Im Kino kaum mit Beachtung bedacht und deswegen auch nicht sonderlich erfolgreich gewesen, gehört „The Negotiator“ zu den Filmen, die sich ihren guten Ruf erst nachträglich erarbeiteten und so zählt der Cop-Thriller mittlerweile zu den besten Werken dieses Genres. Regisseur F. Gary Gray („A Man Apart”, „The Italian Job”) drehte dieses hochspannende Geiseldrama auf Überlänge und kann sich dabei voll und ganz auf die prächtig miteinander harmonierenden Stars Samuel L. Jackson („The 51st State“, „Basic“) und Kevin Spacey („Se7en“, „L.A. Confidential“) verlassen, profitiert aber natürlich auch von dem erlesenen Supportcast (u.a. David Morse, John Spencer und J.T. Walsh) in zweiter Reihe.
Ausgewogen und fast schon klassisch ohne effekthaschende Momente inszeniert, verlässt sich F. Gary Gray voll und ganz auf seinen Cast und die kniffelige Prämisse, die von ihren Hintergründen nur genregewöhnlich korrupte Cops in den Vordergrund rückt, aber eben den Vorteil hat, die Details im Verlauf des Films häppchenweise neben der Geiselnahme preiszugeben.
Lt. Danny Roman (Jackson, der leider von Denzel Washingtons Synchronstimme Leon Boden und nicht von Engelbert von Nordhausen gesprochen wird), ein souveräner Vermittler der Polizei, der in jeder brenzligen Lage einen kühlen Kopf behält und dies auch gleich eingangs mustergültig unter Beweis stellt, erfährt von seinem Partner, dass sich innerhalb der eigenen Reihen Kollegen aus dem Invalidenfont bedienen. Die definitiven Beweise fehlen zwar noch, aber der Informant weiß wovon er redet. Als Danny nachts zu einem gemeinsamen Treffen gebeten wird und er vor Ort die Leiche seines toten Partners entdeckt, wird er am Tatort von einer Polizeistreife entdeckt. Wenig später durchsucht man sein Haus und findet obskure Kontoauszüge. Die Beweislast ist erdrückend, der redliche Danny sieht sich einem Komplott ausgesetzt und handelt im Affekt, als ihm sein mögliches Strafmaß offenbart wird. Damit ihm der intern ermittelnde Inspector Terence Niebaum (Walsh) Rede und Antwort steht, setzt er ihn mitsamt sich gerade im Büro befindlicher Personen fest und stellt Forderungen.
Draußen beziehen seine Kollegen derweil schon Stellung und müssen gegen jemanden antreten, der alle ihre Tricks kennt. Das Eintreffen von Lt. Chris Sabian (Spacey), der von Danny selbst als Verhandlungsführer befohlen wurde, erleichtert es den korrupten Cops nicht gerade Danny auszuschalten, solange er die Wahrheit noch nicht aus Niebaum herausgequetscht hat.
Mehr als zwei Stunden Hochspannungskino mit einem aufbrausenden, gefährlichen und unberechenbaren Danny Roman, der aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung und Abgebrühtheit die Lage kontrolliert, nichts zu verlieren hat und von dem kühlen, ruhigen Kevin Spacey erst herausgefordert und dann unterstützt wird, garantieren für Topunterhaltung.
Dabei ragt natürlich das Psychoduell inklusive der herausragenden Dialoge zwischen den beiden gigantischen Darstellern heraus, die sich erst nichts schenken und dann gemeinsam kontinuierlich wie intelligent Licht ins Dunkel bringen, während die unsauberen Kollegen ringsherum langsam Muffensausen bekommen und panisch den Abschuss Romans fordern.
Nun überspannt das Drehbuch ein paar Mal den Bogen, wenn sich Kollegen trotz klarem Schussfelds nicht dazu durchringen können, einen der ihren den Blattschuss zu verpassen und kann der erfahrene Zuschauer auch schon den einen oder anderen korrupten Kollegen früher ausmachen, aber insgesamt ergibt sich daraus immer noch hochspannendes Kino.
Denn auch abseits der beiden Hauptfiguren geht es ständig zur Sache und wird insgeheim überlegt, wie man Sabian demontieren beziehungsweise seine Anweisungen fehlschlagen lassen kann, um eine tödliche Notlösung für Danny zu erzwingen.
Dass nach der sich entwickelnden Beziehung von Roman und Sabian, die mehr oder weniger immer enger zusammenarbeiten, nun ausgerechnet Dannys Geiseln ihren Teil auf dem Weg zur Wahrheit beitragen, mag reichlich konstruiert erscheinen, ist dann aber schon so schlimm nicht mehr und auch weitestetgehend frei von Klischees, als dass dies noch negativ zu Buche schlagen würde.
Denn einige Wendungen und neue Erkenntnisse halten den Zuschauer bei der Stange, während kleinere Actionszenen und natürlich die beiden Topdarsteller weiter brillieren.
Inklusive Graeme Revells („From Dusk Till Dawn”, „Sin City”) starkem Score schreitet der Film trotz seiner hohen Laufzeit extrem temporeich auf ein hinausgezögertes Finale zu, das natürlich Hollywood-gerecht ausgeht und nicht mehr wirklich einen draufsetzen kann, dafür den Zuschauer aber garantiert zufriedengestellt zurücklässt.
Fazit:
Sehr überzeugender Actionthriller, der mit einer Topbesetzung und einem intelligenten Drehbuch nur Schwächen im kleinen Detail offenbart, sich ansonsten aber ganz auf seine spannende Prämisse und die erstklassig aufgelegten Hauptdarsteller verlassen kann. F. Gary Grays bisher beste Regiearbeit genießt seinen guten Ruf inzwischen zurecht und fristet leider trotzdem immer noch fast den Status eines Geheimtipps. Dabei gibt es gerade in diesem Subgenre rund um korrupte Elemente innerhalb des amerikanischen Polizeiapparats doch noch viel uninspirierte Vertreter.