Review

„Ich mag es nicht, Arbeitskollegen abzuknallen. Also, was zum Teufel ist hier los“?

Die grummelnden und wehklagenden Untoten lassen sich nun mal nicht so einfach vernichten und so kommt von Zeit zu Zeit ein neuer Zombiestreifen heraus, der ein weiteres Mal an den Erfolg Romeros „Zombie“ anzuknüpfen versucht.

Zombies im Knast, also endlich mal eine Schauplatzverlagerung.
Sonderlich ansprechend ist das Ergebnis aber leider nicht ausgefallen. Passable Zombiefilme sind in den letzten Jahren ein wenig rar geworden, Beiträge wie „Dead Meat“ oder „Shawn of the dead“ gehören da eher zu den positiven Ausnahmen und auch dieser Beitrag kann nicht sonderlich punkten.

Das Potential des guten Konzepts wurde in nahezu allen Belangen in den Sand gesetzt.
Die Kulisse des Hochsicherheitsgefängnisses kommt fast überhaupt nicht zur Geltung, hier und da ein paar Gitterstäbe, enge Korridore und ein paar Räumlichkeiten ohne Requisiten, - eine klaustrophobische Atmosphäre kommt da ebenso wenig auf, als dass überhaupt der Eindruck entstünde, es mit einem Hochsicherheitsgebäude zu tun zu haben.

Zudem fehlen hier die richtig schweren Jungs, die das Potential einer zusätzlichen Bedrohung darstellen könnten. Die gecasteten Akteure wirken eher wie Falschspieler oder Handtaschendiebe.
Nur einige der Aufseher, teilweise auch herrlich überzeichnet, bringen etwas Knaststimmung ins Spiel.

Dabei steigt „Dead Men Walking“ mit hohem Tempo ein, wenn sich ein Typ einem Dutzend Zombies gegenüber sieht und panisch deren Hirne an die Wand knallt.
Kurz darauf landet der bereits infizierte Typ im Knast, kotzt regelmäßig Blut und anderes Ekelzeug und infiziert somit weitere Insassen und Aufseher.
Dazwischen fuchtelt noch eine Dame irgendeiner Organisation herum und soll uns, - gemeinsam mit einem süffisanten Knasti – als Sympathieträger dienen.
Identifikationsfiguren können aber nicht durch eine hölzern performende Pornodame und einem facettenlos agierenden Milchbubi hergestellt werden, auch wenn deren gemeinsame Flucht vor den Untoten noch vergleichsweise ansprechend ausgefallen ist.

Die Aufmerksamkeit verfliegt ziemlich schnell, denn wenn die Untoten zuschlagen, wackelt die Kamera und geht mit hektischen Schnitten einher, so dass die eigentlichen Goreeffekte zu einem Chaos aus Blut und Fratzen verkommen.
Zwar ist der Anteil an Gewaltszenen auch in der geschnittenen Fassung noch beachtlich, doch Zeit, ein paar dieser Momente zu zelebrieren, lässt man sich leider nicht.
Blutige Kopfschüsse, Gliedmaßen ab - oder anbeißen, Hals anknabbern und das Erbrechen von Blut, - von den Effekten her ist das durchaus ansehnlich, aber die überstrapazierten Fast Forwards verharmlosen diese leider.

Während die zweite Filmhälfte mit Tempo und Gewalt ein wenig überzeugt, dominieren – vor allem in der ersten halben Stunde – die Dialoge, die dem Treiben nichts als Langeweile bescheren. Da ist der Besuch eines Kindes, das Papa Anstaltsleiter besuchen will, vollkommen hanebüchen und bei dem Versuch des Knastis „Reverend“ über Menschlichkeit und Nächstenliebe zu philosophieren, winkt man dankend ab.
Den erklärenden Hintergrund der Seuche bleibt man uns bis zum Schluss schuldig und eben jener erinnert frappierend an „Night of the living dead“, - nur dass es hier nicht als emotionaler Schock beim Zuschauer ankommt.

Peter Mervis hat zwar nicht komplett versagt, da er den knapp 80 Minuten Untotengezabel, vor allem in der zweiten Filmhälfte, viel Bewegung verliehen hat.
Doch die Möglichkeiten der guten Grundidee wurden beileibe nicht richtig ausgeschöpft.
Es fehlt an Sympathieträgern und damit verbunden, an fesselnden Momenten. Die Knastkulisse erzeugt kaum Atmosphäre und die Zombieattacken im Schnittgewitter geben dem Streifen den Rest.
Trotz guter FX leider nicht so unterhaltsam, wie erhofft.
Knapp
4 von 10 Punkten

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