Danny Roman (Samuel L. Jackson) ist der Star bei den Cops: Bei einem Geiseldrama steht er als Verhandlungsführer ganz vorne - und ist seiner Sache stets sicher. Geschickt löst er Geiselnahmen ohne Blutvergießen und ist der Held. Doch nicht alle sind ihm wohlgesonnen. Als sein Kollege und Freund Nathan erschossen wird versucht so manch einer Danny die Sache in die Schuhe zu schieben.
Danny ist überzeugt daß Niebaum dahinter steckt, ein undurchschaubarer windiger Inspector (die Besetzung mit J.T. Walsh übrigens perfekt gewählt, ihm steht der verräterische Schurke ins Gesicht geschrieben) und will ihn zur Rede stellen. Es kommt zum Eklat, eins ergibt das nächste - und schon ist Roman selbst zum Geiselnehmer geworden. Als Profi weiß er wie er sich zu verhalten hat - und fordert als "Unterstützung" Chris Sabian als Verhandlungsführer. Die "Verhandlungssache" beginnt.
So gut Jackson auch seine Sache macht, so dominierend ist Kevin Spacey wenn er als Chris Sabian die Bühne betritt. Schon die Anfangssequenz (als er private Verhandlungen mit Tochter und Gattin führt) machen ihn ungleich sympathischer, bringen den Charakter näher an den Rezipienten als die Einführung der Person Roman. Und so bleiben die Sympathien fortwährend bestehen - statt zugunsten des charismatischen Hauptdarstellers Jackson eher dem cool-überlegen wirkenden Spacey.
Spacey ist sich seiner Sache ganz sicher, auch wenn die Rolle zuwenig Tiefe für einen Kevin Spacey hat, spielt er mit links den Verhandlungsführer Sabian und zeigt dem Rest am Set mal auf die Schnelle, wie man richtig schauspielert und sowas fast nebenher meistert. Während Jackson in seiner Rolle aufgeht und seine Persönlichkeit ausspielen kann wirkt Spacey zwar konzentriert auf seine Rolle, doch scheint es nur ein Gastauftritt für ihn zu sein.
J.T. Walsh als Niebaum und David Morse als Beck hingegen bringen gelungene Akzente in den Nebenrollen, die bekannten Gesichter aus zahlreichen Serien und US-Krimis haben sich als Rolle in unserem Schubladendenken verankert - Gray spielt als Regisseur geschickt und trickst unsere Vorurteile aus, aber so clever, daß wir es erst am Ende begreifen.
Wenn man über den prinzipiellen Logikfehler des Filmes hinweg sieht (Cop versucht seine Unschuld damit zu beweisen, in dem er kriminell wird) liefert uns Gray ein akzeptabel spannendes Werk, das zwar nicht zur ersten Liga gehört aber trotzdem auf hohem Niveau unterhalten kann. Die Mängelliste des Filmes geht allerdings auch nach dem schon beschriebenen Urproblem weiter: sämtliche Klischees werden bedient, streckenweise erinnert uns das Werk an eine Hommage an typische US-Krimiserien.
Warum müssen die Gattinnen ins Geschehen involviert werden? Wieso ballern die Scharfschützen einfach drauf los, wider dem Einsatzbefehl? Wieso wird zwischen örtlichem Polizeirevier und FBI um Kompetenzen gestritten? Bitte - das ist alles abgedroschen, das wurde schon zu oft verwurstet. Kritisch betrachtet nimmt dies leider oft Spannung, da so die Vorhersehbarkeit in einzelnen Szenen zu stark gefördert wird.
Trotzdem ein gelungenes Werk, nicht nur für Jackson und Spacey Fans!
(6/10)