In B-Film-Kreisen ist der Name Larry Cohen schon lange ein fester Begriff. Früh in seiner Karriere machte er sich als Regisseur von kostengünstigen Horrorstreifen á la “Q - Winged Serpent“ oder der “It´s alive!“-Reihe sowie mit Drehbüchern zu Filmen wie “Maniac Cop“ oder “Uncle Sam“ einen Namen. In letzter Zeit ist es, abgesehen von seinen Vorlagen zu den (Kino-) Thrillern “Phone Booth“,“the Cellular“ und “Captivity“, deutlich ruhiger um ihn geworden. Die “Zugangsberechtigung“ zur “Masters of Horror“-Riege verdankt er demnach hauptsächlich dem Kult-Status seiner früheren Werke – zumal er, abgesehen von einer Dokumentation über die echte “Air Force One“, seit einer Dekade nichts mehr selbst inszeniert hat, wobei seine letzte Regiearbeit im Genre sogar knappe 20 Jahre zurückliegt (“a Return to Salem´s Lot“, 1987). Das Skript von “Pick me up“, so der Titel seiner Episode, stammt aus der Feder von David J.Schow (“the Crow“), welcher damit seine eigene Kurzgeschichte (veröffentlicht in der Anthology “Crypt Orchids“) fürs TV adaptierte. Die Ausgangssituation – der “Konkurrenzkampf“ zweier Serienkiller um ein halbes Dutzend Busreisende – vermag jedenfalls Neugier und Vorfreude gleichermaßen zu erwecken: “Hitcher“ meets “Breakdown“ vor einem traditionellen “Backwoods“-Setting…
Wieder einmal befinden wir uns irgendwo auf einer abgelegenen Landstraße, welche sich kurvenreich durch eine dicht bewaldete Bergregion schlängelt – dieses Mal allerdings am Tage: Die lange, abwechslungslose Busfahrt nach Spokane ist auf dieser Route nicht gerade ein Erlebnis, weshalb auch nur eine Handvoll Passagiere sich für diesen Trip entschieden haben. Selbst ihr Fahrer (Tom Pickett) wirkt sichtlich gelangweilt, bis wenigstens mal eine kleine Abwechslung in Form einer sich auf der Fahrbahn befindenden Schlange auftaucht, welche er mit einem zügigen Lenkmanöver gerade noch so überfahren kann (da er die Viecher so hasst). Eventuell war diese Aktion aber etwas zuviel für den betagten Bus, denn kurz darauf gibt dieser inmitten der Wildnis seinen Geist auf. Eine der nun Betroffenen, die junge Stacia (Fairuza Balk), hat absolut keine Lust, bloß tatenlos rumzusitzen und auf Hilfe zu warten, weshalb sie sich aufmacht, zufuß einige Meilen bis zum nächsten Motel zu wandern. Was sie natürlich nicht weiß, ist dass schon wenig später der Trucker Wheeler (Michael Moriarty) den Liegengebliebenen auf seiner Tour begegnet. Er verspricht, umgehend beim nächsten Rasthof Bescheid zu geben – und weil er solch ein freundlicher Kerl ist, nimmt er auf Wunsch gleich zwei der Fahrgäste (Danny und Birdie) mit dorthin. Der raue Charme des Mannes hat es vor allem letzterer (Laurene Landon) angetan, weshalb sie nach Erreichten des Restaurants aktiv seine nähere Gesellschaft sucht. In der Hoffnung auf ein kleines Abenteuer, verschwinden die beiden schließlich in seinem Laster, doch statt schnellen Sex findet sie ein grausames Ende – ermordet sowie im Anschluss an Ketten im Anhänger aufgehängt…
Derweil erreicht der junge durchs Land ziehende Walker (Warren Kole) den defekten Bus, an welchem der Fahrer gemeinsam mit einem Pärchen noch immer auf den Pannendienst (oder so) wartet. Im Verlauf seines Fußmarsches, vornehmlich an der Straße entlang, immer auf eine Gelegenheit wartend, dass ihn jemand ein Stück weit mitnimmt, hatte er das absichtliche Überfahren der Schlange beobachtet. Seither trägt er das tote Tier (u.a. weil er diese Viecher so faszinierend findet) unterm Mantel mit sich herum – bis er dessen Körper dafür nutzt, den für die Tötung Verantwortlichen damit zu erwürgen. Zwar gelingt es ihm daraufhin recht zügig, auch den verbliebenen männlichen Reisenden zu ermorden, doch dessen Begleiterin (Marie) vermag es, panisch an ihm vorbei in den Wald hinein zu flüchten, worauf er (eher widerwillig) die Verfolgung antritt…
