Review

Mit Charles Band und seinem Fetisch für mordende Horror-Puppen kann man sich meistens auf recht kurzweilige Streifen einstellen, doch die im Jahre 2005 erschienen Werke weisen allesamt eine negative Eigenschaft auf: Die Puppen stehen zu wenig im Vordergrund.
Im Vergleich wirkt dieser sogar recht lieblos, denn „Doll Graveyard“ fehlt vor allem eine abwechslungsreiche Story und der ansonsten zum Schmunzeln anregende Trash-Charme.

Mit der Vorgeschichte kann man aber zumindest noch auf atmosphärischer Ebene punkten.
Vor rund 100 Jahren: Die 12jährige Sophie damelt mit ihren Freunden, einigen Puppen und wirft dabei eine wertvolle Vase um. Ihr garstig erboster Dad greift dadurch zu einer pädagogisch sinnentleerten Maßnahme, indem er seiner Tochter befiehlt, die Puppen im Garten zu vergraben. Dummerweise stürzt die Kleine und fällt ebenfalls ins ausgehobene Loch, woraufhin Dad, nur kurz verwundert und noch kürzer Inne haltend, allesamt begräbt.
In der Jetztzeit lebt ein allein erziehender Dad (natürlich der gleiche Dad-Darsteller) mit seinen Teenie-Kindern in dem Haus. Nachdem Sohn beim Stöbern im Garten eine Puppe findet und Tochter mit Freunden eine Party schmeißt, erwachen die Puppen zu neuem Leben, während der Rachegeist Sophies sich einen Körper sucht…

Der entscheidende Fehler, innerhalb einer minimalen Laufzeit von rund einer Stunde auf Teenie Gedöns mit Beziehungsproblemen und Einzelgänger-Thematik zu setzen, ist eigentlich unverzeihlich.
Denn viel zu lange bleiben die Killer-Puppen im Hintergrund, während austauschbare Gesichter noch austauschbarere Probleme wälzen. Ob da nun der Poser die Prüde knacken will oder das Blondchen sich mittlerweile zu fein dafür ist, der Einzelgänger-Sohn wiederum gemeinsame Interessen mit der Prüden heraus findet oder sich ein abgewiesener Lover betrinkt: Interessiert alles nicht die Bohne.
Es gibt sechs potentielle Opfer (Dad ist außer Haus, könnte aber vorzeitig Heim kehren), die viel zu lange verschont bleiben.

Indes sorgen die Puppen auch nicht für die gewünschte Freude, da man es da lediglich mit einem Buschmann mit Speer, einen Soldaten mit Pickelaube, einer össeligen Vampir-Hexe und einem Samurai zu tun hat, welche allesamt nicht allzu lebendig agieren und sich ziemlich hakelig bewegen.
Meistens stehen die nur tatenlos herum, grummeln ein wenig, öffnen und schließen ihre Augen, um dann kurz, aber immerhin blutig zuzuschlagen.
Denn da wird die Pickelhaube als Bohr-Instrument missbraucht, mit dem Speer ein Auge ausgepult und eine Kehle durchgeritzt. Andeutungsweise wird auch mal ein Stückchen Haut abgebissen.

Insgesamt wird das Konfrontationspotential aber kaum genutzt, die Puppen schleichen sich zu selten an, Gegenwehr erfolgt nur durch wegstoßen und entsprechend lahm und seicht gestaltet sich das Finale, bei dem am Ende lediglich zwei Tote und ein müder Abschlussgag heraus kommen.

An die glorreich, trashigen Zeiten von „Chucky“ oder „Puppetmaster“ kann dieser Beitrag also nicht anknüpfen. Er geht innerhalb der letzten halben Stunde zwar recht flüssig vonstatten, verbaselt aber wertvolle Zeit, in der die Killer-Puppen rein gar nicht zu sehen sind.
Dabei mag man über die wenig originelle Story hinwegsehen, nicht jedoch über die mager gestalteten Hauptfiguren, die einfach zu wenig Aktivität zeigen.
Band´s Kasperltheater war definitiv schon mal witziger.
4 von 10

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