Review

Rocky 2 ist das beste Beispiel dafür, wie man eine perfekte Fortsetzung drehen hätte können. Rocky 2 ist athmosphärisch fast genauso dicht wie der erste Teil, die Charaktere bleiben sich allesamt treu und entwickeln sich wirklich weiter:
Mickey wird greiser, Adrianne legt ein bißchen von ihrer Schüchternheit ab, Rocky versucht Kapital aus seinem Fight mit Appollo Creed zu schlagen, Pauly ist auf dem besten Weg, sein Verliererimage abzuschütteln.
Dennoch Rockys sozialer Abstieg ist nicht aufzuhalten, da er sich treu bleibt und nun mal ein gutmütiger Mensch ist.
Selbst warum er einem Rückkampf zustimmt, obwohl er mittlerweile ein Wrack ist, ist absolut glaubhaft. Selbst der Grund für den Rückkampf überhaupt ist absolut nachvollziehbar: Appollo will einen klaren Sieg einfahren, mehr für sich selbst als alles andere: Er muß wissen, ob er wirklich der uneingeschränkte Champ ist.
Und selbst Adriannes Widerwillen gegen den Rückkampf ist glaubwürdig, da sie davon ausgeht, dass Appollo Rocky kaputt hauen wird.
Und selbst diese Annahme ist nachvollziehbar, da sich Appollo diesmal akribisch auf den Kampf vorbereitet. Er wird diesmal als Überboxer dargestellt, der alles niederwalzen wird, das sich ihm in den Weg stellt. Appollo ist hier auf dem absoluten Höhepunkt seines Schaffens.

Alles in allem ist bis hierhin alles perfekt. Auch ist gut umgesetzt,warum Rocky seinen Stil verändern muß, und es ist auch absolut nachvollziehbar, warum Rocky sich nicht voll ins Training zu hängen in der Lage ist.

Auszusetzen gibt es hier höchstens was an den schauspielerischen Leistungen, das liegt eher an der Regie Stallones, der John G. Avildsen ablöst.
Seine Regie ist bis hierhin nicht überragend aber solide.

Nun gut, dann passiert aber etwas, was die Rocky-Filme tötet: Er wird plötzlich zum Winner, nur weil Adrianne ihm die Erlaubnis gibt, zu gewinnen. Das alleine ist es nicht, es ist ja auch nachvollziehbar, das Adrianne nur das Beste für Rocky will.

Aber er fängt zwei Wochen vor dem Kampf an richtig zu trainieren, und selbst wenn der topfitte Appollo Creed dann noch ins Koma fiele und erst drei Stunden vor dem Kampf aufwachen würde: Appollo würde den abgewrackten Rocky zertrümmern, egal wie groß Rockys Herz ist.

Selbst wenn wir gerne über diesen Aspekt hinwegsehen, da wir seit Rocky 1 darauf warten, dass Rocky Appollo besiegt, weil wir ja alle wollen, dass Rocky endlich gewinnt, spätestens als er im Training von einer Horde Kinder begleitet wird, denkt man, man wäre in einem Kinderfilm.

Spätestens jetzt offenbaren sich die Schwächen Stallones als Regisseur: In seinem Ansinnen Rocky zu einem Mann des Volkes zu machen, jemanden der den amerikanischen Traum endlich lebt, beraubt er ihn dessen, was Rocky tatsächlich auszeichnete: Seiner Authentizität.

Als Rocky dann schließlich auch im Ring anfängt rumzuwüten, entbehrt der Film plötzlich jeglichen Charmes, der den ersten Teil noch auszeichnete.
Wir könnten ja damit leben -wie schon erwähnt - wenn er Appollo besiegen würde, aber diese melodramatische Übersteigerung des Spannenden macht den Film zwar sehr spannend und vor allen Dingen auch erfolgreich, aber Rocky als ehrlicher Film beginnt zu sterben.

Selbst hier sind wir noch gnädig gestimmt und wünschen uns, dass Rocky zwar gewonnen hat, aber derart kaputtgeboxt wurde, dass er nie wieder boxen kann. Dieses Ende wäre auch in Ordnung. Aber nein, es muß ja noch weitere Filme geben....

Nicht schlecht, sehr guter Anfang und bis zum letzten Drittel absolut überzeugend, wieder einmal - wie alle Rocky Filme - ein Super-Soundtrack, durchweg gute Schauspieler, wenn auch etwas schwächer als im ersten Teil.
Aber dann packt Stallone seinen Ego aus, nun ja...

7 Punkte

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