Review

Wolfgang Büld ist wieder da! Der deutsche Regisseur, der, nach mittelmäßigen Komödienstoffen wie "Go, Trabi, Go 2", nach Großbritannien auswanderte und dort, genauso schnarchlahme wie trashige, Erotik-Thriller-Streifen alla "Penetration Angst" & "Lovesick" abdrehte, hat sich mit "Twisted Sisters" nun erneut die Aufgabe gestellt, Blut und Sex zu verknüpfen und somit (anscheinend unwissentlich) auf den Spuren Jess Francos zu wandeln. "Twisted Sisters" soll dabei sogar eine Hommage an Brian de Palmas Klassiker "Sisters" sein. Nun gut, obwohl mich Bülds andere Regiearbeiten wirklich noch nie überzeugen konnten, dachte ich mir dennoch, ihm noch einmal eine Chance zu geben. Leider aber erweist sich auch "Twisted Sisters" wieder als typische Schnarch-Ware alla Büld, die nur am Anfang und zum Schluss ein wenig überzeugen kann.

In "Twisted Sisters" geht es um ein Zwillingspärchen, welches sich auf ihren Lebenswegen unterschiedlicher kaum hätte entwickeln können. Während die eine der beiden geliebt und erfolgreich ist, geht es der anderen eher hundeelend. Also macht sich diese auf, um sich an der anderen zu Rächen und geht auf ihrem Weg zur Schwester dabei über Leichen.... In wie weit sich das Ganze wirklich an die Geschichte von de Palmas Werk hält mag ich nicht zu wissen, da mir der Klassiker leider bis heute nicht vor die Augen gekommen ist. In der Büld-Version allerdings mag das Ganze durchaus erst einmal seine Reize haben. Doch schon nach wenigen Minuten geht der Geschichte die Puste aus und sie löst sich in eine lahme 08/15-Rachegeschichte auf. Wieder einmal entfernt jedweder Logik oder Tiefgang, wird der Zuschauer zu einer langen Fahrt durch irrwitzige Dialoge und Handlungen gedrängt, die schon bald keinen Spaß mehr macht und (wieder einmal) irrsinnig langweilig geraten ist.

Und dabei fängt das Ganze wirklich recht verheißungsvoll an. Der Einsatz einiger subherber Farbfilter, sowie der recht gelungene Score versprechen am Anfang eine durchaus atmosphärische Wirkung und die ersten zwei, ziemlich schnell aufeinander folgenden Morde machen auch wirklich Lust auf mehr. Bei abgeschnittenen Penissen und Raketen im Arsch wird einem da zwar schnell klar, mit was für einem Film man es hier zu tun hat, doch der Gore- und Blutgehalt ist erst einmal so beachtlich, dass man sich wirklich schnell darauf einfuchsen kann, dass man es eben mit "Filmware für den kleinen Kreis" zu tun hat.

Doch nachdem die ersten beiden Morde über die Bühne gegangen sind ist Schluss mit Lustig. Denn danach bietet der Film plötzlich (abgesehen von vielleicht noch zwei oder drei kleinen Blutspritzern), wie schon erwähnt, nur noch dümmliche Dialoge und ein Szenario, dass wirklich in keinster Weise überzeugt und zum hinwegpennen ist. Das man bei einem Film nicht nur Mord und Totschlag erwarten soll ist zwar klar, doch nachdem es am Anfang so rüde zur Sache gegangen ist und man sich nun schon darauf eingestellt hat, dass man es mit einem gorigen Trashstreifen zu tun bekommt, dann kann man einfach irgendwie nicht anders. Zumal die restliche Handlung auch so keinerlei Spannung besitzt, sondern eben nur aus dämlichen Gelaber und stupiden hin- und hergelatsche besteht, dass den Streifen wirklich in keinster Weise weiterbringt. Und von der anfänglichen Atmosphäre ist nun auch nichts mehr zu spüren.

Zudem kann man auch die Sexszenen wieder als Ulk verbuchen, denn mehr als FSK 12-Erotik wird einem hier nicht geboten. Ab und zu hüpfen die (zugegeben recht ansehnlichen) blanken Äpfelchen von Fiona Horsey durchs Bild, aber das wars dann auch schon. Ich weiss nicht ob Büld Angst vor der BBFC gehabt hat oder ob er dem Sex in diesem Streifen wirklich so wenig Raum geben wollte, jedenfalls hätte da ruhig etwas mehr kommen können, denn schließlich hatten seine beiden vorherigen Filme da auch was zu bieten (auch wenn es dort ebenfalls recht zahm zur Sache ging).

Erst das Finale kann dann wieder ein wenig an Boden gut machen. Denn wenn man es wirklich schafft, nach all dem lahmen Stuss der letzten 60 Minuten wirklich nicht einzuschlafen, dann kann man sich doch noch einmal mit einem relativ gelungenen Showdown aussetzen, der zwar auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist, aber dann wenigstens doch recht solide umgesetzt wurde. Warum Büld das nicht durchgehend geschafft hat, ist mir, nach dem gelungenen Ein- und Ausstand des Films, jedenfalls ein Rätsel.

Zu den Darstellern sei noch gesagt, dass sich da zu den Vorgängern nichts wesentliches geändert hat. Fiona Horsey ist nach wie vor eine recht talentlose Darstellerin, die aber immer noch verteufelt sexy aussieht und somit wenigstens etwas fürs lüsterne Männerauge bereit hält, zumindest wenn sie sich auszieht. Paul Conway, genauso wie Horsey wohl einer der Lieblingsdarsteller von Büld, ist dagegen immer noch die Stumpfheit in Person, der zudem immer noch so aussieht, als wäre er dem letzten Schmuddelporno entsprungen. Und auch alle anderen Schauspieler enttäuschen.

Fazit: Nach "Penetration Angst" & "Lovesick" ist auch "Twisted Sisters" wieder ein schnarchlahmes Filmstück aus dem Hause Büld, das nichts weiter tut, als zu langweilen. Die Handlung ist banal und nichtssagend, die (ordentlichen) Splatter und Goreszenen sind Raritäten und Sex sollte man erst recht nicht erwarten. Spannung und Atmosphäre gibt es zudem nur am Anfang und zum Schluss und nur Horsey kann, durch ihr Aussehen, wenigstens ein bisschen Spaß machen. Ansonsten wieder ein Film, der eigentlich bei keiner Fraktion wirklich überzeugen kann, denn anspruchsvolle Cineasten wenden sich gleich mit Grausen ab und für Trash- und Amateurfreaks wird einfach zu wenig geboten, als das das Gegebene wirklich unterhalten kann. Büld-Fans sind mir jedenfalls nach wie vor ein Rätsel!

Wertung: 3,5/10 Punkte

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