Die mit teilweise extrem starken (Sick Girl, Dreams in the Witch House) und ebenso schwachen (Dance of the Dead, Homecoming) Beiträgen aufwartende Anthologie-Serie Masters of Horror startet trotz eher nur mäßiger Resonanz ihrer eigentlichen Zielgruppe - [leider nicht repräsentativ für die Einschaltquoten] - in die 2te Runde! Die technischen Rahmenbedingungen, wie z.B. die maximal einstündige Lauflänge, das vorgegebene Budget oder das überlassen der Spezialeffekte an die KB F/X Crew sind die gleichen geblieben - aber auch die inhaltlichen, z.B. das es formal keinen Rahmen gibt, sprich immer noch Extreme geschaffen werden dürfen, blieben erhalten! Daher kann man also nur hoffen das diesmal ein paar Regisseure mehr sich trauen aus den Vollen zu schöpfen und die Klaviatur der Angst virtuos spielend uns ein paar schöne Schauderstunden zu bescheren.
Zwar lieferten im großen und ganzen die meisten Horrormeister in Staffel 1 gediegene Beiträge ab, doch nur wenige, wie z.B. Takashi Miike, setzten neue Grenzen oder anders gesagt: Erzeugten bisweilen pures Grauen! Man darf gespannt sein wie weit diesmal Linien neu gezogen werden, inwieweit die Macher der einzelnen Folgen dem Namen Master of Horror noch gerecht werden - haben sich auch wieder einmal hochkarätige Regisseure versammelt um der Serie ihre persönliche Note zu geben. Leider - ich bedauere es sehr - sind es oftmals die selben wie in Staffel 1; anstatt aufstrebenden Filmemachern wie z.B. Alexander Aja (Haute Tension, The Hills have Eyes), Eli Roth (Cabin Fever, Hostel) oder Dante Tomaselli (Desecation, Horror) einen Platz einzuräumen, zieren wieder bekannte Namen wie Dario Argento, John Landis oder Tobe Hooper die Leinwand. Mit letzterem beginnt auch die 2te Staffel..
Episode 1 - Tobe Hooper - The Damned Thing
Wie lange hält eine typische Familienidylle in einem an Amityville Horror erinnerndem Haus wohl an? Solange bis Pappi an seinem Geburtstag seine Frau mit einer Schrotflinte abknallt und Jagd auf den Sohnemann macht! Knapp 25 Jahre später. Zu einem stattlichen Mann gereift, hat der Bub inzwischen selber eine Familie und als Sheriff des Provinzkaffs Cloverdale kann er zumindest weltlichen Bösewichtern Paroli bieten. Aber wie kämpft man gegen etwas das nicht sichtbar ist? 25 Jahre später - ein grausamer Fluch fordert erneut seinen Zoll…
Mir persönlich hat der Beitrag von Tobe Hooper in der ersten Staffel total missfallen! Zu Gute halt ich ihm, dass er hier eine 100%tige Steigerung (von 3/10 auf 6/10 Zähler) vollbracht hat - wenn auch den Löwenanteil der Pluspunkte andere einheimsen. Denn mehr als solide ist die Inszenierung von Hooper nicht ausgefallen; seine Kraft Terror zu bündeln hat er wohl endgültig verloren, setzt hier daher vermehrt auf physische Gewalt denn psychische. Dabei gehen einem die ersten Minuten schon ein wenig an die Nieren, ist der abrupte Amoklauf zwar absehbar, aber kommt dennoch mit ziemlicher Wucht. Gerade der „Gnadenschuss“ auf die eigene Frau ist ziemlich drastisch ausgefallen und trifft seine beabsichtigte Wirkung . Doch leider sind, obwohl kein wirklicher Bezug zu den Charakteren besteht, diese - an den besagten Amityville Horror erinnernden Anfang - Szenen die dramaturgisch stärksten. Danach wird nur noch in vereinzelten Momenten deren Intensität erreicht, da wie gesagt mehr auf physiologische denn psychiologische Kernelemente eines guten Horrorstreifens eingegangen wird. Potential hätte die Story sicher gehabt, nimmt sie doch im weiteren Verlauf unter anderem Anleihen bei Shining, wo der sich im Kopf einschleichende Wahnsinn beim Hauptprotagonisten von Sean Patrick Flannery (Der blutige Pflad Gottes) sehr überzeugend dargestellt wird. War „Missionarsbruder“ Norman Reedus bei der Folge von Carpenter - dem starken Cigarette Burns - zu sehen, so wird hier Flannery die Hauptrolle zugetan. [Ein Kluger Schachzug Mr. Hooper!] Sehr intensiv füllt Flannery diese mit fühlbarer Tragik und innerer Stärke, kann aber trotz dieser guten Performance nicht über die eklatanten Drehbuchschwächen hinwegtäuschen.
