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Regisseur F. Gary Gray schickte jüngst Gerard Butler auf einen Rachefeldzug in "Das Gesetz der Rache", mit seiner dritten Regiearbeit "Verhandlungssache" liefert er altmodisches Spannungskino mit Samuel L. Jackson (Snakes on a Plane, Shaft - Noch Fragen?) und Kevin Spacey (Das Leben des David Gale, 21) in Hochform. Jedoch sollte man keinen reinen Actionthriller erwarten, denn James DeMonaco (Das Ende - Assault on Precint13, Skinwalkers) und Kevin Fox (Lie to me, Queens Supreme) legen ihr Hauptaugenmerk auf die Verhandlungen, die so intensiv noch nie in einem Film zu sehen waren. Warum diese 50 Millionen Dollar Produktion in den Lichtspielhäusern keine Erfolge verbuchen konnte, bleibt sehr fraglich.

Danny Roman (Samuel L. Jackson) wird gerufen wenn es zu einer Geiselnahme kommt, um zu vermitteln. Gerade hat er einem Kind das Leben gerettet, wird von seinen Kollegen als Held gefeiert, da steht er plötzlich unter Mord- und Korruptionsverdacht. Ein langjähriger Kollege und Freund von Danny wurde erschossen, weil er einem Diebstahl am Invaliditätsfond der Polizei auf die Schliche gekommen ist. Die Spur führt zur Inneren Abteilung und damit zu Terence Niebaum (J.T. Walsh). Da man in Dannys Haus auch diverse Hinweise für Auslandskonten findet, wird er vom Dienst suspendiert, seine Kollegen hassen ihn plötzlich und niemand will ihm glauben. Aus Verzweiflung nimmt er Niebaum und ein paar andere als Geiseln und will ausschließlich mit dem Vermittler Chris Sabian (Kevin Spacey) verhandeln. Doch die Schuldigen setzen alles daran die Vermittlungen zu torpedieren und Danny auszuschalten.

"Verhandlungssache" ist allein schon wegen der Arbeit des Vermittlers interessant und so lässt Gray seinen Film auch beginnen. Danny rettet einem kleinen Mädchen das Leben, welches der eigene Vater als Geisel hielt. Schon diese Szene ist Nervenkitzel pur, obwohl man insgeheim weiß, dass Danny Erfolg haben wird. Aber seine Methode den ehemaligen und wahnsinnig gewordenen Veteran zu überwältigen, zeugt schon von Einfallsreichtum. Auch die nun aufkommende Geschichte mit dem Diebstahl am Invaliditätsfond der Polizei hat es in sich. Verdächtige gibt es nämlich viele, zudem hat man Danny belastendes Material untergeschoben. Dass Danny nur der Sündenbock ist, weiß der Zuschauer von Anfang an und auch die Beteiligung von Niebaum ist schnell bekannt, doch es gibt weitere Drahtzieher, die wirklich erst gegen Ende entlarvt werden und es ist auch ein Überraschungskandidat dabei. Doch darauf legt Gray nicht den Fokus, sondern es gilt das spannende Duell zweier gleichwertiger Vermittler aufzuzeigen. Denn Danny sieht keinen Ausweg mehr und nimmt Geiseln, natürlich sind ihm alle Tricks von seinem Vorgesetzten Al Travis (John Spencer) bekannt, weswegen denen die Hände gebunden sind. Nun soll der unparteiische Chris Sabian vermitteln, wobei Danny auch versuchen will seine Unschuld zu beweisen.

Stößt Danny anfänglich bei seinen Geiseln noch auf pure Ablehnung, greifen sie ihm später sogar unter die Arme bei der Aufklärung des Falles, was zu Recht ein bisschen unrealistisch wirkt. Doch auch Sabian merkt schnell, dass hier etwas nicht stimmt, denn ständig werden seine Verhandlungen torpediert. So versucht man das Stockwerk ohne Sabians Zustimmung zu stürmen, Danny wehrt sich mit allem was er hat. Besonders der skrupellose Adam Beck (David Morse) scheint Danny aus dem Weg räumen zu wollen, doch der Verdacht wird so offensichtlich auf ihn gelenkt, dass er fast nicht beteiligt sein kann, oder doch? Trotz der langen Laufzeit von über zwei Stunden gelingt "Verhandlungssache" ein Spannungsbogen ohne Einbrüche, die wenigen Actionszenen punkten mit teilweise bombastischen Effekten und sind gut im Film verteilt. Doch der Höhepunkt ist und bleibt das Duell zwischen Danny und Chris, die Dialoge dabei sind wirklich top. Da die Beiden gar nicht so verschieden sind, machen sie später sogar gemeinsame Sache, um den Fall zu klären. Leider wirkt es ein bisschen zu konstruiert, wie leicht die Schuldigen schließlich in die Falle gehen. Aber Samuel L. Jackson und Kevin Spacey liefern eine tolle Show, "Verhandlungssache" funktioniert auch nur deswegen so reibungslos. Bis in die Nebenrollen wurde hier gut besetzt, unter anderem ist der herrlich arrogant agierende J.T. Walsh (Breakdown, Pleasentville) in einer seiner letzten Rollen zu sehen.

Ohne Zweifel ein spannendes und teilweise sogar dramatisches Psychoduell mit zwei Topstars. Auch die Story hält ihre Wendungen parat, wobei einige Dinge etwas konstruiert wirken. Dennoch hat Gray ganze Arbeit geleistet, sein Film ist handwerklich 1A und ein optischer Leckerbissen.

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