„Homecoming“, entstanden nach einem Drehbuch von Sam Hamm („Batman“), mit welchem er Dale Bailey´s Kurzgeschichte „Death and Suffrage“ adaptierte (veröffentlicht in seiner Anthology „the Resurrection Man's Legacy and other Stories“), ist zweifellos die provokanteste Folge der „Masters of Horror“-Reihe, welche das Publikum vermutlich in zwei (wahrscheinlich unversöhnliche) Lager spaltet. Worum es geht? Gefallene US-Soldaten entsteigen ihren Gräbern, um sich folgend an der Regierung zu rächen, welche sie in einen (in ihren Augen) sinnlosen Krieg geschickt hat. Klingt nach einem coolen Gore-Fest? Ach, dann hab ich wohl noch nicht erwähnt, dass sie eigentlich absolut friedfertig sind und ihren Sieg im Wahlkampf per Stimmzettel erzielen wollen…? Jip, Freunde, Ihr habt richtig gelesen: Unseren untoten Kameraden geht es nur darum, das Kreuz auf ihrem Ballot an der richtigen Stelle zu setzen – danach kippen sie einfach neben der Wahlurne um und haben ihren Frieden gefunden. Natürlich handelt es sich bei ihnen ausschließlich um Gegner des amtierenden Präsidenten, der sie damals aufgrund von zweifelhaften Behauptungen in Marsch gesetzt hat – alle anderen verstorbenen GIs, die seine Politik teilten und unterstützten, sind nämlich tot geblieben, da sie mit sich und ihrer Landesführung im Reinen sind…
Es handelt sich also primär um eine Polit-Satire unter dem Gewand eines Horrorfilms, und auf den ersten Blick könnte man tatsächlich denken, dass die Story nach einer neuen, kreativen und humorvollen Herangehensweise an alte Ideen klingt – doch leider ist die Umsetzung derart plump ausgefallen, dass es schon an Geschmacklosigkeit grenzt. Gelungene Filme über Wahlkampf und Politik sollten feinfühlig, clever und nach Möglichkeit subtil sein (siehe „Bob Roberts“ oder „Wag the Dog“). „Homecoming“ hingegen ist das genaue Gegenteil und unterbietet aufgrund seiner einseitigen wie taktlosen Inhalte locker das Niveau von Chris Farley´s „Black Sheep“ um Längen. Was einem hier verkauft wird, ist der feuchte Traum eines engagierten (US-) Demokraten, der zudem noch Zombie-Streifen mag. Sicher werden einige die Inhalte für richtig und zum Nachdenken anregend empfinden, vor allem da es ja gerade so in Mode ist, gegen die amerikanische Politik zu wettern, aber jenen fehlt in diesem Fall einfach die Weitsicht fürs breitere Gesamtbild. Es ist vollkommen in Ordnung, diese oder jene Meinung zu vertreten – allerdings sollte man bei der Bewertung eines solchen Projekts mehr als nur das mit den aufgesetzten Scheuklappen erkennbare (politische) Feidbild heranziehen. Ein Beispiel? Es gibt eine ganze Reihe Anspielungen auf die Werke George A.Romeros (dessen gesellschaftskritische Ansätze übrigens um Lichtjahre intelligenter und gelungener waren), von denen einige subtil (die Bewegungen der Untoten, eine spezielle Friedhofsszene mit zwei Familienangehörigen), andere mit dem Holzhammer konzipiert wurden (einer der auferstandenen Soldaten heißt G.A.Romero). Das ist an sich ja noch okay – im gleichen Moment werden jedoch die meisten „seiner“ (Sub-) Genre-“Gesetze“ gebrochen: Die Zombies sind freundlich, friedfertig, politisch motiviert, empfinden Schmerz, können (je nach Verletzungsgrad) gut sprechen, sterben nicht per Kopfschuss, geben Interviews im TV, führen Protestumzüge an, mischen sich (trotz ihrer Verwesung) unter die Bevölkerung und wollen ohnehin nur am Wahltag ihre Stimme geltend machen. Darüber hinaus ist die ganze Sache weder clever, spannend noch lustig. Selten habe ich mich in den letzten Jahren derart über eine Produktion geärgert…
