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Irgendwo auf den griechischen Inseln, 1944.
Eine alliierte Invasion ist angesetzt, um die deutschen Okkupationstruppen zu vertreiben; griechische Widerstandskämpfer im Zusammenschluss mit befreiten Kriegsgefangenen und Zivilinternierten verschiedener Nationalitäten sollen vorher Treibstoffdepot, Funkanlage und Raketenabschussrampe zerstören...

Flucht nach Athena liest sich auf dem Papier zwar wie einer der zahlreichen teuren Kriegsepen, die Hollywood und Großbritannien ab den 60ern mit Die Kanonen von Navarone [ 1961 ], Das Dreckige Dutzend [ 1966 ] und Agenten sterben einsam [ 1969 ] in ziemlich erfolgreicher Manier auf den Markt warfen; kam allerdings recht spät zum Kampf um den box office angerückt und geht auch einen etwas anderen Weg.
Die wilden, heroischen Abenteuer um Gut und Böse, die die Aura eines Mythos einfingen – Der Zweite Weltkrieg war mittlerweile lang genug zurück, um nicht mehr traumatisch zu wirken – verwandelten sich nämlich ab den 70ern oft in satirische Komödien. Die zwar durchaus die gleichen Geschichten und Elemente aufweisen konnten, aber sich deutlich gegen den Krieg aussprachen und diese Anti - Botschaft in spitzen Tönen herüberbrachten.
Stoßtrupp Gold dabei als Musterexemplar der Vermischung beider Genres; kommerziell genug um auch mit Action und Spannung zu unterhalten, aber nicht so scharf und unbequem wie Catch 22 oder M.A.S.H.

Flucht nach Athena folgt Stosstrupp Gold, nur im hässlichen 70er Jahre Eastmancolor und in der gesamten ersten Hälfte öfters wie eine eher dumme und auch derbe Militärklamotte erscheinend. Um erst in der Mitte seinen Ton zumindest etwas zu ändern und dann die Schlachten aufzufahren.
Nun weiss man im Nachhinein nicht mehr, ob eine komplett ernste Herangehensweise besser funktioniert hätte, aber der hier präsentierte Humor ist selten welcher mit massiver Zündung. Die meisten Scherze erfolgen über unkluge Wortwitze, viel zweideutige Anzüglichkeiten, Kasperletheater, Herumhampelei, Schabernack und eine allgemeine Verwandlung des Krieges in den Hintergrund für einen Kinderspielplatz.
Alle Figuren möglichst exzentrisch ausgewählt, dann mit einem Star besetzt, der weder ein Zusammenspiel mit seinem Nebenmann leisten kann noch einzeln in die Geschichte passt und die ganze Bande auf eine Insel in der Ägäis positioniert.
Dadurch, dass man sich auch nur dort befindet, aber sich über den gesamten Felsen verteilt und an jedem Punkt mit abwechslunsgreichem Augenschmaus aufwarten kann, wird einem zumindest die grandiose Szenerie nicht über. Sorgt andererseits auch für ein mehr begrenztes Gefühl, dass die ausschweifende Narration und ihre comigalen Mittel gut eingrenzt. Ausserdem kann man so später vieles auf 1x an mehreren strategischen Punkten der Insel ablaufen lassen, ohne dass die schon so zerfasernde Handlung noch mehr ausgeleiert wird; zumindest bei der Wahl des Schauplatzes hat man sich also mehr Gedanken gemacht.

Regisseur Cosmatos, der zuvor mit Tödlicher Irrtum [ 1973 ] den Krieg von seiner ernsten Seite gezeigt hat und sich mittlerweile durch Cassandra Crossing für Blockbuster empfohlen hat, fängt die Szenerie besonders in den ersten Bildern auch sehr imposant ein. Er ist offensichtlich verliebt darin, trotz oder gerade wegen des nachträglich installierten Armeematerials darauf kann er eine Weile lang gar nicht ohne Panoramaschwenks. Sowieso ist der Anfang von der optischen Seite und ihrer Umsetzung ein eigenes Schmankerl für sich: Nachdem die Kamera per Hubschrauber mehrmals das felsige Eiland umrandet hat, rast sie von der Meerseite noch einmal darauf zu, um sie dann seitlich abzufahren. Dabei kommt an den Mauern eine Gruppe von Anwohnern ins Blickfeld, die von Bewaffneten in Schach gehalten werden; einer reisst sich los, stürzt seinen Bewacher die Klippe herunter und läuft die Strasse hinauf in Stadt. Alles in einer Aufnahme, können wir ihm dabei von oben folgen, wie er in die verwinkelten Gassen eintaucht, bei plötzlichen Hindernissen stoppt und Nebengänge sucht und dann von einem entgegentretenden Soldaten erschossen wird.
Erst jetzt erfolgt wieder ein Schnitt, ein nächster Soldat richtet seine Waffe auf das obrige Dach und lässt einen weiteren Einheimischen von 10, 15 Metern Höhe in den leeren Springbrunnen neben ihm stürzen.

