Genauso wie "Rocky" in diesem Film, war der hier 30jährige Sylvester Stallone noch ein Niemand im Filmgeschäft. Er bekam meist Nebenrollen, zuvor verkörperte er in "Cannonball" einen kleinen Mafiosi. Doch Stallone wollte ganz nach oben und sein Drehbuch hierzu war der Schlüssel. Mit gerade mal einer Million Dollar übertrug man die Regie einem weiteren Niemand, nämlich John G. Avildsen, der zuvor noch keinen guten Film inszeniert hat. Es gab zwar einige Streitereien um das Drehbuch, die die Produzenten einige Passagen ändern wollten, Dinge weglassen, doch Stallone setzte sich hier durch und im Nachhinein ist ihm deswegen Keiner böse. Im drei Jahre später entstandenen Sequel übernahm Stallone selbst die Regie, Avildsen durfte erst wieder im fünften Teil ran und mit dem schlechten Van Damme Actioner "Inferno" unterschrieb er praktisch seine eigene Kündigung, dies war nämlich seine letzte Regiearbeit. Im Moment probeiert er sich als Darsteller, hier hat er einen kleinen Cameo. Stallone wurde mit diesem Film praktisch über Nacht zum Star, ab sofort rollte der Rubel. Mit der "Rambo" Trilogie fuhr er seine größten Erfolge ein und mit "Rocky Balboa" hat er der Boxerreihe einen tollen Abschluss geschenkt.
Rocky Balboa (Sylvester Stallone) ist ein Niemand und mit seinem eigenen Leben nicht zufrieden. Er haust in einer heruntergekommenen Wohnung und arbeitet als Schuldeneintreiber, nebenher verdient er auch ein wenig Geld beim Boxen. Nun bekommt Rocky die Chance seines Lebens, denn der Weltmeister im Schwergewicht Apollo Creed (Carl Weathers) hat ihn als Gegner für den nächsten Boxkampf gewählt. Und das gerade jetzt, wo er sich in die schüchterne Adrien (Talia Shire) verguckt hat. Doch Rocky ist fest entschlossen diesen Kampf durchzustehen und beginnt mit dem erfahrenen Mickey (Burgess Meredith) zu trainieren. Ein hartes Training hinter, doch ein wenig von Selbstzweifeln zerfressen, tritt er gegen einen schier unbesiegbaren Gegner an.
"Amerika ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten", daran glaubte Rocky nicht, doch nun bekommt er die Chance seines Lebens und er nutzt sie. Dies ist die wirklich rührselige Geschichte eines sympatischen Menschen, der ganz unten war, doch am Ende triumphierte. Avildsen lässt sich hier viel Zeit um seiner Hauptfigur Tiefe zu verleihen, auch der Romanze zwischen Rocky und Adrien lässt er viel Platz, sowie Rocky´s Freunden. Zum Beispiel der dauerbetrunkene Paulie war danach in jedem Sequel mit dabei. Sylvester Stallone hätte man das intensive und realitätsgetreue Schauspiel überhaupt nicht zugetraut. Mit dieser Verkörperung machte er sich selbst zum Star und es lag ihm viel an dieser Reihe, daher klemmte er sich meist selbst auf den Regiestuhl und ließ sich von seinen Ideen nicht abbringen. Jeder Darsteller hier erbrachte eine tolle Leistung. Talia Shire gibt die schüchterne Adrien und Paul Young den schwierigen Paulie. Carl Weather wurde für die Rolle des propagandasüchtigen Apollo Creed ausgesucht, auch er blieb der Reihe bis Teil vier treu, auch Altstar Burgess Meredith, welcher 1997 vertarb, verkörperte dreimal den Trainer Mickey Goldmill. Insgesamt gewann "Rocky" verdient drei Oscars und ettliche andere Filmpreise.
Nur sollte man sich schon mal darauf einstellen, dass in diesem Film nicht viel geboxt wird. Gleich zu Beginn darf sich Rocky einen kleinen Boxkampf liefern, bei dem er gerade mal 40 Dollar verdient, der Verlierer nicht viel weniger. Doch sonst, ausser dem finale Boxkampf gehört der Film ganz alleine der Hauptfigur Rocky, mit all seinen Problemen, mit all seinen Freunden und in der zweiten Halbzeit dem harten Training. Der Zuschauer fühlt stets mit Rocky mit. Man will, dass er dem großkotzigen Apollo ordentlich das Fressbrett poliert, aber selbst in dem langen, wirklich gut choreographierten Boxkampf über 15 Runden, lässt man die Realität nicht ausser Augen. Rocky ist kein Superstar und der Kampf geht anders aus, als man es sich denkt, oder es sich wünscht. Der brillante Score stammt von Bill Conti.
Einfach menschlich, sympatisch, ein wenig sentimental mit einem großartigen Sylvester Stallone. Der Geburtsfilm eines Actionstars, welcher sogar heute noch mit seinen 63 Lenzen dick im Geschäft ist.