Meine Erwartungen waren hoch, die Vorfreude immens..... und Isaac Florentine hat es wieder allen gezeigt. „Undisputed 2“ (aka „Undisputed II: Last Man Standing“) setzt den stetigen Aufwärtstrend des talentierten Regisseurs fort und wenn er hiernach für sein nächstes Projekt nicht endlich mal mit einem ordentlichen Budget von mindestens 20 Millionen Dollar ausgestattet wird, weiß ich auch nicht.
Neben Dolph Lundgrens überzeugendem „The Mechanik“ nun also der zweite Streifen, den die Freunde des gepflegten B-Movies dieses Jahr abfeiern dürfen. Es war aber auch Zeit. Schließlich ist „Special Forces“ auch schon wieder satte drei Jahre her.
Große Vergleiche zu Walter Hills Original braucht der Zuschauer nicht zu ziehen, denn die Geschichte wird von David N. White („Special Forces“) und James Townsend („Belly of the Beast“, „Out of Reach“) auf dem Papier mit ein paar Variationen grundsätzlich noch einmal erzählt, nur zieht Isaac Florentine die Angelegenheit zusammen mit Fight-Choreograph J.J. Perry wesentlich fetziger auf und sind, so sehr ich auch Fan von Ving Rhames („Sin“, „Dawn of the Dead“) / Wesley Snipes („Demolition Man“, „Blade“) bin, Scott Adkins („Black Mask 2: City of Masks“, „Special Forces“) und Michael Jai White („Spawn“, „Universal Soldier: The Return“) sind zwei erstklassige Martial-Arts-Fighter, die ihr gesamtes Können in die Waagschale werfen und sich hier gnadenlos bekriegen. Meine Güte, steckt da eine Dynamik und Energie in den Kämpfen. Wahnsinn, was Florentine nach seinen wahrlich nicht mit furiosen Kämpfen geizenden, früheren Filmen da noch einmal für eine Schippe drauflegt.
Es ist natürlich an Michael Jai White George Chambers zu spielen, der als Ex-Boxchamp nun sogar in Russland für Wodka Werbung machen muss, um sich über Wasser zu halten. Immer noch arrogant, hochnäsig und eigensinnig trifft er dort mit seinen Starallüren allerdings auch auf wenig Gegenliebe. Als er in seinem Hotelzimmer Einbrecher überrascht und hinterrücks niedergeschlagen wird, entdeckt die herbeigerufene Polizei in seinem Gepäck versteckte Drogen. Für sie ist der Fall sofort klar und Chambers landet im Bau. Doch dort gibt es bereits einen Champ: Uri Boyka (Adkins, mit russischem Akzent!).
White und Adkins sind die reinsten Kampfsäue mit einer wahnsinnig imposanten Ausstrahlung. Zumindest Adkins sollten nach dieser Performance des bedrohlichen, unberechenbaren Uri Boyka höherklassige Offerten für mehr Hauptrollen in den Briefkasten flattern, denn beim gegenseitigen Beäugen bleibt es im Knast natürlich nicht, zumal seine schauspielerischen Qualitäten ungewohnt ausgeprägt für das B-Action-Genre sind.
Michael Jai White hält, übrigens ständig fluchend, mit Coolness und diversen Onelinern dagegen und genießt seine erste größere Hauptrolle seit einigen Jahren sichtlich.
Bis es zum ersten Fight zwischen den beiden Ausnahmeathleten kommt, sollen sie sich allerdings nur kurz prügeln. Den Vorgeschmack auf die Höhepunkte gibt Florentine mit kleineren Raufereien und Auftritten Boykas, der für die Wettmafia, die den Gefängnisleiter schmiert, Underground-Kämpfe bestreitet und seine Gegner dabei grundsätzlich in Grund und Boden stampft.
Was da regelmäßig im Ring abgeht, ist schwer zu beschreiben. Man muss es schon selbst gesehen haben. Egal, ob Adkins nun gegen bessere Sparringspartner oder White antritt, die Fights sind von unglaublicher Wucht:
Das Tempo der jeweiligen Schlagabtausche ist wahnsinnig hoch. Der wohldosierte Einsatz von Slow- und Fastmotion sorgt für die richtige Ästhetik und das Blut spritzt aus den Gesichtern gleich in dünnen Rinnsalen. Der Härtegrad ist ziemlich hoch, zumal der wilde Adkins seine Gegner jedes Mal fast totprügelt. Längere Sequenzen mit diversen Moves in einem Take gibt es genauso wie akrobatische Tritte und Sprünge. Furios, was hier im Ring abgeht. Da knallen Köpfe mal direkt den Ringpfosten und die Kamera wackelt mit. Immer wieder Tritte, Saltos, Ausweichmanöver, Flying Kicks und Faustschläge in einem Affenzahn, das es schon beim Zuschauen weh tut und man als Zuschauer selbst Blut schmeckt. Davon hätte sich selbst Jean-Claude Van Damme („Cyborg“, „Hard Target“) in seinen besten Tagen noch eine dicke Scheibe abschneiden können.