Der Film bringt nicht annähernd noch eine weitere Einstellung dieser Güte auf und bemüht sich anscheinend auch gar nicht darum; nun werden nur schnell die Beteiligten der Posse vorgestellt.
Professor Blake [ David Niven ], Bruno Rotelli [ Sonny Bono ] und Nat Judson [ Richard Roundtree ] haben vergeblich zu fliehen versucht und holen sich nun ihre Standpauke von Major Otto Hecht [ Roger Moore ] ab. Allerdings fällt die eher harmlos aus; Hecht ist halt ein lieber Nazi und er braucht die Männer noch für seine Altertumsforschungs- und -bergungskompanie, in der er offiziellen Kunstraub betreibt. Einen Teil der geborgenen byzantinischen Schätze schickt er nach Berlin; die wertvollen Stücke behält er für sich, um seinen ziviles Leben als Kunsthändler zu finanzieren.

Es ist also ein eher friedliches Leben auf Griechenland, solange man sich mit der Situation arrangieren kann. Die Gefangenen wühlen etwas im Sand, zeigen den Bewachern immer die gleiche vermeintliche Ausbeute [ „Sieht aus wie frühes Woolworth“ ], um sie danach wieder in das eben ausgehobene Loch zu legen und fürs nächste Mal wieder zuzubudeln.
Hier und da wird mal einer erschossen, aber meist auch nur im Off; das Stalag sonst eher als Amüsierpark. Verstärkt wird dieses infantile Gefühl noch durch die Ankunft der verirrten US – Truppenbetreuung; Charlie [ Elliot Gould ] und strippende Begleitung Dottie Del Mar [ Stephanie Powers ] sind eher aus Versehen am falschen Ort, werden aber mit eingespannt.
Charlie versorgt als Jude die Einheit mit entsprechenden Witzen, läuft im viel zu engen gelben Pullover mit grossem roten C auf der Brust durchs Lager und grüsst alte Bekannte.
„Holden, du auch hier ?“, wo dann tatsächlich Hollywoodrecke William Holden [ The Wild Bunch, Die Teufelsbrigade, Flammendes Inferno ] im cleversten Witz des Filmes am Geräteschuppen steht, an der Zigarette zieht und sagt, warum auch nicht, so bequem es hier doch ist.

Fürwahr, nur Widerstandskämpfer Zeno [ Telly Savalas im engen schwarzen mit Goldkreuz ] hat etwas gegen die Besatzung und operiert deswegen auch dagegen; vom Puff von Eleana [ Claudia Cardinale ] aus plant er die Übernahme der Insel. Unabhängig von den Stalaggefangenen, aber im letzten Moment mit ihnen zusammenarbeitend werden die Unterdrücker mit einem Schmierentheater abgelenkt, mit Abführmittel ausgeschaltet oder auch mal erschossen. Die fällige Action hält sich hierbei immer noch zurück, allerdings wird der Film trotz der Kaspereien vorher fast wie durch ein Wunder doch spannender. Cosmatos zieht merklich das Tempo an und bringt direkt zur Halbzeit die erste Großtat ein: Auf dem Marktplatz kommt es zur Konfrontation der neuen Gruppierung mit dem Bösen Nazi in der Geschichte; SS Major Volkmann [ Anthony Valentine ] wehrt sich anders als Hecht gegen die auftauchenden Haudegen. Nun prasseln minutenlang die Einschläge der Maschinengewehre aufeinander ein und Handgranaten zerfetzen das Stadtzentrum; als Volkmann als Überbleibsel zu fliehen versucht schliesst sich eine furiose, mit guten Fahrstunts gespickte Verfolgungsjagd zweier Motorräder – eines mit Beiwagen - durch die engen Strassenschluchten an.

Ab nun werden nur noch die Explosionen beibehalten, allerdings auch in angemessener Grösse und schön innerhalb von Cliffhangern gesetzt. Retten tut das die Aneinanderreihung von Klischees nur begrenzt, weil sich keine reelle Spannung ergibt; die Deutschen sind nämlich blind und taub und stehen deswegen nur als Zielscheiben herum. Dazu kommt, dass die Akteure wegen mangelndem Charisma einfach nicht sympathisch genug sind um Mitzufiebern; alles hinter der Action interessiert einen also gleich Null.

Der Erfolg an der Kasse trat natürlich dennoch ein und zweifellos kann man dem Werk auch viel Entertainment bescheinigen, aber wirkliche Klasse wird nie aufgefahren. Hätte bei richtiger Umsetzung ohne den ganzen Kauderwelsch und vor allem auch anderer Besetzung wesentlich mehr werden können.

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