Review

Ich hätte nicht gedacht, dass es nach "Plan 9 From Outer Space" wirklich noch eine höhere Stufe der Perfektion gibt (Durchaus im negativen Sinne gemeint). Und Tatsächlich übertrifft "Glen Or Glenda" in vielerlei Hinsicht die sympathische Blödheit anderer Ed Wood Streifen dieser Zeit.

Allein schon der Plot ist erschreckend. Ein "Horrorfilm" über Transvestie. Sicherlich ist das mal eine einmalige Idee, aber die Umsetzung ist freundlich gesagt unter aller Sau. Das ist jetzt durchaus nicht negativ gemeint. Was den Unterhaltungswert angeht ist "Glen Or Glenda" eine Bombe. Das geht los mit Bela Lugosi, der hier die völlig undefinierbare Randfigur darstellt. Ab und zu ist er plötzlich im Bild, spielt mit seiner Gestik wie ein Verrückter und quatscht uns mit wunderbar dämlichen Dialogen zu. Ob es nun ein dramatisch brüllendes "PULL THE STRING!" ist oder die Warnung vor einem großen, grünen Drachen, der auf der Türschwelle sitzt und kleine Jungs, Welpenschwänze und dicke, fette Schnecken isst. Gerade letzteren Satz bringt Lugosi sehr unterhaltsam rüber. Tatsächlich stolziert er immer auf der schmalen Linie zwischen "Schreckenerregend" und "Lächerlich".

Nun ist man natürlich auf die Story gespannt. Und die präsentiert sich auf unglaubliche Art und Weise. Ed Wood persönlich gibt uns hier Glen, der ein zweites Ich namens Glenda hat. Nun hat er aber ein Problem. Er will heiraten und ist sich nicht sicher, ob er seiner Verlobten seine Vorliebe für Frauenkleidung noch vor oder erst nach der Hochzeit sagen soll. Gerade die Entstehung von Glens Vorliebe ist toll geworden. Gerade an Halloween zieht er sich diese Kleidung an (Ist halt Halloween, wer zieht sich da denn nicht als Frau an?). Nachdem der Sprecher das unumgängliche geschildert hat ("Doch eines Tages war Halloween vorbei.") kommt Glens seltende Vorliebe entgültig zum tragen.

Wo steckt hier also der Horror? Was ist furchterregend daran jemanden zu sehen, der sich gerne mal weicher Damenunterwäsche hingibt? Tja, für die Sparte "Horror" ist ja auch Bela Lugosi da, der immer mal wieder "PULL THE STRING" schreit. Dem Zuschauer wird ebenfalls eine Gänsehaut bereitet mit Blitz und Donner, der sich immer mal wieder ins Bild drängelt wenn eine Schlüsselszene kommt. Und als Glen schließlich in einen bildhaften Wirbel der Gefühle gerät, geht der Film erst richtig los. Denn jetzt wird eine gefühlte halbe Stunde alles gezeigt, was man in einem Film überhaupt zeigen kann. Ein völlig merkwürdiger Teufel rennt durchs Bild, Frauen reißen sich die Kleidung vom Leib, ein Mann peitscht eine Frau auf dem Sofa aus - immer mal wieder kommentiert Bela Lugosi solche Szenen mit einem entsetzten Blick. Wenn man diese halbe Stunde vollkommen verwirrender Szenen überstanden hat, geht der Film erstmal auf Sparflamme, liefert für Glen ein taugliches Happy End und erzählt eine zweite, kleinere Geschichte über einen anderen Mann.

Dieser geht nämlich aufs Ganze und lässt sich in seinem Geschlecht umwandeln. An sich heute nichts umwerfendes. Doch damals muss das ja wirklich ein Prozess von unbeschreiblichen Terror und Horror gewesen sein. Die Geschlechtsumwandlung wird hier als Akt gezeigt, der sich am besten mit der schöpfung von Frankensteins Monster vergleichen lässt. Was soll das? Was will man uns denn damit sagen? Nach einer Geschlechtsumwandlung ist man ein undefinierbares Monster mit Schrauben im Hals? Pull the String!

"Glen Or Glenda" ist ein heißer Anwärter für den unterhaltsamsten Film des 20.Jahrhundert. Sowas schlechtes hat man selten gesehen, sogar von Ed Wood ist das überraschend. Denn die Dialoge und Monologe hier sind mindestens genauso dämlich wie die bei "Plan 9".

Fazit

Auch hier keine Bewertung. Das muss mal wieder jeder für sich entscheiden. Gut ist dieser Film lange nicht, aber auch nicht so schlecht dass man ihn gleich in die Tonne treten will. "Glen Or Glenda" ist im Prinzip Schrott, aber wenigstens ist er liebenswert. Für jeden Trash-Fan eine Perle. Für jeden ernsten Zuschauer eine Tonne Müll.

x/10

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