Eine der populärsten Detektivserien der 30er und 40er Jahre waren mit Sicherheit die Filme rund um den Gentleman-Detektiv Nick Charles und seiner Frau Nora.
Der Großteil des Erfolgs basiert auf dem Gegenentwurf zur gesellschaftlichen Situation in der Depressionsära, wo das leichte Leben des wohlsituierten Ehepaars als spürbare und entspannende Erleichterung zur eigenen, schlechteren Situation des Publikums aufgenommen wurde.
Nick, ein ehemaliger Detektiv, jetzt Ehemann einer superreichen Frau, ist eigentlich nur noch ein ständig betrunkener, im besten Falle nur angesäuselter Müßiggänger, der allerdings seinen typischen Charme und Witz dabei nie verliert. Seine ebenso freundliche Frau hält nach Kräften mit, stets am kriminellen Vorleben ihres Mannes interessiert.
Die Kriminalfälle, in die er im Verlauf der Serie stolpert, will Nick eigentlich gar nicht annehmen, er ist durch damit, wird aber durch Freunde und Verwandte immer wieder zum Mitmachen genötigt, da sich die Polizeibeamten in diesen Filmen nicht selten als stupide oder nur sehr einfach denkende Zeitgenossen entpuppen.
Seinen Scharfsinn entwickelt er sozusagen beiläufig, sieht Dinge, die andere nicht sehen oder ist der Einzige, der sie in den richtigen Bezug zu setzen versteht.
Die Auflösung ist stets wesentlich komplizierter als erwartet und stets versammelt Nick alle Beteiligten an einem Tisch, um dann alle mit der Lösung zu düpieren. Angereichert sind die Fälle meist dadurch, daß die Mordopfer in irgendeiner Weise mit kriminellen Elementen in Kontakt standen, die sich alle an dem Fall zu bereichern versuchen.
Im Originalfilm bezieht sich der Titel übrigens nicht auf den (ebenfalls sehr schlanken) Helden Nick (William Powell, eh schon ein großer Star durch die Darstellung eines anderen Detektivs, Philo Vance, wurde endgültig zur Ikone der 30er), sondern auf einen verschwundenen Wissenschaftler.
„The Thin Man“ lebt weniger von einer stringenten kriminellen Aufklärungsarbeit, sondern vielmehr von den farbigen Charakteren, die alle im schönsten Proletariat aufeinander losgelassen werden und vom Zusammenspiel Powells mit Myrna Loy, deren Garderobe mit „aufregend und erlesen“ noch sehr zögernd beschrieben ist. Die Schlüsse in dem Fall ergeben sich wie nebenbei, während Nick dem Müßiggang und Dutzenden von Cocktails fröhnt, stets von allen Kriminellen erkannt und geschätzt.
Die Ansicht ist noch heute ein großer Spaß, vor allem die pointierten Dialoge und die gesellschaftlichen Gegensätze (Nick gibt eine Party und nur Gauner und Reporter kommen) machen den Fun des Streifens aus. (7/10)