Nach Kollegen wie Roddy Piper, Hulk Hogan und Dwayne ’The Rock’ Johnson versucht sich nun Wrestler John Cena mit „The Marine“ im Bereich des Actionfilms.
Aktiver Marine ist Hauptfigur John Triton (John Cena), aber nur in den ersten Minuten des Films. Triton ist jedoch Topkraft, der gefangene Jungs im Alleingang rausboxt, notfalls auch unter Missachtung eines Befehls. Das sorgt für kurze, töfte inszenierte Militäraction zu Beginn des Films, zieht für Triton auch die Entlassung wegen Befehlsverweigerung nach sich.
Der Gangster Rome (Robert Patrick) überfällt derweil mit seiner Truppe einen Juwelierladen, wobei es neben flotten Sprüchen und fliegenden Fäusten auch etwas Blei hagelt, als die Polizei eingreift. Das Ganze endet in einer extrem stylischen Explosion, die absolut over the top ist, aber schon einen der Höhepunkte dieses Actionfestes bietet.
Bei ihrer Flucht fallen die Gangster jedoch auf, klauen das Auto von John und seiner Frau Kate (Kelly Carlson) und nehmen die Gattin noch als Geisel. Doch John verfolgt die Bande, um seine Frau zu retten…
„The Marine“ ist was Story und Simplizität angeht ein echter Actionfilm der alten Schule. Sonderlich viele Wendungen hat die Story nicht zu bieten und die wenigen Twists ahnt der Zuschauer direkt im Voraus. Doch das kurze wie kurzweilige Actionvehikel tritt durchweg aufs Gas und lässt weder für Verschnaufpausen noch für unschöne Hänger eine Pause. Zuviel Geflirte zwischen Held und des Helden Angetrauter gibt es auch, wenngleich die Entführung nicht direkt am Anfang.
Doch schon bevor Held und Gangster zum ersten Mal aufeinandertreffen beweist „The Marine“ mächtig Drive mit klasse Actionszenen und vor allem viel Humor, der dem Geschehen sichtlich gut tut. Mit der richtigen Ironie wirkt die Simpelstory nicht störend und die Gags sitzen. Neben einer kultigen Anspielung auf Robert Patricks „Terminator 2“-Part gibt es einige coole Oneliner und sogar Situationskomik. Rome ist ständig am Feixen, selbst beim Raubüberfällen, und sein Handlanger Morgan (Anthony Ray Parker) ist immer für ständig schräge Aktionen gut: Egal ob er erklärt, warum er einen bestimmten Fluchtwagen braucht, überall Diskriminierung wittert oder von Camp-Erlebnissen berichtet – der Humor sitzt und wirkt auch nie zu klamaukig. Auch sehr witzig: Johns Intermezzo als Wachmann.
Action bietet „The Marine“ auch reichlich, wobei die Palette von Nahkämpfen über Shoot-Outs bis zu Verfolgungsjagden und imposanten Explosionen reicht. Die Autojagd ist zwar etwas übertrieben, wenn sich Johns Vehikel in seine Bestandteile auflöst und trotzdem fahrtüchtig bleibt, doch ansonsten überzeugt die Action auf übertriebene Action. Gleich dreimal muss der Held aus explodierenden Gebäuden hüpfen (eine größer als die nächste), die Shoot-Outs verbrauchen reichlich Munition und die Fights sind schick durchchoreographiert. Ein paar Wrestling-Moves dürfen natürlich nicht fehlen, z.B. wenn John einen Opponenten formschön in einen Palettenstapel knallt.
Nicht ganz so Old School wie die Geschichte ist dann die Machart des Films, die das ein oder andere moderne Inszenierungsmätzchen bietet (in die Kamera fliegende Patronenhülsen usw.). Der moderne Touch und der relativ dezente CGI-Einsatz stören kaum, nur ein, zwei Szenen sind vielleicht etwas zu verliebt, was die Optik angeht. Was an der modernen Art leider stört ist die jugendfreie Stil: Selbst in der unrated bietet „The Marine“ kaum Härten, bei vielen Todesszenen wird merklich weggeblendet, was stilistisch nicht immer passt. Einzig witzig ist die Idee auf das Öffnen einer Bierflasche zu schneiden, als John gerade einen Gegner ersticht.
Wrestler im Film sind immer ein Thema für sich, da ist von charismatisch bis tumb alles dabei. John Cena ist dabei nicht so lässig drauf wie Roddy Piper oder The Rock und wirkt teilweise etwas unbeholfen, doch er macht seine Sache halbwegs ordentlich. Robert Patrick hat als Gegenspieler allerdings die Trümpfe in der Hand und zieht eine humor- wie elanvolle One Man Show ab. Die Nebendarsteller überzeugen auch, Kelly Carlson ist als Love Interest weder störend noch zu unauffällig und Anthony Ray Parker sorgt immer wieder für witzige Momente.
„The Marine“ ist ein knalliges Geschenk für jeden Actionfan: Überzogen und ziemlich simpel, dafür aber temporeich und mit der richtigen Portion Humor. Natürlich bietet das Ganze auch ordentlich Zerstörung und Konfrontationen, sodass der Genrefan erfreut abfeiern kann.