Zurück an der Raststätte, macht sich Danny (Malcolm Kennard) angesichts der nahenden Abenddämmerung langsam Gedanken über die restlichen Leute da draußen, weshalb er Wheeler dazu überredet, mit ihm erneut hinzufahren und nach ihnen zu sehen. Als ersterer dann vorort die zwei Leichen entdeckt, trennt ihm (der ebenfalls verwunderte) Wheeler kurzerhand per gezieltem Schließen der Gepäckklappe den Kopf ab, was Walker wiederum (genauso erstaunt) aus dem Gebüsch heraus beobachtet. Spätestens als der Trucker die mit Stacheldraht an einen Baum gefesselte Marie (Kristie Marsden) in der Nähe zwar lebendig vorfindet, sie daraufhin aber ihrem Schicksal in der Wildnis überlässt, wird den beiden Männern die neue Lage vollends bewusst…
Irgendwann erreicht Stacia (remember her?) schließlich das nächste Motel und nimmt sich ein Zimmer, kann allerdings nicht einschlafen, da nebenan anscheinend ein Pärchen ihre ganze Lust auslebt. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um Laute ganz anderer Art, denn Walker hat dort eine junge Frau ans Bett gefesselt und vertreibt sich die Zeit damit, ihr stückweise die Haut von Körper zu schneiden – sie und ihr Freund (welcher bereits tot im Straßengraben liegt) hatten den Fehler begangen, ihn mitzunehmen. Später wird Stacia von Walker draußen am Getränkeautomat in ein nettes Gespräch verwickelt, zu welchem sich auch Wheeler hinzugesellt, der zufällig eine Tür weiter für die Nacht eingecheckt hat. Als eher beiläufig zur Sprache kommt, dass sie ebenfalls zu den Passangieren des Busses gehörte, werden beide Männer natürlich (voneinander unabhängig) hellhörig sowie zum Handeln animiert – einem ersten Anschlag auf ihr Leben zu fortgeschrittener Stunde kann sie gerade noch so entkommen. Von da an ist den Killern die jeweilige Identität des anderen bekannt, worauf es für sie gilt, das auserkorene Opfer möglichst zuerst in die Finger zu bekommt und somit zu beweisen, der bessere von ihnen zu sein…
Das Konzept an sich ist absolut großartig, da es zwei klassische Killer-Charaktere vereint sowie diese ein makaberes Duell gegeneinander austragen lässt – doch statt als direkte Widersacher, welche ihren Gegenüber als Nemesis ansehen und daher aus dem Weg schaffen wollen, handelt es sich bei ihnen um Konkurrenten, die eine gemeinsame Beute jagen. Da der eine von ihnen ein Hitchhiker ist, welcher die Personen tötet, von denen er mitgenommen wird, der andere hingegen ein Trucker, der wiederum Anhalter ermordet, welche ihn um eine Mitfahrgelegenheit bitten, wären sie sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Vorgehensweisen (vom „Revier“ her) eigentlich nie in die Quere gekommen (es sei denn, sie hätten sich mal persönlich im Rahmen ihres „Alltags“ getroffen) – bis der liegen gebliebene Bus eine Überschneidung ihrer „Modi Operandi“ verursacht. Zwar passt das nicht so ganz zu Walkers Schema, aufgrund seiner Wut über den Vorfall mit der Schlange weicht er jedoch geringfügig von diesem ab. Unbewusst werden die Reisenden untereinander aufgeteilt, bis man sich des anderen gewahr wird. Stacia stellt schließlich den gemeinsamen Nenner dar, den es für sich allein zu verbuchen gilt. Die Figuren sind bewusst anders konzipiert worden: Wheeler besitzt eine ruhige, erfahrene, ironisch-sarkastische Art, während Walker eher aufbrausend und leichtlebiger wirkt, beispielsweise indem er zum eigenen Vergnügen foltert oder mit den Gejagten spielt. Charme, Gefühlskälte sowie das Einzelgängerdasein weisen beide auf. Michael Moriarty (TV´s“Law & Order“/“It´s Alive 3“) trifft mit seiner Performance den Nagel punktgenau auf den Kopf. Wie er seine Sätze formuliert, inklusive Sprachfluss und Tonlage, passt perfekt zu der Rolle und vermittelt so eine gleichermaßen interessante wie bedrohliche Ausstrahlung, welche auch der holden Weiblichkeit zu gefallen weiß. Ihm gegenüber steht Jungschauspieler Warren Kole (“Love Song for Bobby Long“/“One last Thing“), welcher im Vergleich nicht ganz mithalten kann, trotzdem aber mit seinem guten Aussehen, Südstaaten-Akzent sowie lässigen Auftreten ebenfalls einen positiven Eindruck hinterlässt.
