Auf einer japanischen Bordellinsel sucht ein Amerikaner (Billy Drago) Ende des 19.Jahrhunderts nach seiner großen, von ihm einst zurückgelassenen Liebe. Er trifft auf eine mißgebildete Geisha, die ihm nach und nach die grausame Geschicht erzählt.
Röchel, röchel, hust...Takashi Miike lebt noch...zumindest ein bisschen. Oder um ehrlich zu sein bin ich mir immer noch nicht sicher. Nach dem Totalreinfall "GreatYokai War" kann man "Imprint" immerhin zu Gute halten, daß Miike hier zu dem zurückkehrt, was ihn (für mich) so groß gemacht hat: Seine geisteskranken Einfälle. Ich meine damit nicht zwingend die exzessive, teils comichafte Gewalt seiner Weke, sondern vielmehr seine absurden Ideen und Ausführungen. Bei Imprint ist immerhin die endstufige Gewalt da. Eine Folterszene, die einen wohlig zurückerinnert an das erste mal "Ichi" und ein embryonaler Unterton, der dem Film die Miike-typische Ungreifbarkeit verleiht, reichen schon mal aus um die deutsche Fassung um 6 Minuten zu schneiden und den altgedienten Miike-Nerd doch wieder durchaus zufrieden zu stellen. Doch irgendwie bleibt der ganze Rest etwas unbefriedigend.
Das ausgerechnet auf der Anchor Bay DVD (die deutsche Scheibe wird sich eh keiner besorgt haben) keine englischen Untertitel vohanden sind und man sich, selbst mit guten Englischkenntnissen, durch das unverständliche Englischgegatze der japanischen Darsteller kämpfen muß, ist schon mal ein ganz schlechter Einstieg. Zum zweiten zeigt die U.S Scheibe eine Sache überdeutlich: Billy Drago ist ein grausam beschissener Schauspieler. Eigentlich faszinierend wenn man bedenkt, daß er doch ein absoluter Star des B-Films ist (oder vielleicht auch eher war). Aber sein überdrehtes, betont ausdrucksstarkes Schauspiel unterbietet jedes Laientheater und tut dem Film definitiv keinen Gefallen. Ähnliches gilt für die Japano-amerikanische Hauptdarstellerin die in ihrem breiten U.S.- Englisch so gar nicht für eine morbid-beängstigende Atmo sorgen will.
Über die Tatsache, daß Miike jetzt anscheinend langsam in Amerika ankommt möchte ich mir lieber mal keine Gedanken machen und über potentielle Remakes auch nicht ("Fudoh" als Blockbuster...ohne She-Male...dafür mit Jessica Biehl, oder so ähnlich...). Vielleicht sehe ich aber auch nur zu schwarz. Aber das nur am Rande.
Ein wirkliches Hauptproblem dürfte Miike's Selbstverständnis sein. Über die letzten Jahre hinweg dürfte er sich seines Bekanntheits- und Polarisierungsgrads im Westen durchaus bewußt geworden sein. Dort allerdings, wo Filme wie "Ichi" oder "Visitor Q" durch ihren puren Nihilismus und ihre gänzliche Abgrenzug zu bereits bekannten Szenarien völlig frei und unbekümmert auf den Zuschauer losgelassen wurden, wirkt "Imprint" bemüht und gewollt. Er kommt einem vor, wie der Versuch, mit Gewalt eine neue Superlative an Irrsinn zu erzwingen. Ähnlich gelagert ist auch der Schluß, der mit seiner ausgelutschten, schizophrenen Pointe nicht gerade cineastisches Neuland betritt.
Das ich mich jetzt, wie so oft, in den Negativaspekten suhle, wird dem Film allerdings definitiv nicht gerecht. Die Atmo ist zynisch und ,zumindest zu Beginn, aüßerst morbid. Die Bilder, die die Kamera einfängt sind duchaus schön und die Goresequenzen sind, auf ein Neues, voll und ganz "befriedigend". Ob die Story jetzt gefällt oder nicht, liegt maßgeblich an der Erwartungshaltung mit der man an das Teil rangeht (im Prinzip kann man sich eigentlich nicht beschweren). Störend ist sie definitiv nicht.
Alles in allem ein durchaus ansehnlicher Kurzspielfilm.