Takashi Miike ist in einem Land voller kreativ-kranker Filmemacher, sicher einer der extremsten, vielseitigsten & auch produktivsten. Am ehesten bekannt von "Ichi the Killer" oder "Audition", steuerte er mit "Imprint" für die (leider viel zu kurz gelaufene) amerikanische TV-Serie "Masters of Horror", eine einstündige Geschichte, die alle seine Markenzeichen kombiniert & wie eine Zusammenfassung seines Schaffens gesehen werden kann. Sicher eine der besten Folgen der Horror-Serie, die ihrer Zeit voraus war. Es geht es um einen amerikanischen Geschäftsmann, der (Anfang des 20. Jahrhundert?) während der Suche nach seiner verlorenen Liebe, auf einer surrealen Bordell-Insel landet, auf der er mehrere Versionen über den Verbleib seiner Geliebten anhören muss... eine verstörender & brutaler als die vorherige.
In "Imprint" steckt viel Leidenschaft - sowohl für das Leben, den Tod, sowie das Geschichtenerzählen an sich, die Wahrheit & den Schmerz. Ein wunderschöner Film, der aber verdammt wehtun kann & wortwörtlich dahin geht, wo es besonders schmerzt: unter die Haut, am liebsten die Fingernägel. Aber nicht nur die berühmt berüchtigte, schwer zu ertragende Foltersequenz trägt ihren Teil zur dichten Atmosphäre, zwischen Melancholie & Schock, bei, auch Themen wie tote Föten, Inzest, tödlicher Neid oder surrealer Bodyhorror, erhöhen den Staun- & Ekelfaktor. Was man nicht alles in eine Stunde packen kann. Eindeutig zu viel für viele Fernsehsender rund um den Globus, was dem Film einige Zensuren & Verbote auferlegte. Man muss nur Filmfan, nichtmal Miike-Fan sein, um das nur schwer verstehen zu können. Denn dieses vielschichtig, philosophische Teufelswerk schreit fast lauthals Kunst. Die Darsteller sind wohl eine Schwachstelle & nicht immer besonders glaubhaft, aber der Rest ist hohe Schule. Fans von "Kwaidan" bis "Guinea Pig" werden strahlen. Die Goreeffekte lassen Nackenhaare stehen & sind richtig gemein, die künstlerischen Bildmontagen, oft gefüllt mit surrealen Farben & traumhaften Landschaften, sind alles andere als TV-Niveau & erinnern teilweise an Kurasawa auf blutigem LSD. Insgesamt ist "Imprint" einer von Miikes besten Filmen & die kurze Laufzeit tut ihm gut. Besonders lesenswert sind etliche Interpretationen & Deutungen über die Insel, die Wahrheit, Himmel & Hölle. Eine feurige Gutenachtgeschichte, die zarte Gemüter zittern lässt.
Fazit: eine Mischung aus Geisha-Geschichtsstunde, Rashomon & der Hölle auf Erden - alles potenziert durch Miikes genial-kranken Kopf. Für einen Kurzfilm bzw. TV-Episode ist das großes Kino! (8/10)