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Raiders of the lost ward


Rock Hudson, Ernest Borgnine, John Sturges, ein Atom-U-Boot und MGM-Pappkulissen der Antarktis. Was für den einen ein Trash-Fest (John Carpenter), den anderen ein Heavy-Rotation-Diamant (Howard Hughes) und meine Wenigkeit ein gar nicht mal so heimlicher Liebling ist, wurde seinerzeit vom Kinopublikum nicht gerade begeistert aufgenommen, von der Filmkritikerzunft mal ganz zu schweigen.

Klar, der anvisierte KANONEN VON NAVARONE-Nachschlag ist es nicht geworden - zum Glück, möchte man fast sagen. Wer will schon den schnöseligen David Niven anstatt des lustvoll schmierigen Patrick McGoohan sehen? Oder den stocksteifen Gregory Peck anstatt des immer sanft verwirrten Rock Hudson? Immerhin bleibt es bei derselben Pulp-Feder, denn auch hier war Alistair MacLeans Groschen-Reißer das literarische Vorbild. Beim Plotten also nichts Neues. Die bösen Nazis werden durch die bösen Kommunisten ersetzt, aber am angloamerikanischen Bollwerk ist selbstredend auch für sie Endstation. Vom heißen Griechenland gehts diesmal zum eisigen Nordpol, was ganz gut passt, schließlich wechselt auch der Krieg von heiß zu kalt.

Ja, die 1960er Jahre waren nicht nur im wahren, sondern auch im filmischen Leben geprägt vom Ost-West-Schach. Selbst ein hedonistischer Lustmensch wie James Bond konnte da nicht kneifen. In unserem Fall haben wir es allerdings mit deutlich spaßfeindlicheren Männern zu tun, jedenfalls verfolgen sie ihre jeweiligen Berufe - U-Boot-Kommandant (Hudson), britischer Geheimagent, (McGoohan) US-Marine (Jim Brown) und sowjetischer Überläufer (Borgnine) - mit geradezu hingebungsvoller Ernsthaftigkeit, was angesichts des grotesken Comicbook-Plots eine ganz eigene Unterhaltungslawine lostritt. Die Geschichte um einen in der Arktis abgestürzten Spionagesatelliten mit Aufnahmen sämtlicher Raketenstellungen beider Supermächte, die daraufhin ein Agentenwettrennen starten, bei dem bald keiner mehr weiß wer wann, warum und wie instruiert auf welcher Seite steht, ist grellster Agentenkintopp, wie man ihn sonst nur von der britischen Doppelnull kennt.

Diese Mixtur ist gewagt, aber hat ordentlich Charme, findet übrigens auch John Carpenter und der sorgte bereits für Pulp-Fction, als Quentin noch sein VHS-Praktikum absolvierte. Auf Carpenters Guilty-Pleasure-List nimmt ICE SATION ZEBRA jedenfalls einen prominenten Platz ein und wer THE THING gesehen hat weiß, dass John hier die Wahrheit und nichts als die Wahrheit kundgetan hat. Und welcher wahrhaft gläubige Genrekino-Jünger will da noch widersprechen? Genau, keiner.
Die klaustrophobische Enge im Atom-U-Boot, das sich dauernde Belauern der kernigen Männergesellschaft (die einzige Frau des Cast hat einen 5-Sekunden-Auftritt als Pub-Kellnerin), die feindliche Umgebung der endlosen Eiswüste, all das sorgt für reißerische Spannung auf Bahnhofsthrillerniveau, was absolut als Kompliment gemeint ist. Das gilt besonders auch der hektischen Auflösung und den breit ausgetrampelten, offenkundig falschen Fährten. Hier darf gerätselt, erraten und vor den Kopf geschlagen werden, ohne dass der Intellekt allzu sehr beansprucht werden muss. Zu guter letzt wird man noch mit Star-Trek-Kulissen im XXL-Format beglückt, bei deren Ansicht man beständig gegen ein Bild ankämpft, auf dem Rock und Co in dickster Winterkluft vom sonnigen Studiogelände in die Pappmaschee-Arktis der hoffentlich klimatisierten Halle A, B oder C stapfen.

EISSTATION ZEBRA ist kein guilty pleasure, ohnehin ein blöder Begriff, denn warum sollte man sich für sein Vergnügen schämen (müssen)? Nein, John Sturges Spionage-Abenteuer ist ein großer Spaß, bei dem A-Stars und Big-Budget auf B-Plot und Pulp-Atmosphäre treffen, ohne dass dieser Clash je beabsichtigt gewesen wäre. Hier ist für jeden was dabei, Sabotage, Spionage, Camouflage, Kolportage und mittendrin ein Vierling, wie man ihn selten auf der Hand hat - ein sanfter Riese (Hudson), ein durchtriebener Zyniker (McGoohan), ein jovialer Kumpeltyp (Borgnine) und ein Blaxploitation-Star in spe (Brown) - und bei dem jeder ein Joker ist, da keiner den gängigen Erwartungen entspricht.
Dass die wilden Plot- und Charakter-Brocken nicht wie Flummies durch die Gegend sausen, ist ohne Frage ein Verdienst von John Sturges. Der Mann ist für ZEBRA die perfekte Wahl, schließlich war hier eine Fusion von Spionagethriller und breitbeinigem Männerabenteuer gefragt und da konnte es keinen besseren Aufgalopp gegen als die Triplebarre aus THE MAGNIFICENT SEVEN (1960), THE GREAT ESCAPE (1963) und THE SATAN BUG (1965).

Man muss den Film nicht 100-150 Mal gesehen haben wie der spleenige Milliardär Howard Hughes, der als Streaming-Pionier seinem eigenen Las Vegas TV-Sender die Dauerausstrahlung befahl. Aber zumindest einmal auf der USS Tigerfish anheuern, kann man jedem Film-Abenteurer nur wärmstens empfehlen - und wer weiß? Schließlich heißt es, wer einmal zur See gefahren ist, kommt nie mehr davon los.

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