubt, die Serie könnte die Welt des Horrors neu erfinden. Grenzen bei der Skriptauswahl, ein vorgegebener Drehort (interessanterweise ist hier die einzige Ausnahme, Miike, auch gleich die mit beste Episode) und Zeit- und Budgetbegrenzungen können keine Meisterschaft hervorbringen, aber man kann doch hoffen, dass der eine oder andere Regisseur ein Highlight produziert und so ist es auch geschehen.
Ansonsten herrscht solides Mittelmaß mit den üblichen Verdächtigen in Richtung Bodensatz, also sollte man nicht meckern, sondern die Serie als das sehen, was sie ist, ein Spaß für zwischendurch.
Mir persönlich haben „Imprint“ und „Deer Woman“ den größten Spaß gemacht, vielleicht weil die Regisseure hier ihrem persönlichen Stil treu geblieben sind. „Fair-Haired Girl“, „Pick me Up“ und „Dreams in the Witch-House“ sind aber ebenfalls würdige Vertreter ihrer Kunst.
Andere, von denen man sich mehr erhofft hatte, bringen mit ihren zwiespältigen Arbeiten (Carpenter, Argento) wenigstens Diskussionsstoff ein, dennoch wäre zu wünschen, dass die Drehbücher vielleicht dem Titel der Serie in der zweiten Staffel ein wenig näher kommen, denn hier ist noch zuviel TV-Niveau dabei, wenn auch mit Tendenz nach oben. Durchschnitt ist übrigens 5,85, d.h. erwartungsgemäß 6/10.