„Lock up“ meets „Bloodsport“,
- und das aus der Schmiede von Nu Image.
Das kann ja heiter werden und siehe da, das wird es auch, denn Regisseur Isaac Florentine bedient Fans beider Filme nahezu gleichermaßen gut und bringt eine ungewöhnlich kraftvolle Dynamik ins Spiel, die dem B-Movie Fan einen höchst ansprechenden Actioner präsentiert.
Soviel Unterhaltungswert kann eine simple Story aufweisen, die sich zudem allen gängigen Strickmustern des Knast- bzw. Kampsportfilms bedient:
Ex-Boxweltmeister Chambers (Michael Jai White) werden in Russland Drogen untergejubelt, damit er in den Knast kommt, in dem die Mafia illegale Fights veranstaltet und mächtig abkassiert. Der ungeschlagene Champion Boyka (Scott Adkins) wartet bereits auf seinen planmäßigen Gegner, doch Chambers will zunächst nicht kämpfen…
Hier wird keineswegs mit Konventionen gebrochen und das macht eben den Spaßfaktor aus.
Chambers ist der großkotzige, coole Typ, der, sobald er im Knast ist, komplett rebelliert und sich keineswegs anpasst. Wunderbar die Szene, als der böse Boyka den Speisesaal betritt, alle Knastis aufstehen, nur Chambers in aller Seelenruhe seine Suppe weiterlöffelt. – Erste Reibereien der späteren Kontrahenten sind unausweichlich.
Aber auch Gefängnisfilmklischees werden nicht ausgespart. Der erste, sich anbiedernde Freund entpuppt sich prompt mal wieder als Verräter, ein Zausel im Rollstuhl (der natürlich seit Jahrzehnten unschuldig einsitzt) wird der wahre Freund Chambers und trainiert ihn für den Endkampf und der Bösewicht Boyka hält sich für den besten Kämpfer der Welt (Zeit zum Briefmarkensammeln hat aber noch), so dass ihn sogar die Wärter mit großem Respekt behandeln.
Also eine vollkommen dämliche Story, die nur hundertfach Gesehenes einmal mehr in geballter Form auf den Zuschauer loslässt?
Glücklicherweise nicht, denn die Handlung verläuft straight und legt einstweilen eine erstaunliche Dramatik an den Tag. Dafür sorgen nicht nur die vogeligen Charaktere, die verlauste Gefängniskulisse und der stets passende Score, sondern vor allem die Inszenierung der Kämpfe.
Obgleich fast ausschließlich Kickboxen als Kampfstil zu sehen ist, wurden hier akrobatische Moves und Variationen eingebunden und nicht selten fliegen Gegner meterweit durch die Luft. Die Kämpfe sind hart und die Sabber streut sich in Zeitlupe durch die Gegend oder das Blut schießt in Fontainen aus der Fresse.
Die Kamera arbeitet hervorragend und bietet dem Zuschauer Schläge, Hiebe, Tritte und Sprünge immer aus dem passenden Winkel, zudem erhöhen schnelle Schnitte das Tempo gewaltig.
Für einen B-Film bieten die Fights ungeahnte Schauwerte, die insgesamt ein wenig zu kurz kommen, besonders der Finalkampf hätte noch etwas länger ausfallen dürfen.
Aber auch die Darsteller sind größtenteils überzeugend. White ist als Chambers schon nicht schlecht, wenn er ein paar ungehobelte One-Liner loslässt oder als fast erfrorenes Opfer im Schnee abhängt. Deutlich markanter und präsenter ist allerdings Adkins als skrupelloser Gegenspieler. Da hilft nicht nur das ausgezeichnete Styling mit Narben, Tätowierungen und schäbigem Bart, sondern der Mann hat einfach den bösen Blick drauf, dem jederzeit der Genickbruch eines untreu gewordenen Anhängers folgen kann.
Irgendwo dazwischen gibt sich Eli Danker die Ehre, der als weiser Zausel im Rolli sogar für eine sentimentale Szene recht gut zu gebrauchen ist.
Insgesamt kommen die Figuren absolut glaubwürdig rüber, sofern ihre Klischeerolle etwas mehr Charaktertiefe zulässt, was bei den drei erwähnten durchaus der Fall ist.
Vielleicht bietet „Undisputed 2“ nicht mehr als das Übliche, aber genau das habe ich in dieser doch recht ausgereiften Inszenierung so nicht erwartet.
Die Kämpfe sind einfach toll anzusehen, die Knastatmosphäre ist, mit all den krummen Typen und unbarmherzigen Wachpersonal stimmig und das hohe Erzähltempo lässt erst gar keine Langeweile zu.
Ein B-Film auf überdurchschnittlichem Niveau, der jedem Anhänger von Prügel – oder/und Knastfilmen zu empfehlen ist.
7 von 10 Punkten