„Das geht hier ja zu wie im Taubenschlag!“
Nach seiner vorerst letzten Zusammenarbeit mit Gérard Depardieu in „Die Flüchtigen“ drehte der französische Komödiant Pierre Richard („Der Regenschirmmörder“) unter der Regie Edouard Molinaros („Die Herren Dracula“) die turbulente, schlüpfrige Beziehungskomödie „Der große Blonde auf Freiersfüßen“.
Yann Ducoudray (Pierre Richard) hat sich in die attraktive, nicht sonderlich glücklich verheiratete Florence Arnaud (Fanny Cottençon, „Stern des Nordens“) verguckt und erwartet aufgeregt ihren Besuch. An seiner Wohnungstür klingelt jedoch zunächst seine junge, nicht minder attraktive Nachbarin Eva (Emmanuelle Béart, „Mission: Impossible“), die in Unterwäsche vor ihm steht, da sie sich aus Versehen ausgesperrt hat. Yann klettert über den Balkon in ihre Wohnung, um die Tür von innen zu öffnen. Dort trifft er jedoch auf ihren eifersüchtigen und ausgesprochen jähzornigen Freund Boris (Richard Bohringer, „Diva“). Derweil trifft Florence auf die nur spärlich bekleidete Eva. Damit nicht genug, nach und nach tauchen auch noch zwei Revolver, Florence‘ Ehemann, die Putzfrau, die Polizei und Yanns zu makabren Scherzen aufgelegter Kumpel auf, die Türklingel befindet sich im Dauereinsatz und das Durcheinander ist perfekt...
„Der große Blonde auf Freiersfüßen“ ist eine chaotische Verwechslungskomödie voller Situationskomik und Wortwitz, die nach einer Art Prolog schnell zum skurrilen Kammerspiel wird. Der einmal mehr köstlich bemitleidenswerte, tragikomische Pierre Richard gerät als Yann Ducoudray in eine pikante Situation nach der anderen, stolpert unnachlässig von einem Missverständnis zu einer Verwechslung und zurück, verwickelt sich in Notlügen und Widersprüche. Er gerät an ein krankhaft voneinander besessenes Paar aus einem zwar süßen, doch reichlich naiven Blondchen und einem Soziopathen mit geringer Gewaltschwelle, das neurotisch und hysterisch ständig zwischen Trennung und Versöhnung schwankt und nach und nach Yanns Wohnung auseinandernimmt. Yann sieht sich gleich mehreren immer komplizierter werdenden Beziehungskisten ausgesetzt und versucht verzweifelt, trotzdem den Überblick zu wahren und der Situation Herr zu werden, während um ihn herum der Wahnsinn tobt und Gefahr für Leib und Leben droht.
All das wurde so wahnsinnig geschickt und wahrlich nicht immer vorhersehbar konstruiert sowie von allen Beteiligten so aufopferungsvoll gespielt, dass es die reinste Freude ist. Das ständige Türklingeln wird zum „Running Gag“, zum Indikator für eine weitere Steigerung der bisweilen tumultartigen Zustände in der stilsicher eingerichteten Künstlerwohnung. Wie in „Der Zwilling“ spielt die Verwechslung eines pistolenförmigen Feuerzeugs und einer echten, scharfen Schusswaffe eine Rolle, jedoch eine weitaus größere! Waren diese Dinger (die Feuerzeuge, nicht die Waffen) ein Trend in den ‘80ern? Der Erotikfaktor kommt indes auch nicht zu kurz; als schärfste Waffe entpuppt sich Emmanuelle Béart als freizügige Eva. Trotz Kammerspiel-Charakters gibt es darüber hinaus einige waghalsige Stunts zu bewundern. Eine schöne Pop-Titelmelodie und sanfte Saxophon-Klänge während des Films bilden den gelungenen Soundtrack und atmen Easy-going-‘80er-Zeitkolorit vom Feinsten.
Im letzten Drittel des Jahrzehnts drehte Pierre Richard mit dieser zum Brüllen komischen Beziehungsfarce noch einmal so richtig auf und schuf eine zeitlose, aberwitzige Orgie zwischenmenschlicher Verständigungsprobleme in sommerlich-unbeschwertem Ambiente, die nicht nur frankophilen Freunden der doppelbödigen Komödie ans Herz gelegt sei.