Kleiner Actionfilm aus Hollywoods Studios, dem jedoch ein gewisses B-Flair nicht abzusprechen ist.
Held der Geschichte ist der Rennfahrer Alex Furlong (Emilio Estevez), der gerade vor dem Rennen seines Lebens steht. Am Streckenrand steht noch Freundin Julie Redlund (Rene Russo), die ihm zujubelt. In einer weit entfernten Zukunft machen sich derweil der Kopfjäger Victor Vacendak (Mick Jagger) und seine Mannen fertig. Als Alex einen Unfall hat, kommen beide Geschichten zusammen, denn Vacendak beamt Alex aus dem Fahrzeug ehe es explodiert. Damit geht es dann auch direkt los, denn Regisseur Geoff Murphy verschwendet wie ein B-Filmer weder Geld noch Zeit.
In der Zukunft angekommen, will man Alex jedoch nicht direkt retten, sondern nur seinen Körper. Denn rund nach 20 Jahre nach Alex’ Unfall regieren Konzerne die Erde und wenn ein reicher Mensch im Sterben liegt, kann er seinen Geist in einen anderen Körper transformieren lassen. Alex wurde ausgewählt, da er bei dem Unfall eigentlich gestorben wäre. Das ist mal ein ungewöhnliches Szenario, wenngleich der Rest des Films deutlich konventioneller ausfällt.
Alex will nämlich nicht so recht mitspielen und als ein schwer bewaffneter Trupp Vacendaks Transporter überfällt, kratzt er schnell die Kurve. Doch bald sind ihm die Kopfgeldjäger wieder auf den Fersen und Alex weiß gar nicht, an wen er sich in dieser Zukunft wenden soll…
Das Szenario mag ja ungewöhnlich sein, doch die Geschichte ist eine Variation des „Auf der Flucht“-Plots. Doch als Nachahmer des Erfolgskonzepts macht „Freejack“ einen guten Job, denn Regisseur Geoff Murphy inszeniert seinen Film mit ordentlich Drive und gönnt dem Zuschauer sowie seiner Hauptfigur wenig Ruhepausen. Lediglich das Ende enttäuscht, denn der Showdown besteht fast nur aus Gelaber und wie die Sache wohl ausgeht, kann sich auch jeder denken. Doch zuvor geht es ordentlich rund, die Geschichte präsentiert ein paar nette Überraschungen und ist nicht allzu vorhersehbar, auch wenn das Happy End natürlich obligatorisch ist.
Die Action hingegen kann sich sehen lassen (noch ein weiterer Grund, warum das Fehlen eines echten Showdowns hier schmerzt) und besteht aus Verfolgungsjagden sowie Schießereien. Bis auf Betäubungsstrahlen bleibt das Waffenarsenal jedoch wenig futuristisch und auch die Vehikel, die hier haufenweise geschrottet werden, sind nur aufgemotzte Geländewagen und Militärfahrzeuge. Doch das Ganze ist noch schön handgemacht, es geht einiges zu Bruch und ein paar spektakuläre Stunts wissen zu gefallen.
Doch nicht nur auf das Inszenieren von Actionszenen versteht sich Geoff Murphy, sondern auch auf das Erzeugen von Stimmung: Die Zukunft sieht schön stimmig düster aus, auch wenn das Budget teilweise ersichtlich schmal ist und die Locations sich meist auf Hinterhöfe und Lagerhallen beschränken. Doch Murphy sorgt für ordentliches Flair, sodass man ihm die wenig tiefgründigen Charaktere verzeiht. So bleibt z.B. das Wiedersehen zwischen Alex und der inzwischen gealterten, als Konzernangestellten arbeitenden Julie wenig ergreifend und auch die daraus resultierende Lovestory nur obligatorisches Beiwerk.
Doch Emilio Estevez bemüht sich gegen seine Klischeerolle anzuspielen und tut das auch mit einigem augenzwinkernden Witz (z.B. beim Interview in der Bar). Rene Russo hingegen ist ganz OK, hat aber bei „Kopfgeld“ und den „Lethal Weapon“-Sequels deutlich bessere Arbeit geleistet. Überraschend gut ist Mick Jagger als Kopfjäger mit Prinzipien, während Anthony Hopkins hier zwar Ausstrahlung hat, jedoch unter seinem gewohnten Niveau bleibt.
So bekommt man mit „Freejack“ eine recht temporeiche, futuristische „Auf der Flucht“-Variante, die durch gelungene Actionszenen und viel Flair überzeugt. Die flachen Charaktere und das Fehlen eines vernünftigen Showdowns gleicht das jedoch nicht aus, sodass am Ende nur nette Konfektionsware ohne große Innovationen bleibt.