Review

Ed Woods persönlichstes Werk


Eher für kultige und meist sehr naiv-schöne „Trash“schätzchen wie „Plan 9 From Outer Space“ oder „Bride of the Monster“ bekannt, hat Ed Wood mit „Glen or Glenda“ mal richtig einen rausgehauen. Mindestens genauso konfus und wirr und (positiv!) seltsam wie seine „Horror“werke - aber dafür mit einer gesellschaftlichen und menschlichen Message, die ihrer Zeit enorm voraus war, vor Wärme nur so strotzt und die man kaum hoch genug hängen kann... In diesem verkappten „Aufklärungsfilmchen“ (immer wieder unterbrochen von ulkigen Zwischensnippets des späten Bela Lugosi) folgen wir einem bald heiratenden Mann, der sich zu Frauenkleidung (und eventuell sogar einem Frauenleben) hingezogen fühlt und der nun damit hadert, es seiner Verlobten zu erzählen...

Was vor allem damals (aber in nicht zu unterschätzenden Teilen auch heute noch) von der Gesellschaft völlig verachtet und verpönt und missverstanden wurde. Und so gelingt Wood eine wirklich emotionale und herzergreifende Anklage gegen Vorurteile und ein wohl noch lange zeitloses Mahnmal für Freiheit, Gleichheit und Glück für alle Menschen, egal ob sie nur gerne die Klamotten des anderen Geschlechts tragen oder gar ganz in den falschen Körper geboren worden sind... Etwas konfus, sogar mit surrealen Traumsequenzen bestückt, die eher in einen Stummfilm gepasst hätten, mit Wood selbst in der wichtigsten Rolle, mit dem guten alten Bela wie gesagt unpassend aber erheiternd zwischengeschnittenen, mit enormer Kraft und einer Menge Mut sich dermaßen gegen den Konsens und die geradlinige Gesellschaft zu stellen. Das waren noch echte Querdenker! Ed Woods wichtigster und ernsthaftester Film. Groß. Wer ihn hier nach noch überzeugt als Nichtskönner und belanglosen Regisseur abstempelt, muss seine (Film)Welt nochmal gründlich überdenken! 

Fazit: seiner Zeit voraus, mehr als fortschrittlich, menschlich und schön. „Glen or Glenda“ ist ein obskurer und intimer Kultfilm über Männer in Frauenkleidern, von einem der verkanntesten Regisseure seiner Zeit. Tollpatschig, naiv, stückelig. Ja. Im klassischen Sinne wohl auch kein guter „Film“. Und dennoch mit dem Herz maximal am rechten Fleck. Beeindruckend. 

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