Der koreanische Film hat derzeit ja internationale Hochkonjunktur, wirklich heraus stechende Meisterwerke gibt es meines Erachtens allerdings nur wenige. Und es ist nicht von der Hand zu weisen das die koreanische Filmindustrie im Moment ungemein von der Brillanz eines einzigen Regisseurs profitiert und das ist natürlich „Oldboy“-Macher Park Chan-Wook.
Vergleiche zu Chan-Wooks neuem Werk „Sympathy for Lady Vengeance“ drängen sich sofort auf, immerhin handelt es sich auch bei „Aurora“ um einen (fast zeitgleich abgedrehten) Rache-Film mit weiblicher Hauptfigur und südkoreanischer Herkunft. Im Regiestuhl saß erstmals die in Asien sehr bekannte Bang Eun-Jin („The Uprising“) und diese machte ihren Job ziemlich anständig. Inszenatorisch sehr sauber erreicht sie natürlich nicht die Qualitäten des oben genannten Ausnahme-Regisseurs. Doch weitere Vergleiche wären unfair da „Princess Aurora“ sich um Eigenständigkeit bemüht und nicht bloß aus großen Vorbildern abkupfert.
„Princess Aurora“ beginnt mit einem brutalen Mord und zeigt sofort das hier nicht grade zimperlich zu Werke gegangen wird: hier wird mit einigem Sadismus erstochen, kastriert oder anderweitig gefoltert. Zwar geschehen einige Dinge im Off, durch gelungene Suggestion wirken aber sämtliche Mordszenen sehr brutal – auch wenn es nur ein paar mal wirklich drastisch wird.
Die Hochglanzoptik lässt den Film sehr steril und kalt wirken und somit wirkt der Look sehr gegensätzlich zu der emotionalen Story. Leider bietet das Drehbuch keine wirklich überraschenden Wendungen und so kommt es vor allem in der zweiten Hälfte zu einigen wirklich langatmigen Stellen. Auch die Charakterzeichnung ist nicht gerade klischeefrei und so verliert die tragische Geschichte viel von ihrer emotionalen Glaubwürdigkeit.
Schauspielerisch gibt’s eigentlich nichts zu meckern, vor allem wenn man bedenkt das Hauptdarstellerin Eom Jeong-Hwa eigentlich nur Popsängerin ist und in „Princess Aurora“ ihre erste Hauptrolle bestreitet. Somit ist ihre etwas unbedarfte Leistung höher einzuschätzen als es bei einer wirklich erfahrenen Schauspielerin wäre.
Fazit: Sehenswerter Rache-Thriller mit einigen Stärken, insgesamt aber leider nichts wirklich Besonderes.
5,5 / 10