Hammer Productions konnte sich auf seine Horrorfilmreihen stets verlassen, wenn es um Blutsauger, Kunstmenschen oder Mumien verlassen, auf anderen Gebieten jedoch unternahm man nur zögerlich Ausflüge, wenn es etwa um Monstren oder Werwölfe ging.
Einer dieser erzählerisch eher bizarren Abstecher fand 1964 mittels „The Gorgon“ statt, in dem ein mythologisches Monster seine Runden dreht.
Hier hat sich der Geist einer Gorgone offenbar irgendwann nordwärts aus der griechischen Sagenwelt geflüchtet und kommt nun um 1910 irgendwo in einem typischen Hammer-Kleinstdorf (namens Vandorf, das irgendwo zwischen Deutschland, Polen und Tschechien liegen muß, immerhin reisen hier alle binnen weniger Stunden aus Leipzig an) zur Ruhe, wo natürlich alsbald die ersten versteinerten Leichen auftauchen.
Inwiefern man das nun abstrus findet (es gäbe sicherlich schönere Orte), sei mal dahingestellt.
In Vandorf (und dem angrenzenden Schloß Bronski oder so – das nur in der beknackten Übersetzung Bartimore heißt, England ist hier nirgendwo auch nur in Rufweite) tut jetzt jeder so, als wäre nichts gewesen, Richter, Polizisten und der behandelnde Arzt (Peter Cushing führt eine Gemeinschaftspraxis samt Irrenhaus mit wohl genau EINER Insassin) hüllen ein Mäntelchen des Schweigens rund um die Todesursache.
Dumm nur, daß das letzte Opfer der Sohnemann eines Mythologieprofs war, der in der Einöde gemalt hat und daß Daddy sogar gegen den obligaten Dorfmob renitent ist. Bald endet auch er als Hinkelstein, kann aber noch ein Briefchen abfassen, das den nächsten Sohnemann anlockt und in dessen Gefolge irgendwann auch den obskuren Professor Meister (Christopher Lee mit Puschelbart, der ihm einen etwas tattrigen Look mit gibt) nach Vandorf lockt.
„The Gorgon“ ist ein Film mit vielen kleinen Schwächen, was eigentlich unüblich ist für einen Hammerfilm, doch hier summiert es sich leider langsam auf. Abgesehen von den schon angesprochenen Punkten ist der Plot mehr als dünne, für das Verhalten der Dorfbewohner samt Cushing, die sich bis zur letzten Minute standhaft weigern irgendwas zuzugeben, nerven auch die Guten: Richard Pasco ist ein eher mäßiger Held, der sich dann auch flott in die ansässige Krankenschwester verliebt und später jeglicher Logik entsagt; Lee taucht (bei knapp 80 Minuten Spielzeit) nach einem Kurzauftritt nur für die letzten 30 Minuten auf und warum der Maler am Baum aufgehängt wurde, anstatt zu Stein zu werden und vor allem von wem, bleibt bis zum Schluß im Dunkel.
Neu an der mythologischen Auslegung ist übrigens, daß der Blick der Gorgone nicht mal im Spiegel oder als Reflexion auf einer Wasserfläche ohne Wirkung bleibt, tagelanges Fieber und vorschnelle Alterung sind die Folge.
Kommt man aber zu den Stärken, so ist „The Gorgon“ einer der wohl am schönsten ausgestatteten und am besten fotografierten Hammer-Filme, sorgfältig in Kostümen und Set Design und mit einem verfallenen Schloß, das auch wirklich unheimlich rüberkommt. Am intensivsten sind sicherlich die Spannungssequenzen rund um die Medusa, wenn Michael Goodliffe etwa im Schloß sie in den Schatten entdeckt oder sie im Brunnen im Hof zu sehen ist. Terence Fisher inszeniert hier einige wirklich beeindruckende Zwielicht- und Nachtsequenzen, schade eigentlich, daß nicht ein bißchen mehr Mühe ins Drehbuch geflossen ist.
Der Plot hat nämlich eindeutig zu wenig Figuren und ist nachteilig repetitiv, so daß man nach einer halben Stunde schon locker den Braten riecht, was hier wirklich Sache ist.
Das Monster selbst sieht man die meiste Zeit eben nur im Dunkel stehen oder als Spiegelbild unscharf, was auch besser ist, denn ihr finaler Auftritt ist dann doch ein wenig enttäuschend, was auf damalige technische Schwierigkeiten zurückzuführen ist – schauen doch aus der monumentalen Haarflut maximal 6-8 sehr unbewegte Schlangen hervor, die sich nach erfolgtem Kopfabschlagen auch noch recht mechanisch in die Perücke zurückziehen.
Cushing und Lee leisten dennoch solide Arbeit, wenn auch diesmal auf vertauschten Seiten, haben aber nur kurz eine Szene miteinander, doch das war wohl Absicht, um von möglichen Starvehikeln abzulenken.
Aufgrund seiner generell tragischen Note ist der Film jedoch sehr ungewöhnlich und die atmosphärischen Sequenzen (samt dem passenden Wetter, guten Soundschreckeffekten und kleinen Sidegags mit im Dunkeln stehenden Gestalten – mal Shelley, mal Lee, mal Cushing) machen wirklich Freude.
Ansonsten jedoch nur Mittelmaß. (5/10)