"Wenn ich die ganze Distanz durchhalte, wenn ich beim läuten vom Schlussgong immer noch stehe, dann werde ich zum ersten Mal in meinem Leben wissen, dass ich nicht irgendein Penner, ein Niemand bin."
In den 70er Jahren sind die Zeiten in Philadelphia hart. Arbeitsmangel und Armut beherrschen den Alltag. Während dieser Zeit bessert sich der talentierte Boxer Rocky Balboa (Sylvester Stallone) sein Gehalt durch Boxkämpfe auf. Einen Großteil des Lebensunterhaltes verdient er sich durch den Geldeintreiber Tony Gazzo (Joe Spinell). Der sensible Rocky verzichtet allerdings auf die geforderten Brutalitäten Tony's und appeliert auf die Vernunft der Schuldner.
Rocky hegt schon längere Zeit Interesse an der schüchternen Adrian (Talia Shire) die in einer Tierhandlung arbeitet. Durch deren impulsiven Bruder und guten Freund Paulie (Burt Young) bekommt er eine Chance für ein Rendevous während parallel sein Boxtrainer Mickey (Burgess Meredith) Rockys Kleidungsschrank für diszipliniertere Kandidaten bereit hält.
Als der Schwergewichtsweltmeister Apollo Creed (Carl Weathers) nach einem Ersatzgegner für den Titelkampf sucht, fällt die Entscheidung überaschend auf Rocky "The Italian Stallion". Durch den imposanten Namen und die Herkunft aus den Slums erhofft sich Apollo einen schnellen aber gewichtigen Sieg.
"Schwer vorstellbar, dass jemand 'Rocky' nicht kennt." Ein Zitat der Macher aus heutiger Sicht nachdem nun 5 Fortsetzungen folgten und die Geschichte um die fiktive Box-Ikone (vermutlich) beendete. Dieses Zitat trifft es auf den Punkt, denn so ziemlich jeder der sich auch nur annähernd mit Filmen beschäftigt, ist schon einmal über diesen Namen gestolpert.
"Rocky" entstand zu der Zeit, in der Sylvester Stallone finanziell am Abgrund stand und nach erfolglosen Versuchen als Drehbuchautor eine inspirierte Geschichte entwarf, die den Nerv der Zeit traf. Eine Geschichte um einen sympathischen, zurückhaltenden Außenseiter der aus den Slums heraus die Chance auf den amerikanischen Traum bekommt. Passend besetzte er die Hauptrolle mit Nachdruck durch sich selbst und gelangte über Nacht zu einem Charakterdarsteller der Sonderklasse.
Das Boxerdrama profitiert sehr von seiner authentischen Umsetzung. Statt einer nachgebauten Kulisse wurde aus Kostengründen in echten Wohnungen gefilmt. Das Blickfeld des Boxens wird nicht nur in seinen fernen Ereignissen im Ring beleuchtet, sondern wagt auch einen kritischen Blick hinter die Kulissen.
Die Charaktere sind glaubhaft designt. "Rocky" setzt nicht auf jede Form von Kitsch, was man bei der integrierten Schnulze erwarten könnte, sondern hält seine Figuren von überladenen Pathos fern. Ihre Freuden und Leiden werden sehr genau dargelegt, was die erste Stunde des Films zu einer regelrechten Charakterstudie verkommen lässt. Leider nicht völligst ohne seine inszenatorischen Schwächen zu verheimlichen. Einerseits tiefgründig, andererseits dialoglastig wirkt die sensibel erzählte Geschichte um den Außenseiter in manchen Sequenzen langwierig und unspektakulär. Auch der gut pointierte Witz verhilft nur kurzzeitig zur Auflockerung.
Ist die Durststrecke überstanden kommt der sportliche Teil. Die "Rocky"-Saga definiert sich immer wieder durch außergewöhnlich präsentierte Trainingseinheiten und einen spektakulären Kampf im Ring. Der Grundstein dafür legt schon der erste Teil vor, wobei der grandiose Soundtrack eine große Rolle spielt.
Bereits zu Beginn des Films erklingt die einprägsame "Rocky"-Hymne, die sich im Laufe des Films erweitert und das Training des Sympathisanten zu angepassten Bildern perfekt untermalt. Die Wandlung hierbei ist erstaunlich, denn aus der ruhigen Erzählung wird plötzlich eine dramaturgisch hoch angesetzer Trip in und um der Welt des Sportes sowie der Bereitschaft für ein Ziel über die eigenen Grenzen zu gehen. Letzteres zelebriert das Finale in allen Facetten, lässt die Spannungsschraube ganz nach oben schnellen, präsentiert aber gleichfalls ein durchaus realistisches Endergebnis.
Zu den Mankos zählt neben den Einbrüchen des Tempos in der ersten Stunde eine unvorteilhafte Synchronisation und ein schwacher Schitt, was aber nur zu Beginn auffällig ist. Natürlich muss man bedenken, dass ein über 30 Jahre alter Film nicht mehr mit Standards von heute mithalten kann.
Der Auftakt der Saga ist gleichfalls der Auftakt einiger Figuren, die sich in die Filmwelt eingeprägt haben. Dies ist der guten Leistung der Darsteller zu verdanken. Talia Shire ("I Heart Huckabees", "Der Pate - Teil 2"), Burt Young ("Es war einmal in Amerika", "Chinatown") sowie Burgess Meredith ("Batman hält die Welt in Atem", "Ein Verrücktes Paar") sind optimal an ihre Rollen angepasst und haben viel Raum um sich im Film zu profilieren. Herausragend ist der Gegenspieler Carl Weathers ("Predator", "Action Jackson") der das genaue Gegenteil von Sylvester Stallone's ("Rambo"-Saga, "Cliffhanger") von Beginn an ruhigen Rocky darstellt.
Noch erwähnenswert ist Michael Dorn ("Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert") der seine ersten größeren Grundkenntnisse in einer nebensächlichen Rolle beschreitet.
Das dreifach Oscar-prämierte Meisterwerk stellte den Karrierbeginn von Sylvester Stallone dar und überzeugt vor allem durch sein brillantes Drehbuch, seine Figuren und einen einprägsamen Soundtrack. Nur die technischen Einschnitte und eine etwas in die Länge gezogene Charakterdarstellung in der ersten Stunde schmälern den Eindruck. Das Konkurrenzprodukt "Million Dollar Baby" bietet hier noch einiges mehr, folgt ebenso aber anderen Pfaden.
8 / 10