John Sturges hatte bereits mit „The Satan Bug“ eine frühe Alistair MacLean Verfilmung abgeliefert, mit „Eisstation Zebra“ durfte er den Mann zum zweiten Male adaptieren.
In der Nähe der titelgebenden Eisstation geht nämlich ein russischer Satellit nieder, was von russischen wie westlichen Kontrollzentren beäugt wird. Denn trotz des Kalten Krieges will man hier kooperieren, zumindest offiziell. Also mal ein fast komplett Nazi-freier MacLean; einzig und allein die Anspielung auf deutsche Wissenschaftler, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs für die Alliierten arbeiten, kann man sich hier nicht verkneifen.
Commander James Ferraday (Rock Hudson) von der Navy soll mit der USS Tigershark ausrücken und die Bergung leiten. Dabei bekommt er jedoch einige seltsame Gestalten zugeteilt: Den Briten David Jones (Patrick McGoohan), der Ferraday gegenüber recht schnell zugibt ein Spion zu sein, offiziell aber als Arzt geführt wird, der russische Überläufer Boris Vaslov (Ernest Borgnine) und Captain Leslie Anders (Jim Brown), der sich als scharfer Hund erweist und die an Bord befindlichen Soldaten ordentlich schleift.
Der Trip zum Nordpol verläuft ereignislos, doch beim versuchten Durchbrechen der Polareisdecke bringt ein Sabotageakt die Tigershark beinahe zum Kentern. Von da an ist Ferraday besonders auf der Hut…
Bei MacLean geht es fast immer um Verrätersuche auf engstem Raum, egal ob es sich dabei um Naziburgen, Züge oder Schiffe handelt, hier also U-Boot plus Eisstation. Der Verdächtigenkreis ist im Falle von „Eisstation Zebra“ eher klein, denn bei den meisten Mitgliedern der Besatzung handelt es sich um gesichtslose Statisten, gerade mal eine Handvoll von Personen kommt also in Frage falsch zu spielen. Auf die Identität des Verräters kann man also kommen, da auch einige Hinweise gegeben werden, doch letztendlich ist all das eher sekundär, denn hauptsächlich will man das Ganze ja spannend präsentiert bekommen, so wie es eine gute MacLean-Verfilmung eben tut.
Doch da hat Regisseur John Sturges seine Hausaufgaben gemacht, denn trotz einer Lauflänge von rund zweieinhalb Stunden und eines eher langsamen Erzähltempos ist „Eisstation Zebra“ durchweg spannend. Selbst die erste Hälfte, in der relativ wenig passiert, weiß zu gefallen, etabliert sie doch Charaktere und Schauplatz, beschreibt die Reise im U-Boot. Tatsächlich wirkt der Film hier sogar noch geschlossener als später, da man sich durchaus in Regionen des Kammerspiels begibt. Zudem sind die Unterwasserszenen wirklich wunderbar abgefilmt und man merkt, dass man hier einen der Vorläufer von U-Boot-Thrillern wie „Das Boot“, „Jagd auf Roter Oktober“ und „Crimson Tide“.
Deren Realismus kann „Eisstation Zebra“ zwar nicht aufbringen, aber darum geht es ja auch gar nicht. Der Film will nicht primär ein U-Boot-Thriller sein, sondern das U-Boot ist eben nur Schauplatz. Nett inszeniert sind die Szenen an Bord jedoch trotzdem, durch Kniffe wie einen angeschrägten Bildkader soll das Feeling der Besatzung nachgezeichnet werden.
Beim Finale in der Arktis spitzt sich „Eisstation Zebra“ dann zu, für Nervenkitzel sorgen Momente wie der Sturz in eine sich auftuende Spalte im Eis. Langsam wird enthüllt, was so Wichtiges aus dem Satelliten geborgen werden muss, der Verräter wird aktiver und zum Schluss kommt es noch zu einer Art Mexican Standoff mit russischen Fallschirmjägern in der Arktis. Das ist durchaus nett anzusehen, wenngleich man die meisten Szenen schnell als Studiokulisse enttarnt und die in Luftaufnahmen eingefügten Flieger etwas billig aussehen – jedoch kommt „Eisstation Zebra“ hier eher stilistisch aus dem Takt. Nach dem ruhigen Beginn, dem Misstrauen innerhalb der Gruppe wirkt das Finale mit den von extern kommenden Russen etwas unstimmig, zumal sich der Showdown wieder etwas zu sehr zieht, um dann doch noch für Tempo Marke „Agenten sterben einsam“ zu sorgen.
Rock Hudson wirkt ein wenig brav in der Hauptrolle, spielt aber dennoch recht gut, doch Patrick McGoohan als undurchsichtiger Spion spielt ihn in den gemeinsamen Szenen schon ein wenig an die Wand. Jim Brown gibt mal wieder den harten Hund, aber das kann er ja gut, während Ernest Borgnine als lebensfreudiger Russe gelegentlich leicht overactet, aber ebenfalls eine überzeugende Performance abliefert.
So bleibt unterm Strich ein ruhig erzählter, spannender und atmosphärisch dichter Spionagefilm der gewohnten MacLean-Bauart, der sogar kleine Pionierleistungen auf dem Gebiet des U-Boot-Thrillers vollführt. Im Finale strauchelt Sturges’ Film etwas und das Tempo könnte bisweilen schon etwas höher sein, doch gerade für einen kalten Winterabend ist „Eisstation Zebra“ genau das Richtige: Daheim im Warmen sitzen, während es auf dem Bildschirm und vorm Fenster frostig ist.