Werbefachfrau Jennifer führt ein recht beneidenswertes Leben, mit allem was sich die fröhliche und gesunde Mittelstands-Dame von Welt so wünschen kann: Treusorgender Mediziner als Ehegatten, Erfolg im Beruf, nette Arbeitskollegen und wie sich auch bald herausstellt Mutti in Spe. Eigentlich alles Bestens, wenn nicht plötzlich eine Serie bizarrer Morde die heile Welt erschüttern würde. Plötzlich steht Jennifer unter Verdacht eine Männermordende Nymphomanin zu sein und das schmierige Cop-Duo Caffrey und Woodgate versuchen sie des mehrfachen Mordes zu überführen. Leidet die Gute etwa an Blackouts während sie Männer kastriert oder steckt eine mysteriöse Doppelgängerin hinter den Geschehnissen?
Nach den beiden Vorgängern, „Penetration Angst“ und „Lovesick-Sick love“, die den neu eingeschlagenen Stil des Wolfgang Büld markieren, folgt mit Twisted Sisters, dessen Arbeitstitel „Final Cut“ war, die linearste Aufarbeitung eines Erotik-Thrillers, der aus seinen Influenzen keinesfalls einen Hehl macht und der neben seiner vollendeten Eigenständigkeit auch gleichzeitig ein wahrer Lobgesang auf das Sujet von Brian de Palma ist. Dass hier Werke wie Dressed to Kill oder Sisters Pate standen ist kaum zu übersehen. Das eingeschlagene Tempo der beiden Quasi-Vorläufer fährt man hier zu Gunsten des sich hervorragend aufbauenden Spannungsbogens zwar stark zurück, doch dafür weiß auch der gehörige Einschlag des äußerst schwarzen Humors , dessen Bestandaufnahme ja schon in „Penetration Angst“ gefeiert wurde, seinen Charme zu versprühen.
-„Dieser Schwangerschaftstest ist recht einfach durchzuführen.“
--„Er ist Pisseinfach!“
Neben einem sich in wunderbarer Spiellaune zeigendem Cast ( Fiona Horsey brilliert in einer Doppelrolle und Paul Conway zeigt sich so vergnügt schmierig, dass sein Part als asozialer Ermittler Coffrey ein wunderbarer Spaß ist.), und der wirklich tollen Kameraarbeit von Uwe Bohrer (Nekromantik), setzt Twisted Sisters auch in den recht expliziten Erotikszenen und der damit einhergehenden Morden neue Maßstäbe im Bereich deutscher Sexploitation-Film. Zu keiner Zeit abgleitend in irgendwelche Hardcore-Gefilde eines Herrn Bethmann und trotzdem Zeigefreudig lautet hier das Credo. Besonderer Höhepunkt auf der Sleaze-Skala des Films ist das „Feuerwerk der guten Laune“ (Wolfgang Bülds Bezeichnung der Sequenz trifft wirklich 100%ig den Nerv der Geschehnisse), dass mit einem anschließendem Schlagzeug-Solo der Killerin amüsant den humorigen Höhepunkt erreicht. Der einziger Kritikpunkt , den sich Twisted Sisters gefallen lassen muss, ist eine Szene mit Fiona Horsey, die verkleidet als Putzfrau in ein Appartment eindringt. Irgendwie mag das meiner Meinung nach nicht so ganz funktionieren und wirkt leicht deplaziert.
Trotzdem sei dieser neueste Darkblackfilms-Flick jedem Jess Franco und de Palma-Freund wärmstens ans Herz gelegt. Ein herrlich schräger und unkonventioneller, doch jederzeit stimmiger Sleaze-Film aus deutschen Landen.