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In diesem klassischen Katastrophenfilm-Szenario geht Los Angeles aufsehenerregend in die Brüche, und wer auch immer sich mitten in dieser Situation wiederfindet, kann zeigen, was in ihm steckt. Feige davonlaufen oder mutig seinen Mann stehen, egoistischer Wehleidigkeit frönen oder das Letzte für seine Angehörigen geben. Wo manche Geschichten solche Situationen aber dazu nutzen, Schein und Sein kollidieren zu lassen und den vermeintlich souveränen starken Mann auf einmal erstaunlich schwächlich dastehen zu lassen oder unauffällige Zeitgenossen auf einmal ungeahnte Kräfte entfalten, ist hier das Verhalten in der Krise nichts weiter als die Fortsetzung des Charakters im Alltagsleben.

Im Mittelpunkt steht ein skurriles Starpärchen. Charlton Heston zeigt genau wie in "Der Omega-Mann", was er sportlich drauf hat, joggt und dehnt verschwitzt seine Muskeln, während aus dem Nebenzimmer eine maskenhafte Erscheinung namens Ava Gardner hervorschwebt. Die gealterte Verkörperung eines für mich unbegreiflichen 1950er-Schönheitsideals kommt hier, gruselig überschminkt, als triste Existenz herüber, die mit mutlos-halbherzigen Pseudo-Selbstmordversuchen ihrem Mann Stewart (Heston) das Leben schwermacht. Klar, dass er mit der reizenden Geneviève Bujold (eine von mir sehr geschätzte Darstellerin) deutlich mehr anfangen kann. In diesem Film gibt es nur Stark und Schwach, Gut und Böse und andere Gegensatzpaare, an denen nicht gerüttelt wird. George Kennedy als harter Bulle ist einer der Starken und poliert schon mal einem nervigen Kollegen die Fresse, wenn die Moral es fordert. Ganz anders Marjoe Gortner als triste Laden-Existenz, ein Mann, der vergebens der feschen Victoria Principal nachlüstert und später seine Soldatenuniform nutzt, um auf schmutzigem Weg ans Ziel zu kommen. Warum so ein Szenario einen großen Namen wie "Der Pate"-Autor Mario Puzo braucht, ist mir nicht klar. Natürlich braucht es ein gewisses Geschick, um so viele Geschichten dramaturgisch wirkungsvoll miteinander zu verknüpfen, und hier kann man dem Drehbuch auch wenig Vorwürfe machen. Die Vorzeichen des Erdbebens sind gut verwoben mit der Initialisierung der biographischen Episoden.

Als dann wirklich die Trümmer übereinanderfallen, kann man dem Film aus effekttechnischer Sicht nur Komplimente machen. Die wahre Qualität des Films sind die gut eingesetzten Miniaturen, die weit weniger offensichtlich sind, als man es aus dem einen oder anderen Werk dieser Zeit kennt. Als veraltet kann man das nicht bezeichnen, eher würde ich von zeitloser Qualität sprechen. Aber nur auf die Effekte bezogen, denn die Figurenzeichnung wirkt mitunter schon sehr altbacken. Stewart, sein Chef und der kernige Bulle retten aufopferungsvoll einen nach dem anderen und am Rand fährt noch als kleines Blaxploitation-Zugeständnis Richard Roundtree herum. Wie viel hätte diese psychologisch-ethisch gesehen fade, überraschungsarme Geschichte gewinnen können, wenn Super-Heston mal jemanden nach einiger Überlegung in die Tiefe fallen lassen würde, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. Ob er dann überhaupt mitgespielt hätte? Jedenfalls können sich die Spezialeffekte heute noch gut sehen lassen ... CGI hätte mir hier weit weniger gefallen.

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