Die Story:
Eve (das norwegische Model Inger Ebeltoft), die erste Frau auf Erden, durchstreift die scheinbar unendlich große, unberührte Natur sich sehnend nach einem Menschen, der sie von ihrer Einsamkeit erlöst.
Kritik:
Was macht einen Spielfilm aus? Diese Frage muss man sich zwangsläufig stellen, versucht man „Eve" einer solchen Klassifizierung zuzuordnen. Von einer Dramaturgie kann nur in rudimentärer Form gesprochen werden, eine Geschichte zeichnet sich aufgrund der zum Teil scheinbar ohne Bezug aneinander gereihten Clips (Wasserfall-Sequenz; der Anfang mit der Schwangeren etc.) nur fragmentarisch ab, Dialoge gibt es nicht. Einzig Musik scheint ein probates Mittel, den beeindruckenden Bildern unberührter Natur in Bezug auf die scheinbar stumme Hauptdarstellerin eine emotionale Komponente hinzuzufügen.
Doch leider gelingt es auch der Mischung aus Trance-, Ethno- und Chillout-Klängen nicht, beim Betrachter irgendwelche Gefühle hervorzurufen. Eve, wie sie durch die äußerst fotogene, wunderschöne Natur stapft, lässt den Zuschauer weitgehend kalt. Das mag auch daran liegen, dass Inger Ebeltoft als Schauspielerin in Sachen Minenspiel äußerst begrenzt agiert. An dem befremdlichen Gesamteindruck von „Eve", der durch die Einblendung seltsamer Zitate - in denen von Schweigen und Esoterik die Rede ist, noch verstärkt wird - kann auch das stilvolle Licht und die ästhetisierte Bebilderung bei der gelegentlichen Präsentation nackter, gestählter Körper nichts ändern. Am Ende bleiben zwei Erkenntnisse, die man aus „Eve" mitnimmt. Erstens: ein umherlaufendes Top-Model im Lendenschurz-Bikini (an dieser Stelle ein Logikfehler: Woher hat sie dieses Kleidungsstück so plötzlich, wenn sie die erste Frau auf Erden sein soll?) kann keinen Film tragen. Und zweitens: Die „Entstehung" des Golem, des stummen Menschen aus Lehm wird geklärt. Letzteres ist allerdings eher augenzwinkernd zu verstehen.
Fazit: Ein filmisches Experiment zwischen entspannendem Urlaubsvideo, überlangem Videoclip und ultraweicher Soft-Erotik. „Eve" ist zwar „eine ästhetische Reise", wie die deutsche Werbezeile verspricht, dürfte jedoch sein Publikum polarisieren. Für die einen ist es Kunst, für andere ein monotoner Langweiler und für wieder Andere ein visuell imponierender, faszinierender, aber letztendlich gescheiterter Versuch dramaturgischer Reduktion.
Eigene Meinung:
Eine objektive Bewertung fällt hier schwer. „Eve" ist eine Erfahrung, die jeder für sich selbst machen muss und in jedem Fall ein außergewöhnlicher Film. Ich für meinen Teil kann mich an den betörenden Bildern erfreuen, obwohl ich einen manifesten Inhalt vermisse. Von diesem, meinem Standpunkt aus gesehen, ist „Eve" ein formal bestechender, aber nicht gehaltvoller Film, der nicht zur primären Rezeption, sondern eher zur nebensächlichen Berieselung und Entspannung dient. Daher die eher mittelmäßige Bewertung.