Die erste „MoH“-Folge („Incident on and off a Mountain Road“) litt damals unter einem faden Killer, konnte jedoch mit einer starken Heldin auftrumpfen – hier ist es nahezu umgekehrt: Stacia scheint sich gerade aus einer gewalttätigen Beziehung gelöst zu haben, als die Geschichte einsetzt. Dass sie sich inzwischen nichts mehr gefallen lassen will, merkt man ihr auf Anhieb an, wodurch das explizite Zücken eines Messers mitsamt der klischeehaften „ich komm schon alleine klar“-Attitüde etwas dick aufgetragen wirkt (von Birdies „So young, so bitter…“-Kommentar ganz zu schweigen). Man erfährt demnach nicht viel über sie, bevor sie eine ganze Weile aus der sich stetig entwickelnden Handlung verschwindet, nur um dann im Motel unter die Dusche zu steigen sowie folgend ins Visier der Männer zu geraten. Eingeführt als „toughe“ Frau, hofft man innständig auf starke Gegenwehr ihrerseits, was jedoch nie in einem genügenden/gewünschten Maße eintritt, so dass sie im Endeffekt bloß wie ein Spielball ihrer Verfolger rüberkommt. Beim finalen (3er-) Face-Off kann der Zuschauer demnach weder wahrhaftes Mitgefühl noch eine anfeuernde Stimmung aufbauen – derart unterentwickelt und nebensächlich erscheint ihre Figur. Meine größte (negative) Überraschung in diesem Zusammenhang war sicher, dass ausgerechnet Fairuza Balk (“the Craft“/“American History X“) so wenig Ausstrahlung und Momentum zu generieren vermochte – das habe ich bei der Frau eigentlich bislang immer für unmöglich gehalten. Schade, traurig, verschenkt.
Ich muss gestehen, dass mich die (Regie-) Arbeiten von Larry Cohen (abgesehen von „Ambulance“) noch nie wirklich überzeugen konnten, und da bildet diese Episode leider keine Ausnahme (ähnlich wie bei Mick Garris und seiner „Chocolate“-Folge). In diesem Fall liegt es vor allem daran, dass die Inszenierung recht belanglos daherkommt – zwar solide und routiniert, allerdings weder aufwändig, spannend noch mit herausragenden Schauwerten. Das Endergebnis sieht einfach nur nach genau dem aus, was es ist – nämlich eine recht kostengünstige TV-Produktion, welche somit (unter diesen Gesichtspunkten) hinter der Mehrzahl der anderen Beiträge zurückbleibt. Der hintergründige Humor, für den Cohen ansonsten bekannt ist, blitzt zu selten auf, die einzige aufwändigere Sequenz (ein LKW-Unfall) wirkt unbeholfen, etliche Dialoge sind arg schwach. Das Fehlen einer dichten Atmosphäre wiegt schwer, zumal kaum echte Spannung aufkommt, das Potential der Story wird nicht voll ausgeschöpft. Wie in jüngerer Zeit üblich, genau genommen seit „Scream“, lassen sich auch hier diverse Anspielungen auf andere Genre-Beiträge finden, von denen einige mehr (Moriartys „Baby Monsters“-Bemerkung oder Balks subtile „Psycho“-Imitation im Bad des Motelzimmers), andere weniger gelungen sind (als Marie in den Wald läuft, ruft Walker ihr „I know you saw this in Texas Chainsaw!“ hinterher). Einige Aktionen der beiden Killer sind durchaus nett anzusehen, es gibt eine schöne Raum-übergreifende Kamerafahrt und der Einfall mit der toten Schlange als Mordwaffe ist zweifelsohne kreativ – mit jenem Begriff lässt sich das Skript insgesamt leider nicht beschreiben, was bereits bei der Namenswahl beginnt (Walker läuft/Wheeler fährt) und letztendlich im finalen Drittel negativ gipfelt: Zuerst enttäuscht der Showdown, dann entfaltet sich ein plötzlich auftauchender, dummer, schlichtweg überflüssiger (wenn auch böser) Twist, welcher fast genauso stark verärgert wie der Auftritt von Laurene Landon („Maniac Cop“) im ersten Akt. Am Ende führen all diese Faktoren dazu, dass man mit dem Gedanken „Das hätte so nun wirklich nicht ausgehen müssen!“ sowie der Gewissheit, von den Machern angesichts der eigentlich unschlagbaren Ausgangslage enttäuscht worden zu sein, in den Abspann entlassen wird … knappe 4 von 10