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Ein recht vergnügliches und freilich sich auch nie mit dem 2. Weltkrieg ernsthaft auseinandersetzendes Kriegsabenteuer schuf der italienische Filmemacher George P. Cosmatos („Rambo: First Blood Part II“, „Cobra“) mit „Flucht nach Athena“, der für ihn die Eintrittskarte nach Hollywood bedeutete.
Auch wenn die Actionszenen eigentlich bis zur zweiten Hälfte auf sich warten lassen, dann aber überzeugend spektakulär umgesetzt sind, muss man ihm eine gute Regiearbeit bescheinigen, die sich nur um wilde Verfolgungsjagden und Scharmützel kümmert, sondern nebenher immer noch eine Auge für die wunderschöne griechische Landschaft am Mittelmeer bereit hält und den beeindruckenden Star-Cast im Zaum hält. Gerade wenn man in inszenatorischer Hinsicht den gerade mal ein Jahr älteren „Force 10 from Navarone“ unter der altbackenen Regie von Ex-Bond-Regisseur Guy Hamilton („Goldfinger“, „Battle of Britain“) vergleichsweise heranzieht, offenbart sich der qualitative Unterschied doch deutlich. Allein schon die tolle Opening Scene offenbart bereits inszenatorische Klasse, die im weiteren Verlauf so aber nur noch sporadisch abgerufen wird.

In erster Linie war „Flucht nach Athena“ allerdings als humoriges, leichtfüßiges Starvehikel gedacht und das ist schade, weil der teure Cast im Grunde genommen sträflich verschenkt wird.
Ausgerechnet Roger Moore, der seine Rolle noch ganz im patentierten Bond-Modus erledigt und irgendwann auch auf alliierter Seite mitmischt, kommandiert hier als Major Otto Hecht ein deutsches Kriegsgefangenenlanger an der griechischen Küste während des zweiten Weltkriegs. Als Kunstexperte soll er seine Gefangenen altertümliche Gegenstände ausgraben und die Funde nach Berlin schicken lassen. Nicht ganz uneigennützig schickt das Schlitzohr jedoch die wirklich wertvollen Artefakte zu seiner Schwester in die neutrale Schweiz und den Plunder ins Reich. Das wissen auch seine Gefangenen, die immer wieder abhauen, sich einfangen lassen, buddeln, Gefundenes wieder eingraben und auch sonst eher eine kesse Lippe riskieren, die Hecht wohlwollend überhört.

Im Lager selbst tummeln sich dabei solche bekannten Gesichter wie David Niven („Murder by Death“, „Death on the Nile“), dessen Zusammenkünfte mit Moore leider keine 007-Insidergags bieten, Richard Roundtree, der nach seiner „Shaft“ – Ära auch internationale Luft schnuppern durfte, der Sänger Sonny Bono, „Hart to Hart“ – Ehefrau Stefanie Powers und Elliozt Gould („MASH“, „ A Bridge Too Far“) als abgefahrener Entertainer und Truppenbetreuer, den es versehentlich in Hechts Stalag verschlägt und das Beste aus der Lage zu machen versucht, in dem er maßgeblich daran beteiligt ist, dass die Übernahme des Lagers durch den griechischen Widerstand gelingt. Ziel ist das in der Nähe gelegene Treibstoffdepot für im Mittelmeer operierende, deutsche U-Boote.

Bis dahin plätschert „Fluch nach Athena“ allerdings etwas ziellos vor sich hin und vermag kaum Nutzen aus der aberwitzigen Lage zu ziehen. Verwandte Produktionen wie „Kelly’s Heroes“ konnten aus Schabernack, Action und vor allem charismatischen Kerlen in einer ganz anderen Liga spielen, während Cosmatos lange kleine Brötchen zu backen hat.
Keine Frage, die Landschaftsaufnahmen sind prächtig und deswegen schwelgt er auch mehr als einmal in den Panoramen, aber im Lager selbst regiert der eher flache Witz. Im Hintergrund stattfindende Gags wie ein im Lager angepinseltes „Fuck Hitler“, das niemanden aufzufallen oder zu stören scheint, sind die wenigen gelungenen Ideen. Ansonsten wird meist kalauert und das auf keinem sonderlichen hohen Niveau. Moore stelzt währenddessen der hübschen Stefanie Powers nach und Telly Savalas („The Dirty Dozen“, „Kelly’s Heroes“) funkt als Anführer des Widerstandes im Freudenhaus von ausgerechnet Claudia Cardinale („Spiel mir das Lied vom Tod“, „Der Mann aus Marseille“) die neusten Informationen heraus. Bis in die Nebenrollen stapeln sich also bekannte bis talentierte Gesichter und das Drehbuch gibt ihnen nichts, womit sie etwas anstellen könnten.

