Episodenfilme sind, wenn nicht wie gerade von vorne herein in dieser Form geplant, eine prima Sache „Recycling“ zu betreiben. So geschehen wie beim Namensvetter „Tales from the Crapper“ aus dem Hause „Troma“, wo aber doch das Gesamtpaket weniger hielt, als es der Titel (und vor allem der Name „Troma“) versprach. Zumindest der Name „Neverhorst“ bürgt hier noch für Qualität, wenn auch hier wie da natürlich außer der ähnlichen Namensgebung & der Episodenhandlung keinerlei Vergleiche zu den „Geschichten aus der Gruft“ gegeben sind. Der Untertitel des 25 minütigen Kurzfilms „Geschichten aus der Grotte“ von Simon & Thilo Gosejohann „Tales Without a Script“ deutet schon die Machart der Sketche an: Es wird viel improvisiert.
Im Gegensatz zu den bekannten „Neverhorst“ Filmen „Captain Cosmotic“ und „Operation Dance Sensation“ werden hier kleine Brötchen gebacken: Wenige Schauplätze, wenige Kulissen & Effekte und meist nur zwei Darsteller agierend. Meist wurde die Story vor Drehbeginn nur vage umgerissen, der Großteil improvisiert. Große Action ist daher im Gegenteil zu den meisten Filmen von Thilo Gosejohann nicht zu erwarten, Freunde skurriler Gags & spaßiger Pointen kommen aber beim gewohnten „Neverhorst“ Humor voll auf ihre Kosten. Nicht sonderlich viel Spaß hatte bisher nur ein Seher: Der Nasenmann.
Dieser Nasenmann findet beim herausbringen des Hausmülls neben einem zu Recht entsorgten Landschaftsbildes einen Aktenkoffer mit drei Pornofilmkassetten drin, deren erste er in voller Vorfreude und mit herunter gelassenen Hosen in den VHS Rekorder wirft. Zu seinem Missmut entpuppt sich das „Anale Komitee“ als schwarz-weiß Langweiler, ohne Blut und ohne einer einzigen Titte, den er am liebsten überspielen würde.
Dabei ist „Geile Gauner gegen Geister“ ein toller Auftakt. Im „Film noir“ Stil gehalten, wollen zwei über Leichen gegangene Gangster in einer abgelegenen Garage ihre Beute teilen - doch der vermeintliche Kies entpuppt sich als nicht weiter als nur Pflastersteine. Als dann die beiden misstrauischen Gauner auf den Geist des erschossenen Bankangestellten treffen, ist gute Überzeugungsarbeit von Nöten. Die durch den schwarz weiß Look geschaffene Atmosphäre wirkt sich stimmig auf die ersten Erscheinungen des Geistes aus, wenn er mit seiner Machete durch die Garage streift, aber auch die swingende musikalische Untermalung trägt viel zum Unterhaltungswert bei, wenn sich die beiden Schurken - vor allem Simon brilliert hier in seinen Wortschachteln - dem rachsüchtigen Geist verbal behaupten müssen...
Auch der zweite Shortie „Dreimal kommt der Dreist“ weiß dem Nasenmann nicht so recht zu gefallen, hier will ein aufdringlicher Jungjournalist (Simon) einen leicht verschrobenen Leuchtturmwärter (Thilo) vehement interviewen, der aber auf Grund des noch Wartens auf den Dreist keine Zeit hat, weil er ihm zu Folge noch nicht ordentlich gefegt hat. Auch ob Geistes weniger spannend als die vorherige Folge, sind die improvisierten Dialoge wieder sehr skurril, Thilo als sabbernder & Kunstbart verlierender(!) Leuchtturmwärter ist einfach nur saukomisch und auch die Pointe weiß zu gefallen. Natürlich spielt die technische Seite bei all diesen Außenaufnahmen außer den tollen Schnitt & Regie von Thilo weniger eine Rolle, was aber auf Grund der Kürze der Filme und der „Handlung“ nicht negativ auf stösst.
Der Inhalt zählt hauptsächlich, das findet auch das Nasenmann, der bei dem dritten Film auch endlich auf seine Kosten kommt: Zwar keine Titten, aber wie der Vorfilm in Farbe & diesmal auch ein bischen blutig. Denn der Grabwächter des „Das indisch-ägyptische Grabmal“ gerät bei seiner Wut auf ein Pärchen (Simon & Dame), das sein Heiligtum durch bösartigen Harnfluss entehrt, an die falschen Falschen. Ihn seiner Machete entwaffnend, wird in dem wohl am wenigsten improvisiert gespielten Kurzstück ein wenig Gore geboten; einfach in der Ausführung & nur Mittel der grotesken Szenerie eines Denkmalbesuchs. Sätze wie: „Liebling, möchtest Du auch mal ein Stück abhacken?“ oder der „Klinsi“ Schuss erfüllen auch hier wieder Unterhaltungswert der liebenswerten Art & rundet sich im wehmütigen Abgang der Rahmenhandlung insgesamt sehr positiv ab.
Leider hat es „Geschichten aus der Grotte“ bislang nicht zu einer vollständigen Veröffentlichung geschafft; bis nächstes Jahr zum 10 jährigen „Neverhorst“ Jubiläum, bei dem eine Kurzfilm DVD mit u.a. diesem Film kommen soll, muss man sich leider mit den im Internet bereits publizierten Auskopplungen „Geile Gauner gegen Gangster“ & „Das indisch-ägyptische Grabmal“ begnügen.