Mizuhara (Koji Tsuruta), genannt Panther, wird gleich seiner Entlassung aus dem Knast gebührend von seiner alten Gang empfangen: ein Killerkommando eröffnet das Feuer auf ihn und verletzt den knapp flüchten Könnenden am Arm. Er ahnt sofort, wer der Täter ist: seine ehemalige Organisation, für die 5 Jahre im Knast auf Grund eines Auftragsmordes saß. So wird ihm also gedankt und außerdem wird ihm der Mord am neuen Chef der Gang untergeschoben. Wieder mal auf der Flucht, lernt er die nette und unkonventionelle Yuri und ihren Onkel Yanagisawa kennen. Der hat den Plan, Mizuharas alter Gang das lukrative Koksgeschäft abzujagen. Sie fangen an, die Lieferwege zu unterbrechen und die Verteiler unter Druck zu setzen und somit läuft alles auf eine Konfrontation beider Gangs hinaus…
Teruo Ishii war einer der produktivsten Regisseure des B-Film-Studios Toei und in vielen Genres unterwegs. Besonders erfolgreich waren seine Knastthriller „Abashiri Prison“ mit Ken Takakura.
„Die Killer von Tokio“ ist einer seiner Gangsterfilme, eine Produktion von 1962. Im stylishen Schwarz-weiß gedreht, mit einer jazzlastigen Filmmusik unterlegt und klar von den amerikanischen Gangsterfilmen der 40er und französischen Filmen der 50er beeinflusst. Aber dennoch: vor allem durch seine ungewöhnliche, höchst elegante Regie gelang Ishii eine kleine, feine Perle des Gangsterfilms. Verschobene Blickwinkel, ungewöhnliche Kameraperspektiven, suggestive Ausleuchtung und als Höhepunkt eine nahezu 20minütige, geradezu kathartische Duellszene am Ende des Films heben den Film aus der Masse kleiner B-Filme aus Japan hervor.
Zudem macht Hauptdarsteller Koji Tsuruta seine Sache sehr gut, fast erinnert ein wenig an Robert Mitchum mit seiner müde wirkenden, aber dennoch stets wachsamen und wortkargen Art. Auch die Nichte des Gangsterbosses Yanagisawa namens Yuri hebt sich zumindest teilweise durch ihre dreiste, etwas unkonventionelle Art wohltuend von manchen Frauenfiguren im alten Gangsterfilm ab. Ungewöhnlich der recht offenen Umgang mit Drogensucht, so als sich eine Edelprostituierte und Lieferanten vor der Augen von Mizuhara und der Zuschauer Drogen injiziert oder eine andere Bardame einen Turkey-Anfall hat und gerade noch die rettenden Spritze bekommt. All das macht „Die Killer von Tokio“ (von dem ich vorher gar nichts erwartet hatte) zu einem unterhaltsamen, ungewöhnlichen und sehr interessanten Exemplar des japanischen Gangsterkinos.
Und noch ein kleiner Tipp: wer die schöne Veröffentlichung von Subkultur kaufen sollte, möge sich bitte die damaligen Werberatschläge des deutschen Filmverleihs in den Extras angucken. Die reißerischen Schlagzeilen, mit denen der Film beworben werden sollte, sind ein Wahnsinn und geradezu delirierend maßlos. Herrlich.
7/10.