Dabei beginnt alles recht viel versprechend: Ein Paar fährt nachts durch dicht bewaldetes Gebiet gleich außerhalb von Washington DC, als plötzlich ein auf Krücken gehender Mann in Uniform vor ihnen auf der Straße im Scheinwerferlicht auftaucht. „It´s one of them!“, schreit sie und greift ihrem Begleiter ins Lenkrad, so dass dieser die Gestalt frontal rammt. Der Wagen rutscht dabei in den Graben, der abgerissene Kopf des Überfahrenen bleibt auf der Motorhaube liegen – aber dessen Augen und Mund bewegen sich weiter, denn es steckt immer noch Leben in dem Körperteil! Ganz in der Nähe hält plötzlich ein Army-Truck an. Soldaten springen heraus, doch auch sie scheinen verwundet oder irgendwie gehbehindert zu sein. Die Frau (Jane) holt daraufhin eine großkalibrige Schrotflinte aus dem Kofferraum, eröffnet augenblicklich das Feuer auf die sich nähernden Leute und schreit dem Mann (David) zu, er solle es ihr gleichtun sowie auf die Beine schießen, da das der einzige Weg sei, sie aufzuhalten. Dann ein Schnitt – 4 Wochen früher: Das Land steht vor der Präsidentschaftswahl im Jahre 2008. Der amtierende (republikanische) Präsident hat einen Krieg weit entfernt gegen ein Regime begonnen, welches angeblich Massenvernichtungswaffen besessen haben soll. In einer politischen Sendung auf einem Nachrichtenkanal diskutieren David Murch (Jon Tenney), ein politischer Berater, und die zynische Jane Cleaver (Thea Gill), erfolgreiche Autorin eines Buches (das die „radikale Linke“ im Land angreift), über die aktuelle Situation in den USA, da verbreitete Anti-Kriegs-Proteste stetig an Intensität zunehmen. Live im TV wird David mit der Mutter eines getöteten GIs konfrontiert, die vom Secret Service verhaftet wurde, nachdem sie den Präsidenten „Why?“ fragen wollte. Als sich ihr Anliegen mit Erinnerungen an seinen nie aus Vietnam zurückgekehrten Bruder vermischt, hält er in einem emotionalen Moment inne und meint, dass er sich ernsthaft wünschen würde, dass die Gefallenen ihre Geschichten erzählen könnten. Anschließend unterhalten sich Jane und er noch in einer Bar über seinen Quasi-Blackout, bevor es ab aufs Zimmer zu einer Runde kitschigen S/X-Sex geht…
Kurz darauf der erste Vorfall: Auf einem Militärflughafen werden die mit Flaggen bedeckten Särge zwischengelagert, bevor man sie zu den jeweiligen Begräbnissen abtransportiert. Zwei Wachen sollen aufpassen, dass keine Fotos von ihnen gemacht werden, als sie plötzlich ein Geräusch hören. Anfangs glauben sie an einen versteckten Journalisten, doch dann erheben sich die toten Soldaten und wandern in der Halle umher. Aus Versehen erschießt der eine dabei seinen Partner („Friendly Fire“) – er wird von den Zombies verschont. David selbst erlebt wenig später einen weiteren Vorfall, als er mit seiner Mutter das Grab seines Bruders auf dem Militärfriedhof besucht und einige ehemaligen Kombattanten sich in der Nähe ausgraben. Es stellt sich heraus, dass alle Verstorbenen des derzeitigen Einsatzes ins Leben zurückgekehrt sind – scheinbar aufgrund seines Wunsches. Untersuchungen ergeben, dass sie nun nahezu unverwundbar sind, also überlegt das Militär sogleich, ob man sie nicht für sich kämpfen lassen kann – aber das wollen sie nicht: Ihr Ziel ist es, bei der Wahl ihre Stimme abgeben zu