Eingefangen von Kameramann Ross W. Clarkson („The Mechanik“, „The Black Dahlia“), dessen abwechslungsreiche Arbeit aus den Zuschauerrängen wieder direkt ins Geschehen wandert, an den Seilen entlang gleitet oder sich einfach mal über die Köpfe der Kämpfer hebt und das Geschehen von oben zeigt, gibt die Inszenierung des Geschehens im Kampfring dabei kein Anlass zu negativer Kritik.
Dass Florentine Hongkongs Filmemacher als Vorbilder hat, wird auch hier wieder spätestens dann deutlich, wenn Gegner getreten über den Boden rutschen und Meter später gegen die nächste Wand knallen oder die agile Kameraführung mal wieder gar nicht zum Stillstand kommen will. Immer auf der Suche nach der nächsten bestmöglichen Einstellung macht Florentine hier sein momentanes Meisterstück. Wo früher unter anderem auch das Budget die komplette Realisierung seiner inszenatorischen Ideen verhinderte, kann er hier merklich aus dem vollen Schöpfen.
Ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, aber viel zu meckern gibt es an „Undisputed 2“ auch nicht und ich stecke noch mitten in feiernder Euphorie.
Das liegt auch daran, dass man hier wieder den richtigen Weg einschlug, der bei „The Mechanik“ schon so erfolgreich praktiziert wurde. Man verkauft Osteuropa auch als solches und die Production Values von Nu Image sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Vergleicht man den Knast mal mit „In Hell“ sind doch deutliche Unterschiede auszumachen. Keine Szene mehr, die dem Zuschauer lauthals B-Movie entgegenschreit, wobei da der Schnee rings herum natürlich auch eine wichtigere Rolle spielte, alles etwas ästhetischer aussehen zu lassen. Doch auch der gesamte Cast von Osteuropäern hinterlässt keinen allzu negativen Beigeschmack mehr. Nu Image investiert bekanntlich tüchtig in Bulgarien und ist dabei dort ein florierendes Filmmonopol aus dem Boden zu stampfen, das nun endlich Früchte trägt. Ist die Zeit bemitleidenswerter B-Actioner aus Osteuropa, mit denen die Genrefans gefoltert wurden, etwa vorbei? Was seit Ende der Neunziger zusammengespart wurde, scheint jetzt umgesetzt zu werden. Bleibt abzuwarten, ob Nu Image diesem Trend langfristig fortsetzt, aber die besseren Zeiten scheinen für uns Fans jetzt angebrochen.
Vielleicht ist es der doch eher einfältige Ablauf mit ein paar Klischees, denen man angesichts des Plots, das muss man fairerweise dazu sagen, kaum aus dem Weg gehen konnte, und das etwas zu freundliche Happyend, der zumindest ein paar Gegenstimmen zu „Undisputed 2“ auf den Plan rufen könnte. Die rührselige Szene, in der viele Gefangene den draußen angeketteten Chambers ihre Kleidung anziehen und ihn füttern, worauf er sich später mit Winterkleidung für alle revanchiert, ist beispielsweise etwas überzogen. Aber das sind wirklich nur kurzzeitige, negative Momente, in denen die Emotionen und eine Portion Kitsch regieren. Egal, weggewischt. Spaß macht das trotzdem noch.
Denn der ewig fluchende Chambers, dessen Wortwahl wirklich nichts für die Jüngeren ist, betritt die Haftanstalt zunächst natürlich reichlich angepisst und trifft dort auch auf wenig Gegenliebe. Etwas Situationskomik, wie eine Szene in der Chambers nach seiner Ankunft kalt duschen soll, seinen Unmut in Sprache und Gestik seinen vier Wärtern kundtut, die auch flugs zusammenprügelt, um in der nächsten Szene dann doch unter der Dusche zu stehen und plötzlich von 10 Strafvollzugsbeamten bewacht zu werden, mildert diesen Umstand aber genauso ab, wie dezente Selbstironie. Denn Berserker Uri Boyka ist unter anderem auch leidenschaftlicher Briefmarkensammler, der seine Freizeit mit der Lupe verbringt. Mag sich jetzt albern anhören, aber Adkins macht sich in dieser Szene nicht zum Narren, sondern erntet lediglich breites Grinsen.
Von einem ersten Zusammentreffen der beiden Egomanen im Speisesaal, wo Chambers Boyka natürlich kein Stück Respekt zollt, provoziert und sich beide schon zu einem kleinen Handgemenge hinreißen lassen, bis hin zu den ewigen Erniedrigungen, die sich Chambers immer wieder gefallen lassen muss (u.a. Scheiße in der Kanalisation schippen) und dafür die Wärter an die Wand klatscht, ist überdies für regelmäßige Haue gesorgt.
