Review

1.1: Incident on and Off a Mountain Road - 7/10

Willkommen zur „Masters of Horror“-Anthology, dem von Mick Garris („Sleepwalkers“) ins Leben gerufenen sowie vom US-Kabelsender „Showtime“ produzierten Treffen der Genre-Großmeister. Eine Auswahl von auf diesem Gebiet hoch angesehenen Regisseuren präsentiert je eine rund 50- bis 60-minütige Episode und lotet so zum Teil die Grenzen des gewählten TV-Formats aus (Miike hat jene allem Anschein nach gar überschritten). Den Anfang macht Don Coscarelli, bestbekannt für „Bubba Ho-Tep“ oder der „Phantasm“-Reihe, mit seinem Beitrag „Incident on and off a Mountain Road“…

Irgendwo auf einer abgelegenen Landstraße, welche sich kurvenreich durch eine dicht bewaldete Bergregion schlängelt, versucht sich Ellen (Bree Turner) inmitten der nächtlichen Stunden auf die Fahrbahn zu konzentrieren sowie die Oberhand gegenüber aufkeimender Müdigkeit zu bewahren. Zuvor hatte sie sich (nach einer nur kurzen, schnell eingegangenen Ehe) von ihrem Mann Bruce (Ethan Embry) getrennt, denn die Liebe auf den ersten Blick war leider ziemlich rapide verblasst. Der Hauptgrund dafür bestand in der Tatsache, dass er sich mit der Zeit als fast schon fanatischer Survival-Freak entpuppte, der fest davon überzeugt war, gut gerüstet auf eine drohende Anarchie in den Großstädten vorbereitet sein zu müssen, weshalb er jene auch soweit möglich mied und die Zeit lieber in ländlichen Gebieten verbrachte. Diese Tatsache, in Verbindung mit der ganzen gelebten Philosophie, war Ellen schon bald über den Kopf gewachsen – zumal sie sich in Selbstverteidigung und Waffengebrauch als eher unbegnadet entpuppte, was Bruce wiederum enttäuschte. So wurde die Beziehung zunehmend vergiftet, weshalb ein konsequenter Schlussstrich gezogen werden musste, an den ihre jetzige Heimfahrt nun direkt anknüpft.

Nach dem Abschluss jenes Kapitels ist für Ellen also eine neue, optimistische Lebensphase angebrochen – welche aber erst einmal mit einem Knall beginnt, nämlich als sie, abgelenkt vom Radio, ein verlassenes Fahrzeug hinter einer Kurve zu spät sieht, dieses (trotz eines eingeleiteten Ausweichmanövers) rammt und schließlich etliche Meter weiter zum Stehen sowie kurz darauf auch aus einer eingetretenen Bewusstlosigkeit wieder zu sich kommt. Beim folgenden Bestreben, sich nach dem Verbleib der Insassen des anderen Wagens zu erkundigen, findet sie den Innenraum blutverschmiert vor, wie auch eine Spur, welche hinüber zur Böschung führt, von wo aus sie plötzlich das Wimmern einer Frau vernimmt. Statt einer Verletzung stellt sich jedoch heraus, dass diese gerade von einer zwei Meter großen, glatzköpfigen, weißhäutigen Gestalt (John DeSantis) verschleppt wird, welche Ellen (bei Bemerken) augenblicklich mit einem Messer angreift. Per beherzten Sprung den Abhang hinunter gelingt ihr vorerst die Flucht in den Wald hinein, doch ihr Verfolger hat es nun primär auf sie abgesehen und hetzt sie fortan gnadenlos durch die Nacht, bevor sie sich auf einige Dinge (wie etwa die Konstruktion von Fallen) besinnt, welche ihr Bruce immer beizubringen versucht hatte. Diese überraschende Gegenwehr macht sie (in den Augen des Jägers) zu einer noch attraktiveren Beute. Letztendlich findet sie sich trotzdem irgendwann gefesselt im Keller einer kleinen Hütte wieder, umringt von einer Vielzahl Leichen in unterschiedlichen Verwesungsstadien sowie einem singenden, Süßigkeiten-liebenden alten Mann namens Buddy (Angus Scrimm), der ihr einige (nicht gerade erbauliche) Informationen bezüglich „Moonface“ liefert. Verzweifelt versucht sie sich den Ketten zu entledigen – unwissend, dass ihr Albtraum gerade erst richtig begonnen hat…