Wenn der Film ein gewisses Tempo und massig Abwechslung vorzulegen hätte, wäre dieses Manko gar nicht so schlimm, aber weil gerade die erste Hälfte noch massiv auf den Darstellern baut, denen kaum Figuren zugeordnet werden mit denen sie richtig hantieren dürfen, stößt das Verheizen solcher Mimen sauer auf.
Die überaus überzeugende Ausstattung, ein paar amüsant-freche Dialoge zwischen den Deutschen und ihren Gefangenen und das Ignorieren bekannter Nazi-Klischees, die ausnahmsweise nicht turmhoch aufgetürmt werden, was für eine britische Produktion dieser Zeit schon selten genug ist, um eine Erwähnung zu rechtfertigen, sorgen indes immer wieder für Pluspunkte, um den eigentlich zu langen und kaum voranschreitenden Film auf Kurs zu halten.

Rein vom komödiantischen Aspekt betrachtet, kann sich „Flucht nach Athena“ als recht brauchbar erweisen, weil selbst ein nur solider Roger Moore oder David Niven immer noch ein paar trockene Kommentare zur Situation abgeben kann und verbale Dreistigkeit nun einmal immer siegt. Selbst die Übernahme des Lagers mit einer grottigen Opern-Nummer zur Ablenkung und viel Abführmittel gestaltet sich als schlitzohriger Plan mit glücklichem Ausgang auf den dann die Bündelung der Kräfte von Widerstand und Ex-Kriegsgefangenen folgt.

Zur Filmmitte ändert sich aber der Grundton in einen auf einmal relativ ernsten Kriegsactioner, der ein paar überraschend gut inszenierte Scharmützel bereit hält. Zwar leidet das Skript final an Größenwahn als es eine deutsche Geheimwaffe, die wohl eine schwarz angepinselte V2 darstellen soll, in einem Kloster in Stellung gehen lässt, die von einem Rudel eben schwarz gekleideter Deutscher mit verspiegelten Visieren bedient wird, so dass man sich unweigerlich in echten italienischen Actiontrash gebeamt wähnt, doch der ausführliche, verlustreiche Shootout im Bergkloster, mit viel Effektgedöns umgesetzt, überzeugt genauso wie die sich richtig ins Zeug legenden Pyrotechniker. Als herausragend gilt dabei einerseits die wilde Motorradverfolgungsjagd (erstklassig: „Star Wars“ – Kameramann Gilbert Taylor) durch die engen Gassen der Stadt mit einigen halsbrecherischen Stunts und die heikel ausschauende Sprengung des Treibstofflagers an der Küste, wo unter anderem noch Froschmänner zum Einsatz kommen und Roger Moore mit seiner Kaschemme mitten ins Feuer zum kurz vor dem Inferno stehenden Tank und wieder zurück rast.

In dieser nur noch dank gleichgültiger Kommentare witzigen zweiten Hälfte zeigt George P. Cosmatos auch, warum er Jahre später als Actionspezi in Hollywood anheuern durfte. Garniert mit halsbrecherischen Stunts, pyrotechnischen Spielereien, die teilweise auch ganz schön riskant ausschauen, und einem hohen Munitionsverbrauch scheut er nicht auch mal härter mit den Gegnern ins Gericht zu gehen und verwüstet vor allem den Markplatz total, während Kloster und Treibstofflager komplett in Schutt und Asche zerlegt werden. Die Klettereinlage an der unter Strom gesetzten Steilwand ist auch nicht Ohne. Da fehlte aber wohl die Zeit, um mehr zu zeigen.

Der Score des genialen Lalo Schifrin klingt ausnahmsweise nicht so besonders hervor, trägt allerdings den Charme der Seventies in sich, den der Cast und das simple Szenario genauso mit sich führen.. Auch schon aufgrund der Besetzung kann man schon kaum einen ernsthaften Kriegsfilm erwarten. Noch dazu, wenn ausgerechnet Roger Moore einen deutschen Offizier spielt...


Fazit:
Richtig ernst nimmt sich „Flucht nach Athena“ bis zum Schluss nicht und das ist auch richtig so, denn anders wäre dieses Abenteuer auch gar nicht abnehmbar. Obwohl das Drehbuch keine starken Darstellerleistungen zulässt und selbst einen Roger Moore in seiner stereotypen Figur verdammt, kann der Film dank genügend Wortwitz, exzentrischen Figuren und in der zweiten Hälfte auch von George P. Cosmatos souverän abgebrannten Actionspektakel bei Laune halten. Sicher hat der Film nichts zu bieten, was man irgendwo schon einmal so oder ähnlich gesehen hat, denn ihm fehlen jegliche Innovationen und er kaut auch nur das bewährte Rezept einer Handvoll mutiger Soldaten auf, die sich in Feindesland dank geschickter Strategien mit genügend Humor und entsprechender Action gegen eine Übermacht durchsetzt. Für zwischendurch allemal unterhaltsam und damit brauchbar, zumal der Auftritt von William Holden echt zum Kugeln ist.

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