Denn obwohl der Plot im Mittelteil actionmäßig etwas verflacht, weil mit Ben Cross („The Order“, „The Mechanik“), der als Junkie Stevie Parker Chambers Mitleid erregt, ein eher uninteressanter Zeitgenosse auf den Plan gerufen wird, der den ersten Kampf zwischen den beiden Vorzeigefightern entscheidet, indem er in Chambers Ecke mit Drogen versetztes Wasser tauscht und damit für den vorzeiten K.O. sorgt, bleibt eine angespanntes Kribbeln in Erwartung des nächsten Kampfes oder zumindest des nächsten Handgemenges bestehen. Zwar erfährt Uri Boyka von der Manipulation auch erst im Nachhinein und knackt in seinem Ego gekränkt sogleich auch die schuldigen Genicke seiner fehlgeleiteten Anhänger, doch eigentlich soll dieser Abschnitt Chambers Charakterwandel zeigen, da ihm von den ausgemergelten Insassen plötzlich unerwartet Sympathien entgegengebracht werden.
Dabei gibt es als Sonderbonus wieder den schrulligen Eli Danker (die Mundharmonika stellt übrigens eine „Spiel mir das Lied vom Tod“ – Hommage von Italowestern-Fan Florentine dar), der ja nun schon in „Special Forces“ unter Florentine spielte und hier als ewiger Gefangener im geheimnisvollen Rübezahl-Look, an den Rollstuhl gefesselt, Chambers nach dessen Niederlage wieder auf die Beine hilft, indem er ihn vom reinen Boxer technisch weiterentwickelt, damit er auch seine Knie und Beine im Ring einsetzt. Denn so vernichtend Chambers Harken auch sind, da hatte Boyka im ersten Kampf einen Riesenvorteil.
Ansonsten gibt es eben noch Standards. Der korrupte Gefängnisleiter lässt alles geschehen, was für seine Finanzen nötig erscheint, die Wärter gucken immer weg und eigentlich zieht im Hintergrund auch die Wettmafia die Fäden. Der düstere, eisige Knast macht natürlich auch einen sehr kargen und unwirtlichen Eindruck, Chambers wird ständig gefoltert und erniedrigt, Boyka genießt als Lokalmatador seine Privilegien und Komponist Stephen Edwards zeigt erneut, dass er bei Florentines Filmen regelmäßig seine besten Arbeiten abliefert, weswegen ich auch ihm mal den Sprung in die nächsthöhere Liga gönnen wurde. Herausragend ist aber eigentlich „Bring It On“ von Nathaniel Dawkins. Ein echt cooler Song, der unter anderem auch während der in Splitscreen gezeigten Trainingseinheiten der beiden Kämpfer zu hören ist.
So, Isaac Florentine genug gelobpreist. Summa summarum komme ich aber nicht dran vorbei „Undisputed 2“ ohne Wenn und Aber jedem zu empfehlen, der auf Martial Arts abfährt. B-Movie hin oder her. Das ist eine echte Perle und ich bin mir sicher, dass der Film sich in nächster Zeit seinen hervorragenden Ruf erarbeiten wird, wenn New Line endlich die DVD veröffentlicht.
Scott Adkins und Michael Jai White schenken sich absolut nichts und fighten gnadenlos aufeinander ein. Die Choreographie mit all diesen akrobatischen Einlagen ist der helle Wahnsinn und darüber hinaus schauspielern die beiden auch ziemlich gut, wobei Eli Danker dabei nicht vergessen werden sollte.
Sicher ist die äußerst zweckmäßig angelegte Story nur mit dem Konflikt der beiden Männer beschäftigt, aber dank des hohen Tempos und der vielen Kämpfe fällt das meist auch nicht auf. Viel mehr war hier ja ohnehin nicht zu erwarten und mit den Klischees kann zumindest ich ganz gut leben. Es sind eben Konventionen, auf die man in diesem Segment in so ziemlich jedem zweiten Film trifft.
Fazit:
Lange Rede kurzer Sinn, Isaac Florentine hat nach „Special Forces“ noch einmal ein Stück zugelegt und mit „Undisputed 2“ seinen bisher besten Film gedreht, der darüber hinaus auch schicker und professioneller als seine Vorgänger daherkommt und zumindest nicht ständig den Look eines B-Movies trägt, sondern allein schon aufgrund der trostlosen Atmosphäre im Gefängnis düster, heruntergekommen und dreckig aussieht.
Die charakteristische Inszenierung drückt den Bildern natürlich auch hier wieder ihren Stempel auf. Die „Wusch“ – Geräusche (Fans wissen worum es geht...) sind dezenter und Florentine auch nicht mehr ganz so verspielt, die saubrutalen, spektakulär choreographierten Fights allerdings eine Krönung sondergleichen, wie ich sie auf diesem Gebiet noch nicht gesehen habe. Klar, die Story beschränkt sich auf das Wesentliche, aber das reicht hier auch aus. Zudem sind Scott Adkins und Michael Jai White zwei angenehm coole Fighter, die als Aushängeschilder ihrer Zunft nun hoffentlich mehr solcher guten Rollenangebote bekommen. Vor allem für White wird es ja auch Zeit. Der ist fast 40...
Gut, Humor, über den ich herzlich grinsen konnte, gab es darüber hinaus auch und das russische Gefängnis ist als Handlungsort auch schön keimig und unwirtlich. Ein wahrhaft fetzender Prügelstreifen, der meine hohen Erwartungen tatsächlich noch übertraf. Danke schön, Mr. Florentine! Nun aber bitte nicht wieder drei Jahre bis zum nächsten Film verstreichen lassen!