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Große Vorschusslorbeeren gab es für den neusten norwegischen Thriller „Naboer“, der schon im Trailer einer Mischung aus „Der Mieter“ und „Ekel“ recht nahe kam. Weiter gab es große Diskussionen um die norwegische Freigabe. Wird „Naboer“ dieser Stellung gerecht?


Jon (Kristoffer Joner) wurde gerade von seiner Freundin verlassen. Als er gerade nach Hause kommt, wird er von der neuen Nachbarin Anne angesprochen, ob er ihr nicht kurz helfen könnte. Anne lebt in der Wohnung mit ihrer Schwester Kim, die sich immer verbarrikadiert und unheimliche Angst hat, auch wenn sie sich Jon gegenüber vollkommen anders verhält.
Auch wissen beide fast alles über Jon und seiner Beziehung zu seiner Ex Ingrid. Verärgert verlässt Jon die Wohnung, doch er wird immer wieder durch einen Vorwand in die Wohnung gelockt, wo besonders Kim aber auch Anne bizarre Spiele mit Jon treiben...


„Naboer“ war schon vor seiner VÖ ein großes Gesprächsthema. Der Trailer machte Lust auf mehr und diesmal schien uns wieder ein richtiger Skandalfilm ins haus zu flattern. Nach fast 20 Jahren bekam mal wieder ein Film in Norwegen die Freigabe ab 18. Dann wird es doch wohl in jeder Hinsicht rundgehen?
Weit gefehlt, wer hier eine Schlachtplatte mit blutigen Exzessen oder andere Szenen dieser Art erwartet, wird enttäuscht, denn in „Naboer“ fließt wie schon in den oben zitierten Vorbildern kaum Blut. Gewalt spielt zwar eine Rolle, doch kommt sie nur in wenigen Szenen zu tragen. Warum der Film in Norwegen so eine hohe Freigabe bekommen hat, kann nur gemutmaßt werden. Zumindest gibt es eine Szene, die schon recht gewöhnungsbedürftig ist. Auch gibt es einige anstößige Dialoge, vielleicht war dies den norwegischen Zensoren zu viel.
So bleibt „Naboer“ aber nur ein Thriller, richtig skandalös wird es kaum.

Die Schauspieler überzeugen. Zwar kennt man hier zu Lande kaum einen norwegischen Schauspieler, aber gerade Kristoffer Joner sollte auch dem Filmfan hier ein Begriff sein. Joner ist vielleicht einer der bekanntesten Schauspieler in Norwegen.Julia Schacht in der Rolle der Kim soll der kommende Shooting Star im norwegischen Film sein, man wird sehen, was daraus wird. Immerhin liefert sie schon in „Naboer“ eine gelungene Darstellung ab mit ein wenig Körpereinsatz. Dies ist auch die skandalöse Szene mit Joner und ihr.

Nachteilig ist die geringe Lauflänge von nicht mal 70 Minuten. Natürlich gibt es Film, die man auch 90 Minuten nicht aushält, doch etwas mehr hätte es schon sein dürfen. Wer sich die entfallenen Szenen anschaut, ahnt aber, warum der Film so kurz ist. Viele Szenen hat Regisseur Pal Sletaune geschnitten, um nicht die Lösung des Ganzen zu verraten. Vieles wäre doch zu offensichtlich gewesen und der Zuschauer hätte schnell die Situation durchschaut.
So steuert auch „Naboer“ auf ein recht interessantes Finale zu, welches zwar sicherlich kaum noch eine Innovation ist, aber immerhin hübsch gefilmt. Die Stimmung bei „Naboer“ stimmt und dank der hervorragenden Kameraarbeit wirkt die Wohnung von Anne und Kim auch recht düster, eng, wie ein Labyrinth eben.


Fazit: „Naboer“ ist zwar jetzt nicht der Skandalfilm 2006 oder gar der große Wurf, aber es wird einem solide Kost aus Skandinavien geboten. Horror und Thriller aus Skandinavien sind halt ein wenig anders, wie die Beispiele „Midsummer“ und „Villmark“ zeigen. Dennoch sind sie effektiv und bieten beste Unterhaltung. Fans des skandinavischen Films werden auch durch „Naboer“ gut unterhalten, auch wenn der Film natürlich nicht an die zitierten Filme von Roman Polanski ranreicht.

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