Kevin Spacey hat sich über die letzten Jahre hinweg zu einem echt sehr beliebten Schauspieler gemausert, der oft schon alleine den Preis Wert ist, sich diese Filme anzusehen. Spacey ist ein wahrer Charakterdarsteller, was bei mir wirklich mit großer Freude aufgenommen wurde, denn die Zeiten, in denen Robert de Niro oder ein Al Pacino sich gegenseitig an die Wand spielen, sind nun mal vorbei. Ich meine damit, dass die eben Genannten sicher immer noch zur vordersten Front der Schauspielriege gehören, doch irgendwie kommt nichts Neues nach. Daher ist es ja dann umso erfreulicher, wenn man solche Gesichter wie das von Kevin Spacey sieht, der, egal ob in "K-Pax" oder "American Beauty" usw., fast immer erinnerungswürdige Leistungen abliefert.
Somit scheint es auch nicht verwunderlich, dass er als einer der Beiden Negotiators engagiert wurde, um seinen Widersacher Samuel L. Jackson, auch so eine neue Schauspielgröße, vor große Probleme zu stellen. Wer hier allerdings Actionkost zum Hirnabschalten wünscht, hat falsch gedacht. Gut, "Verhandlungssache" ist sicher nicht der Tiefgang persönlich, dennoch wurde vermehrt Wert drauf gelegt, einigermaßen realisitisch und teilweise auch menschlich zu bleiben, um dem Zuschauer mal wieder etwas Anderes zu bieten als diese 08/15-Explosionen und Schießereien mit einem DMX oder sonstwem. Ob das nachvollziehbar ist, wenn Samuel L. Jackson in einer scheinbar aussichtslosen und vor allem für ihn unzufriedenstellenden Situation zu einer solchen Maßnahme greift, sei dahingestellt, doch was anschließend daraus gemacht wird, ist schon aller Ehren Wert.
An verschieden Fronten kämpfen Spacey und Jackson. Letzterem wurde ein Mord an einem Polizei-Kollegen untergeschoben, wofür er nun gerade stehen soll. Das lässt er sich allerdings nicht bieten und nimmt, weil er keinen anderen Ausweg mehr sieht, im Polizeipräsidium ein paar Geißeln, verschanzt sich und hofft darauf, dass in der Zwischenzeit der wahre Mörder gefunden wird. Dass Jackson nicht der Mörder ist, steht von Anfang an fest, was natürlich Sympathien beim Zuschauer auslöst, wodurch wiederum mehr Spannung garantiert ist. Irgendwie fühlt man mit Jackson mit und versteht ihn auch. Ob das Alles dann auch genauso laufen muss, wie es schlussendlich tut, steht auf einem anderen Papier. Auf jeden Fall verlangt er Spacey als Verhandlungspartner, der scheinbar einen wirklich guten Ruf hat und somit diese missliche Lage ohne Leichen zu klären weiß. Hierbei wird sehr viel Wert auf das Zusammenspiel dieser Beiden gelegt. Jackson steht von Anfang an für seine Kollegen als Mörder fest, wobei man natürlich bedenken muss, dass man hier irgendwie keinem so richtig vertrauen kann. Spacey lehnt sich gegen die Polizei und das FBI auf und versucht, seine ganz eigenen Spielregeln einzusetzen, ganz zum Missfallen der Staatsdiener.
Schnell erkennt man, dass hier wirklich zwei Leute aufeinanderprallen, die ihr Handwerk verstehen. Jackson spielt den erfahrenen Geißeldramalöser, wie man auch zu Beginn des Films zu sehen bekommt. Daher ist es umso schwerer für die zuständige Polizei, eine schnelle Lösung zu finden, weil der Geißelnehmer, in diesem Fall Jackson, ganz genau weiß, mit welchen Karten man spielen muss und was als Nächstes kommt. So nimmt eine scheinbar aussichtslose Lage ihren Lauf, bis sie letztendlich doch in Gerechtigkeit und Happy-End endet.
Was will man zu solchen Filmen noch groß sagen. "Verhandlungssache" ist einwandfreies Unterhaltungskino, wobei hier nicht so viel Wert auf Ballerei und Explosionen gelegt wird, sondern eher auf menschliches Austaktieren der Situation. Dass dabei dennoch die ein oder andere fragliche Handlung vorkommt, wird wohl nicht ganz zu verhindern sein. Wer sich aber auf dies einlässt, wird brilliant unterhalten und ertappt, wie er erst nach 120 Minuten langsam wieder zur Besinnung kommt. Denn packend und fesselnd ist dieser Film allemal.
8/10 Punkte