dürfen. Zuerst versucht man die Situation positiv zu nutzen („Nicht einmal der Tod kann den Vormarsch der Freiheit aufhalten“), dann stellt sich allerdings heraus, dass alle Zurückgekehrten ausschließlich den Gegenkandidaten unterstützen – fortan sperrt man jene, die sich zusammentreiben lassen, in Gefangenen-Camps und deklariert sie als „Public Health Threat“. Das wiederum gefällt der Öffentlichkeit nicht, da es sich ja um friedliche Zombies handelt, worauf man sie auf Druck der Bevölkerung wieder freilassen muss. Am Wahltag geben sie schließlich ihre Stimme ab und scheiden dahin. Das Ergebnis ist ungemein knapp: Ein Bundesstaat entscheidet über den Gesamtsieg – wie gut, dass die Regierung genügend Macht besitzt, den Ausgang zu ihrem Vorteil zu manipulieren. Man hat das Land sowie die gefallenen Soldaten erneut betrogen, weshalb sich letztere wiederum aus ihren Gräbern erheben, dieses Mal jedoch voller Zorn und Gewaltbereitschaft. Zudem haben sie sich Verstärkung mitgebracht, nämlich die Opfer aller vorherigen Kriege…
Ich muss den Verantwortlichen des „Masters of Horror“-Projekts (u.a.“Showtime“) schon meinen Respekt dafür aussprechen, ein Werk mit solcher Thematik zu unterstützen. Die Ankündigung, man würde den jeweiligen Regisseuren volle künstlerische Freiheit gewähren, entsprach allem Anschein nach den Tatsachen. Unglücklicherweise sagt das rein gar nichts über die Qualität des Materials aus, für das sich die jeweiligen Herren entschieden haben. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht viele Filmemacher gibt, die „Homecoming“ (aus den unterschiedlichsten Gründen) hätten inszenieren wollen. Es wird auch offen zugegeben, dass man auf relativ unbekannte Schauspieler zurückgreifen musste, nachdem alle ursprünglich vorgesehenen Personen strikt ablehntet hatten. Zum Glück bot sich da Joe Dante an, dessen Karriere mit Hits wie „the Howling“ und „Gremlins“ stark begann, in den letzten Jahren allerdings eher als „klinisch tot“ einzustufen ist. Er ist zweifellos nicht die schlechteste Wahl, wenn es darum geht, humorvollen Horror mit satirischen und parodistischen Elementen anzureichern, doch hier ist ihm jegliches Feingefühl mit der Materie abhanden gekommen. Wie aus meiner Inhaltsbeschreibung bereits hervorgeht, hat man alle Elemente, die man nur irgendwie gegen die aktuelle US-Regierung anführen konnte, zusammengekratzt sowie auf grobe Weise in die ohnehin abstruse Handlung eingefügt: Krieg unter falschen Angaben, aufflammende Proteste, trauernde Mütter, Bilder von mit Fahnen abgedeckten Särgen, Gefangenencamps mit „Häftlingen“, deren Status (hier: tot oder lebendig) man nicht genau klären kann, weshalb man sie ohne rechtliche Grundlage festhält und so weiter. Dante versucht die schrecklichen Auswirkungen des Krieges den Leuten in der Heimat näher zu bringen, das ist klar erkennbar, und natürlich bekommt George W. ebenfalls sein Fett weg: Zwar wird der Präsident nie gezeigt, doch er spricht mit einem texanischen Akzent, wird als „schwach in Debatten“ charakterisiert und als genauso dumm wie seine Wähler hingestellt („He makes stupid people feel they're just as smart as he is“). Außerdem hat Janes Wagen das Kennzeichen „BSH BABE“. Die Zombies kämpfen für die „gute Sache“, während die Wählerschaft der Regierung tot „bleiben darf“ – dass sie ja eigentlich auch in einer Demokratie eine Stimme besitzen, wird natürlich konsequent ausgeklammert.