Sicherlich war dessen Schreiber Richard Christian Matheson - sorgte ebenfalls für das Script von Dance of the Dead - mit der Adaption der geistigen Vorlage überfordert, ist diese doch eine H.P. Lovecraft typische Ich-Erzählung, in der die Geschichten sehr viel über Monologe und Journal-Einträge weitergesponnen werden. Dieses Erzählmuster kommt aber bis auf wenige Szenen kaum zum tragen und so sehr sich der Film dann auch mit der Figur und des Aufbröselns ihrer Vergangenheit beschäftigt, so wenig erfährt man doch über eigentliche Hintergründe des Gesamten. Eine, so finde ich, unnötige Spannungs- und Storyflussbremse. Auf Grund der kurzen Laufzeit von 55 Minuten halten sich aber längere Langatmigkeiten in Grenzen, gerade zum Ende hin zieht Hooper nämlich nochmals alle Register und tritt nach dem Anfang erneut so richtig aufs Gaspedal und läßt die vorgestellten Charaktere [u.a. Ted Raimi als Priester] in einem infernalischen Finale bisweilen ziemlich "die Sau rauslassen". Die sattsam eingestreuten Goreeffekte mögen zwischendurch den langsamen Aufbau kaschierend etwas entschädigen wollen, schaffen es auch dann stellenweise. Für einen Start in die 2te Staffel storytechnisch nicht der beste Aufhänger, sicherlich aber der blutigste. Lieber gut geklaut als schlecht neu inszeniert, nicht wahr Herr Hopper? Aber das nächste Mal doch bitte wieder etwas eigenständigeres. Und das Sie Sauereien mit Gegenständen aus dem Werkzeugkasten mögen wissen wir auch schon… (6/10)
Episode 2 - John Landis - Family
Unabdingbare Spoiler!
Der eine hat sie, die anderen wünschen sie sich - die perfekte Familie. Doch jeder hat, nun ja sagen wir mal - andere Vorstellungen - von dieser. Doch insgeheim haben der psychopathische Harold und das frisch zugezogene Nachbarspärchen mehr gemeinsam als wie man denkt…
Hoffentlich habe ich schon nicht zu viel verraten, wenn man auch die Pointe des Ganzen relativ früh erahnen kann. Trotz dieses kleinen Mankos - dafür sind die Indizien zu offensichtlich - macht diese Episode dennoch viel Spaß. Zumindest, besinnt man sich auf den Stil von Landis Episode in Staffel 1, wo auch dort mehr auf Humor denn Horror gesetzt wurde und dementsprechend kaum eine packende Atmosphäre erzeugt werden konnte. Abermals zeugt Landis davon das er nette Horrorkomödien drehen vermag, in der das Grauen eher der der seichteren Art ist und es keiner großen Sudeleien bedarf um den Zuschauer bei Stange zu halten. Vielmehr baut er hier verstärkt auf das beste Versatzstück seines Deer Woman Beitrags - wunderbar skurrilen Szenenabfolgen, einer Mischung von Wunschträumen und Realität. Eingebettet in eine schön eigenständige Geschichte in bester Tales from the Crypt Manier - fernab seiner üblichen Werwolf/Vampir Beiträge - liegt der besondere Reiz hier in der pausenlosen Verwendung besagter "Gedankenschwämme". So entpuppt sich das malerische Desperate Housewives Ambiente samt gepflegten Vorgärten und pastellfarben gestrichenen Häusern schon nach wenigen Minuten als ein mit einer Distel versetztes Rosenbeet - gleichgesetzt dem Haus des Hauptprotagonisten. Der John Goodman ähnelnde Typ [Marke charakterlich gutmütiger Fettwanst] hat nämlich nicht nur eine Leiche im Keller - nein derer gar eine ganze Sippe im Haus! Im Kellergeschoss in Säure aufgelöst baut er aus den verbliebenen Knochen die jeweiligen Personen zusammen um mit ihnen als Familie zusammen zu wohnen. Sehr witzig dann wenn er z.B. in besagten Szenen mit den fleischlichen Personen spricht, in der nächsten Abfolge dann Skelette neben ihm sitzen.
Dramaturgisch passiert eigentlich nicht so viel, die Episode hätte gestrafft noch besser funktioniert: Man sieht Harold phantasieren und phantasmogieren, das Pärchen nebenan wird etwas vorgestellt und lernt seinen neuen Nachbarn kennen, er [Harold] verliebt sich in sie Dame und will sie zum Teil seiner Familie machen. So ungefähr die Reihenfolge. Der Storyfluss ist dabei ziemlich seicht; wirklich ein Klimax wird dabei nicht aufgebaut, da man sich wie gesagt das Ende mit etwas Zusammenreimen in Ansätzen denken kann. An Gewalt wird einem im Gegensatz zur Hooper Episode kaum etwas geboten, lediglich die “Entsorgung” der jetzigen Frau Harolds - ein Schlag mit dem Hammer auf den Kopf - ist etwas grafischer. Ansonsten werden wir Zeuge leicht schleimiger Säurebäder, wirklich eklig oder brutal wird’s aber wie von Landis gewohnt nicht. Auch wieder einmal hapert es am Spannungsaufbau - immerhin steht in der Story der psychopathische Mörder im Vordergrund, die Kamera ist also eher ihm, denn seinen Opfern, zugewandt. Zudem ist wie gesagt manches doch vorhersehbar, trotzdem kommt das Ende doch wie ein Schlag mit dem Dampfhammer; nicht zuletzt auch wegen einer sehr ... exquisiten ... Kamerafahrt! Landis ist es hier wichtiger abermals für skurrilen Spaß zu sorgen, der atmosphärisch wieder mal sehr böse, aber nicht wirklich garstig, ausfällt. Insgesamt kann man sich das ganze wie eine herrliche überdrehte Mischung aus Psycho, Meine teuflischen Nachbarn und Buio Omega vorstellen - also nix für "normale" Horrorfilmfreunde. Und daher sehe ich gerne über die ein oder andere Länge hinweg. Hat mir persönlich besser gefallen als wie Deer Woman, da auf Plattitüden verzichtet wurde und der schräge Humor eher in den Kontext passt. Abermals eine Steigerung eines in der vorherigen Staffel eher nur mäßig gelungenen Beitrages eines Altregisseurs. (7,5/10)
In regelmäßigen Abständen werde ich die weiteren Episoden hier besprechen; auf Grund dieser dann fortwährend die Gesamtnote anpassen…