Regisseur Coscarelli hat mit „Incident on and off a Mountain Road“ einen klassischen „Backwoods“-Streifen umgesetzt und diesen vom Stil her angenehm „old school“ gehalten – angesiedelt irgendwo zwischen “Wrong Turn“, “T.C.M.“ und “the Devil´s Rejects“. Sein Drehbuch (gemeinsam mit Stephen Romano auf Basis einer Joe R.Lansdale Kurzgeschichte verfasst) folgt zwar weitestgehend dem bekannten Verlaufsmuster, allerdings nicht ohne an zentralen Stellen eine Reihe feiner Schema-Abwandlungen aufzuweisen. Sicher, wir haben es erneut mit einem deformierten, degenerierten Hillbilly zutun, der seine Opfer in der Einsamkeit der Region gerne quält und anschließend zum Verwesen überall im Haus verteilt oder (an Holzgerüsten befestigt) auf dem Grundstück aufstellt, doch trotz Klischees (á la Vollmond oder die stürmische Nacht erhellende Blitze), welche auf einer gewissen Weise fast untrennbar mit der Materie vereint scheinen, vermag das Gezeigte über weite Teile zu fesseln und profitiert zudem von einer interessant präsentierten Storyline. Während die Geschichte kurz vorm Unfall einsetzt, wird der sich entfaltende Verlauf gelegentlich von Rückblenden unterbrochen – parallel zu der sich immer weiter zuspitzenden Lage in der Wildnis/Hütte wird das Scheitern Ellen´s Ehe aufgezeigt, was die trostlose Stimmung zusätzlich verstärkt. Zugleich erhält man auf diese Weise die Hintergrundinformationen, warum sie sich so gut mit dem Bau von Fallen auskennt. Natürlich war sie nie wirklich talentiert darin (das hat Bruce ja ständig an ihr gestört), und auch in dieser Situation ändert sich das nicht, was zu zwei recht intensiven Szenen führt. Entscheidend ist jedoch, dass sie kein hilfloses Opfer ist, das erst gegen Ende (endlich) zurückschlägt, sondern von Anfang an clevere Gegenmaßnahmen einleitet und so letztendlich immerhin einen entscheidenden Nutzen aus ihrer ansonsten miesen Ehe zieht. Sie folgt nicht der „Scream-Queen“-Tradition von Campbell, Hewitt oder Biel (etc), sondern nimmt sogleich bei ihrer ersten Begegnung mit dem Killer aktiv den Kampf auf. Das ist eine von diversen Überraschungen, und getreu Bruce´s Aussage „Expect the unexpected“ resultiert alles schlussendlich in einem furiosen Twist, welcher gekonnt die „now the Killer comes back for one last Scare“-Masche umgeht und die letzten Minuten auf eine ganz neue Ebene hebt. Ja, die Wendung ist klasse und vollkommen unerwartet, doch die finalen Ereignisse sind (zugegebenermaßen) leicht überzogen, in dieser Form nicht hundertprozentig plausibel (Stichwort „Shhh“) sowie extrem im Sinne der Inhalte – das ändert aber nichts an ihrem Effekt auf den Betrachter.

