Review

Gut gemeint, grandios gescheitert


Glen hat ein Problem: Er liebt es, sich Frauenklamotten anzuziehen. Wie wird seine Verlobte Barbara das aufnehmen? Soll er ihr die geheime Neigung offenbaren, oder schweigen, bis die Bombe früher oder später ganz von alleine platzt? Ed Woods Glen or Glenda ist ein mit löblichen Intentionen gedrehter, doch leider völlig vermurkster Aufklärungsfilm über Cross-Dressing.

Edward Davis Wood Junior, verschrien (Verzeihung: verehrt) als schlechtester Regisseur aller Zeiten, legt mit diesem Streifen ein Erstlingswerk vor, das wie die Faust auf seine Reputation passt. Dieser Film ist so inkohärent, dass ich gar nicht erst damit beginnen mag, seinen Plot zu erläutern. Geplant war Glen or Glenda als Biografie von Christine Jorgensen, die mit der an ihr vollzogenen Geschlechtsumwandlung Schlagzeilen machte. Filmproduzent George Weiss wollte aus dem Stoff schnelle Kohle machen und engagierte den Newcomer Wood. Dieser pfiff auf Jorgensen, münzte das Script auf sich selbst um und lieferte das bizarre, gut einstündige Stück Filmgeschichte ab, an dem wir uns heute erfreuen können.

Glen or Glenda ist ein Flickwerk. „The Scientist“ (Bela Lugosi) begrüsst das Publikum mit einem Monolog voller Trivialitäten und Seltsamkeiten, um dann widerwillig dem „Plot“ Platz zu machen. Wir lernen Glenda – oder Glen? – kennen, gespielt vom Meister höchstselbst, Ed Wood. Diese hat mit inneren Dämonen zu kämpfen, da sie von der Gesellschaft nicht als Crossdresser akzeptiert wird. Feurig vertritt ein Erzählter Argumente für Cross-Dressing, aber wo ist denn jetzt Glenda hin? Vergessen, egal, weiter im Text. Es folgt ein pseudo-dokumentarischer Ausflug irgendwohin in die Wildnis, der beweisen soll, dass es auch für Männer vollkommen natürlich ist, sich schön machen zu wollen. Immer wieder taucht auch Lugosi auf, der mit Innbrunst kryptische Oneliner von sich gibt. Berühmt-berüchtigt: „Pull the string! Pull the string!!“ Was das heissen soll? Wer weiss das schon, und – was noch wichtiger ist – wen interessiert‘s?

Tiefpunkt ist eine obskure Traumsequenz, bei deren Ansicht selbst Freud in Erklärungsnot geraten wäre. Hier begutachten Wood und Lugosi mehrere „erotische“ Szenen, in denen Frauen nicht nur strippen, sondern angebunden und ausgepeitscht werden. Spätestens hier fragt man sich, ob man nicht lieber die Tapete im eigenen Zimmer anschauen sollte. Allerdings ist diese Szene so abgedreht, dass sie fast als surreales Meisterwerk durchgehen könnte. So mutiert der Tiefpunkt schneller zum Höhepunkt, als man sich kopfschüttelnd abwenden kann; und die Trash-Zauberformel „So bad it‘s good“  findet ihre vollste Anwendung.

Glen or Glenda ist nicht nur schlecht, sondern eine Katastrophe. Man merkt zwar schon, dass Wood eine ihm wichtige Botschaft vermitteln wollte. Leider ist er auf unfreiwillig komische Weise daran gescheitert, sie überzeugend rüberzubringen. Er wollte viel zu viel in diesen einen Film packen, sodass er letztlich an Übergewicht zusammen und auseinander bricht. Ist das nun ein Verriss? Wie man‘s nimmt. Gerade katastrophal schlechte Filme haben ihren ganz eigenen Reiz. Für Trash-Fans wird die besprochene Traumsequenz sicherlich ein Schmankerl sein. Ein schrecklicher Film? Ja. Ein langweiliger? Oh nein.

6/10

Details
Ähnliche Filme