Der Regisseur verkündet ganz offen: „This is a horror story because most of the characters are Republicans.“ Schön, dass er so denkt, doch muss er uns mit seiner Meinung/Einstellung/Gesinnung im Rahmen einer Horror-Serie belästigen? Sicher, es erzeugt gewiss Momentum, wenn sich ein gefallener GI erhebt und die ihn zuvor bedeckende Flagge zu Boden fallen lässt – aber das war die einzige Szene, die mich vom symbolischen Charakter beeindrucken konnte. Subtil ist hier nichts. Irgendwann im Verlauf versucht die Regierung einen Zombie zu einem öffentlichen Bekenntnis zugunsten der Regierung zu erpressen, indem man die Mutter des Mannes entführt und dieser Folter androht. An anderer Stelle läuft ein „armer Untoter“ durch den Regen, bevor er von einem älteren Pärchen in deren Restaurant gebeten wird, wo man ihn herzlich aufnimmt, da auch ihr Kind nicht mehr aus dem Einsatz nach Hause kam. Solche Momente empfand ich als extrem verlogen und manipulierend. Als die „Männer und Frauen an der Macht“ schließlich gar die Wahlergebnisse türken und allen Zombies somit die Legitimation gegeben wird, sich an den US-Republikanern zu rächen (sprich: sie zu töten), sollte das Maß bei jedem halbwegs intelligenten Betrachter überschritten sein. Zumal nichts an der Story clever ist! Ein weises Zitat von Kissinger reicht da nicht. Und die Machtgelüste der Beteiligten zusätzlich dadurch zu veranschaulichen, dass sie in ihrer Freizeit auf dominante S/M-Spielchen stehen, spricht Bände, denke ich. Selbst die Kirche bleibt nicht verschont: Anfangs wird alles als ein Zeichen Gottes dargestellt – später dann, als die politische Gesinnung und Wahlabsicht bekannt wird, heißt es, alle von ihnen seien satanische Ausgeburten der Hölle. Die Härte ist jedoch, als die Story noch einen Twist um Davids Bruder in den Ring wirft, welcher sich plötzlich als doch kein ehrenhafter Kriegsheld entpuppt. Wahrscheinlich wollte man damit erneut die Aussage forcieren, dass es durchaus Leute gab, die mit dem Vietnam-Krieg nicht einverstanden waren – eine bekannte Tatsache, für die man nicht noch Veteranen jenes Konflikts hätte mit reinziehen müssen.
Handwerklich hat Dante absolut solide Kost abgeliefert, so dass es auf diesem Gebiet keinen Grund zur Klage gibt. Den Einstieg fand ich durchaus gelungen, da (wenigstens kurzzeitig) Interesse geweckt sowie etwas Action geboten wird, bevor sich der Verlauf erst einmal merklich ruhiger entfaltet. Im Gegensatz dazu ist die Schlusseinstellung eine absolute Katastrophe. Die Darsteller, allen voran Jon Tenney („Entopy“), Thea Gill („Tornado Warning“) und Terry David Mulligan (aus „Disturbing Behavior“ in der Rolle eines „FOX TV“-typischen Polittalk-Gastgebers), liefern gute Performances ab, die Make-Up-F/X sind großartig und ragen einzig und allein wirklich aus dem Gesamteindruck heraus. Gerade für eine Fernsehproduktion sehen die Untoten absolut fantastisch aus! Das Traurige ist nur, dass alles gegenüber dem missratenen Grundton mitsamt den grob gestrickten Inhalten verblasst. Gesellschaftssatire und Zombies: Die Verbindung hat schon einige Male funktioniert. Hier nicht, da die Elemente teils falsch proportioniert, teils überreizt wurden. Was am Ende bleibt, ist der misslungene Versuch, eine offensive Polit-Satire unter dem Deckmantel eines Horrorfilms zu präsentieren – leider ist das Ergebnis taktlos, platt, spannungsarm sowie ohne Biss und Atmosphäre … 2 von 10