Treppenhäuser sind einfach dankbare Objekte für ausgedehnte Kamerafahrten. Der Blick über das Treppengeländer auf mehrere Stockwerke, wahlweise aus der Vogelperspektive oder als bottom-up-view, begegnet einem als Zuschauer doch immer wieder. Mir geht es so, dass entsprechende Einstellungen bestimmte Gefühle evozieren, die aufgrund von früheren Eindrücken vergleichbarer Motive im Unterbewusstsein abgespeichert sind und sich so auf die Erwartungshaltung niederschlagen. Auch "Valerie on the Stairs" beginnt mit einer Reise durch das muffelige Treppenhaus des Highberger House, einer Art Obdachlosenheim für heruntergekommene Schriftsteller. Somit steht das setting bereits fest, auf welches schließlich ja auch schon der Episodentitel verweist, noch während die credits zu Beginn über den Bildschirm flimmern und auch atmosphärisch ist klar wohin die Reise gehen wird. Wer klaustrophobisch düstere und enge Korridore mag, in verwinkelten Häusern mit schiefen Wänden in denen irgendetwas um sich geht, der ist hier an der richtigen Adresse.
Noch nicht klar zu diesem Zeitpunkt ist jedoch, was es mit der mysteriösen Valerie auf sich hat, die dem jungen Schriftsteller Robert Hanisey in eben jenem Treppenhaus schlaflose Nächte bereitet. Was aufgrund von diversen Rückblenden in der Erinnerung Robs zunächst nach einer Variation von David Koepps "Das geheime Fenster" schmeckt, weil man geneigt ist, eine traumatische Erfahrung des Protagonisten in Hinblick auf dessen gescheiterte Beziehungskiste zu unterstellen, entpuppt sich schließlich als ein deutlich komplexeres Mysterium.
Die übrigen Bewohner der Absteige kann man quasi an einer Hand abzählen und sind so oberflächlich wie skurril gezeichnet. Jede(r) von ihnen hat auf seine oder ihre Weise Anteil am Schicksal Valeries. Neben der grundsätzlich durchaus ansprechenden Optik des Highberger House, die eine recht beklemmende Stimmung erzeugt und so per se für eine gewisse Grundspannung sorgt, hat es sich Herr Garris bei der Inszenierung der Geschichte aus der Feder von Clive Barker nicht nehmen lassen, auch eine Anzahl von Schocks und Splattereffekte einzubauen. Beides mit recht wechselhaften Ergebnissen. Während eine herausgerissene Halswirbelsäule technisch durchaus überzeugend realisiert wurde, wirken Blutfontänen an anderer Stelle übertrieben selbstzweckhaft und alleine schon anatomisch wenig überzeugend. Schade, da sind wohl mit Garris die Gäule durchgegangen, denn nicht immer ist das Maximum dessen was man zeigen kann kongruent mit dem, was man wirkungstechnisch sinnvoll auch zeigen sollte. Die Schocks sind bestenfalls leider auch nur mäßig originell und tragen weder etwas zur allgemeinen Atmosphäre bei, noch wirken sie in irgendeiner Weise nach. Beneidenswert ist, wer dies anders wahrnimmt.
Die Auflösung wird im Wesentlichen durch einen Dialog zwischen Robert und einem seiner Mitbewohner vermittelt, wodurch auch in dieser Hinsicht ein spannungstechnisch intensiveres Aufdröseln des Geheimnisses leider entfällt. Vom Showdown bis zum Schlusstwist wird es dann leider auch noch (vermutlich unfreiwillig) trashig, was man aber mit etwas good will auch als Hommage an den einen oder anderen Klassiker im B-Movie Bereich des Genres betrachten kann.
Leider wurde eine ohnehin mitnichten originelle Grundidee nur mittelprächtig umgesetzt und das obwohl die Rahmenhandlung durchaus mehr hergegeben hätte. In diesem Sinne bleibt "Valerie on the Stairs" als Schauerkino von der Wirkung her irgendwo im Mittelfeld vergleichbarer Beiträge stecken. 5 / 10 Treppenstufen.