Bree Turner (“Jeckyll+Hyde“/“American Pie 2“) ist eine schöne, starke Hauptdarstellerin, ohne dabei zu einer „Barbie im Horrorland“ zu verkommen. Sie überzeugt anstandslos, was ebenfalls für Ethan Embry („Disturbing Behaviour“) gilt, außer dass er nicht wirklich viel zutun hat. John DeSantis („Thir13en Ghosts“) ist als „Moonface“ leider schlichtweg austauschbar – dafür hat Angus Scrimm (der „Tall Man“ himself) einen großartigen Auftritt als singender, tanzender, nervender Buddy. Schön, ihn mal „entfesselter“ (und nicht nur bedrohlich-reserviert) agieren zu sehen. Coscarelli´s straffe Inszenierung ist hochwertig und stellt manch artverwandtes Werk (vor allem des „DTV“-Sektors) locker in den Schatten. Eine dichte Atmosphäre und ausreichende Spannungsstärke ist vorhanden, gewisse Szenen sind einfach perfekt umgesetzt worden (gerade bei der Liebeszene stimmt einfach alles – Schnitttechnik, Beleuchtung, Kameraarbeit, Musikuntermalung etc), ohne dass optische Spielereien vom Geschehen ablenken.

In dieser Episode hat mich (leider) der Killer etwas enttäuscht, denn mal abgesehen davon, dass man ihm nicht den Hauch eines Backgrounds zugestanden hat, gefiel mir seine optische Erscheinung (übrigens von „KNB EFX“) nur bedingt, da nicht sonderlich nachhaltig (zum Glück ging sein Hut rasch verloren). Vielleicht wäre es darüber hinaus kreativer gewesen, nicht so viel von „House of 1000 Corpses“ oder Hooper´s „T.C.M.2“ zu übernehmen (im Sinne von „Leichen überall“) – obwohl der Einfall, ein skelettiertes Kleinkind als Waffe zu nutzen, „stark“ war und Moonface´s grausige Vorgehensweise im Keller (inklusive blinkender Lichter, Sirenengeheul und einem sehr großen Bohrer) ansatzweise gar Rob Zombie´s Intensitätsgrad erreicht. Eine CGI-Einstellung fand ich zu künstlich, nämlich das Schimmern des Mondlichts durch die ausgebohrten Schädellöcher einer draußen aufgehängten Leiche – obwohl sie prinzipiell einen bestimmten Zweck erfüllt (Augen spielen eine zentrale Rolle). An anderer Stelle gibt es einen Moment, als ein großes Messer neben Ellen im Baum einschlägt, und man ihr vor Schreck weit aufgerissenes Auge durch ein Loch in der Klinge hindurch filmt – klasse Einstellung! Zu guter Letzt die Rückblenden: Sie erfüllen ihren Zweck, reißen den Zuschauer aber leider zweimal aus der spannenden Jagd-Handlung heraus (was zusätzlich dadurch unterstützt wird, dass die Flashbacks die einzigen Momente sind, die am Tage spielen). Man hätte es wohl kaum anders lösen können, doch in meinen Augen bremsen sie den Film jeweils kurzzeitig aus. Die Gewalt kommt hart wie roh daher und beinhaltet neben den Morden zudem sadistische Quälereien sowie gar eine Vergewaltigung – und das (nicht nur, aber besonders) für eine TV-Produktion erstaunlich direkt und deutlich. Zusätzlich trägt das Fehlen jeglicher Art von Humor (wie beispielsweise bei „Tales from the Crypt“ vorhanden) zum konsequenten Gesamtbild bei – wer also „Haute Tension“ oder die „Rejects“ schon nicht mochte, besitzt hier ebenfalls schlechte Karten. Allgemein sollten Horror-Freunde allerdings überwiegend auf ihre Kosten kommen…

Fazit: „Incident on and off a Mountain Road“ bildet den gelungenen Auftakt dieser von Genre-Fans sehnlich erwarteten Serie – zwar nicht sonderlich originell, dafür aber hart, intensiv sowie mit einem „Killer Twist“ am Ende … 7 von 10

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