Review

Wolfgang Büld hat mit Filmen wie „Gib Gas - Ich will Spaß“ zwar ein paar zeithistorische Werke fabriziert, aber selten einen guten Film.
„Twisted Sisters“ hingegen überrascht und stellt sich am Ende als brauchbarer Psycho-Thriller heraus.

Angelehnt an de Palmas „Schwestern des Bösen“ serviert uns Büld die Geschichte über die ungleichen Zwillinge Jennifer und Norah. Während Jennifer ein geregeltes Leben mit ihrem Verlobten Alan führt und auch just schwanger ist, mordet sich Norah durch die Männerwelt, die ihre Kindheit so negativ geprägt hat, so dass sie nun ihre Opfer nach vollzogenem Beischlaf kastriert.
Zunächst verdächtigen die Cops natürlich Jennifer, doch als die Identität von Schwesterchen Norah bekannt wird, ist es schon fast zu spät, denn diese versucht bereits, Jennifers Rolle einzunehmen, um sich an ihren Verlobten ranzumachen…

Gar nicht mal so übel, was Büld hier vom Stapel lässt. Das könnte bis auf ein paar Kleinigkeiten auch ein etwas härterer „Tatort“ sein.
Gut, diese Kleinigkeiten bestehen aus ein paar gut gemachten Splattereinlagen wie abgetrennte Piemännchen oder der durchschlagenden Wirkung einer rektal angewandten Feuerwerksrakete.
Auch die Cops sehen nicht gerade aus wie Manfred Krug oder gar Klaus J. Behrendt:
Der eine Hambusse schön mit markantem Pornobalken, der andere ein verkappter Metal-Freak - diese Typen sorgen für den trashigen Einschlag im Film, fahren alkoholisiert Auto und scheren sich ansonsten einen Dreck um dienstliche Vorschriften.

Alles andere ist zwar nicht direkt dem Mainstream zuzuordnen, aber das Ding ist auch fernab einer Amateurproduktion, denn dafür ist der Streifen technisch recht überzeugend. Gelungene Kameraarbeit und saubere Schnitte, weniger Farbfilter, dafür eine gelungene Ausleuchtung der Sets. Nur der Score schlägt zu sehr in die Kerbe bekannter Vorbilder, klingt dabei zwar gut, aber nicht eigenständig.

Mit der Story bringt Büld natürlich wenig Neues auf die Leinwand, zumal der Verlauf ziemlich vorhersehbar ist. Auch die Plot-Twists am Ende lassen sich erahnen, wurden aber spannend in Szene gesetzt.
Ein wirkliches Manko besteht jedoch aufgrund vieler lang gezogener Szenen, oder anderen, die gar nicht nötig sind. Dadurch wirkt der Film im Gesamtbild zu lang und hätte um gut 20 Minuten gestrafft werden können.
Da retten auch die harmlosen Erotikszenen nichts, die bis auf nackte Äpfelchen keine expliziten Schauwerte liefern.

In punkto Erotik ist Hauptdarstellerin Fiona Horsey aber eine gute Wahl, ein optischer Leckerbissen von Kopf bis Fuß. Was jedoch wesentlich erfreulicher ist: Die Frau meistert ihre Doppelrolle mit Bravour und spielt die sensible Werbefachfrau mit Hang zum Romantischen ebenso überzeugend wie den männermordenden Vamp. Die übrigen Akteure fallen fast gar nicht auf, also auch kein Totalverlust zu vermelden

Ja, der Film hat so seine spannenden Momente und wenn es in einer Gewitternacht zum Showdown kommt, die Sympathiefigur bondage-like in Unterwäsche mit Glasscherben auf Befreiung hinarbeitet, fühlt man sich wieder an den typisch deutschen Thriller mit Hannes Jaenicke in der Hauptrolle erinnert.
Leider verhindern ein paar langweilige Stellen im Mittelteil und die vorhersehbare Story ein positiveres Abschneiden, gegönnt hätte ich dem Streifen mehr…
6,5 von 10 Punkten

Details