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Etwas bösartig könnte man es so formulieren: Ging es um Kunst, inszenierte der Meister selbst, ging es um Knete ließ er seinen Kumpel Buddy Van Horn auf den Regiestuhl. Dies trifft aber in diesem Fall allein schon deshalb nicht zu, weil „Pink Cadillac“ sowohl bei der Kritik als auch an der Kasse floppte. Was der Film wirklich nicht verdient hat.
Die 80er Jahre waren für Clint Eastwood eine schwierige Zeit. Er war nicht mehr der uneingeschränkte Superstar, der er noch in den 70ern gewesen war. Auch hatte er als Regisseur noch nicht die Reputation, die er sich in den 90er Jahren verdienen sollte.
Im Gegenteil, seine ambitionierten Regiearbeiten wie „Bronco Billy“, „Honkytonk Man“ und „Bird“ wurden von der Kritik nicht nur wohlwollend aufgenommen und vom Publikum meistens ignoriert. Konventionelle Projekte wie „Firefox“, „Sudden Impact“ oder „Pale Rider“ wurden von den Kritikern verrissen und erreichten an den Kinokassen bei weitem nicht die Einspielergebnisse früherer Eastwood-Filme.
Der Hauptgrund hierfür war sicherlich auch, daß sich Eastwood als Action-Darsteller, der er ja in erster Linie immer noch war, einer neuen Schauspielergeneration stellen musste. Harrison Ford, Bruce Willis, Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Mel Gibson, Eddie Murphy etc. waren jünger als er (bei den Dreharbeiten zu „Pink Cadillac“ stand Eastwood bereits kurz vor seinem 60. Geburtstag) und deshalb für das jugendliche Kinopublikum als Identifikationsfiguren besser geeignet.
Buddy Van Horn, der sonst für die Stunt-Koordination in Eastwoods Filmen zuständig war,
hatte mit dem Star in dieser Dekade schon „Any Which Way You Can“, das Sequel zu dem erfolgreichen „Every Which Way But Loose“ von 1978 (in beiden Filmen ist der Orang-Utan Clyde, Eastwoods Co-Star), und den fünften Dirty Harry-Film „The Dead Pool“ inszeniert.
Mit der Actionkomödie „Pink Cadillac“ traten die beiden in die Fußstapfen der „..Which Way..-Filme“. Statt Clyde spielte diesmal die niedliche Bernadette Peters an Eastwoods Seite (da es in der Beziehung zu seiner damaligen Flamme Sondra Locke kriselte, dichtete man den beiden natürlich prompt eine Affäre an), die mit ihrem etwas hibbeligen Stil in schönem Kontrast zu seiner eher lakonisch-coolen Art steht. Dieses Road-Movie lebt natürlich gerade vom Zusammenspiel der beiden unterschiedlichen Hauptakteure und es ist recht amüsant zu sehen, wenn Peters als Gangsterbraut Lou Ann McGuinn Eastwoods modernen Kopfgeldjäger Tommy Novak immer wieder zu ungewohnt heftigen Gefühlsausbrüchen reizt.
In keinem anderen Film hat sich Clint Eastwood so hingebungsvoll zum Affen gemacht, wie in „Pink Cadillac“. Er gibt den DJ eines Country-Music-Senders, einen Rodeo-Clown und den Las-Vegas-Strizzi im Glitzer-Jackett. Aber sein Meisterstück ist der kautabakmümmelnde, debile Hillbilly, als der er sich bei einer Bande von Nazi-Hinterwäldlern einschmuggelt. Das ist tolle Klamotte, mit Spaß an der Freude gespielt.
Natürlich hat der Film auch ein paar Durchhänger und John Eskows Drehbuch ist nicht ganz ohne schwarze Löcher. Aber im Großen und Ganzen ist „Pink Cadillac“ charmantes Unterhaltungskino mit einem Clint Eatwood, der komisch ist, ohne sich dabei lächerlich zu machen.

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