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"Du, hör mal. Nach dem Kampf könnten wir doch nen Foto machen wie ich dich in ner Plastiktüte wegtrage."

Nach 3 Jahren hat Rocky Balboa (Sylvester Stallone) mehrfach seinen Titel im Schwergewicht verteidigt. Nach einer Spendenveranstaltung gibt der Publikumsliebling bekannt, dass er aus dem Sport zurücktreten will. Auf dieser Pressekonferenz wird er allerdings direkt von Clubber Lang (Mr. T), der sich parallel bis ganz weit oben an die Weltrangliste hoch gearbeitet hat, verurteilt einem Kampf um die Spitze auszuweichen. Obwohl sein Trainer Mickey (Burgess Meredith) davon abrät, nimmt Rocky die Herausforderung an. Mit katastrophalen Folgen. Während dem Titelkampf verstirbt nicht nur sein Trainer aufgrund der Belastung an Herzversagen, er verliert diesen auch. Gepeinigt und eingeschüchtert scheint Rocky das unrühmliche Ende seiner Karriere hinzunehmen, bis sein einstiger Gegner Apollo Creed (Carl Weathers) ihn für eine Revanche wieder herrichten will.

Mit "Rocky III - Das Auge des Tigers" passiert ein Wandel im "Rocky"-Franchise. Die Saga verlässt die 70er und lenkt eine neue Richtung ein. Die Zeit der 80er ist angebrochen, Spielautomaten beherrschen das Nachtleben, düstere verwinkelte Gassen weichen neonfarben beleuchteten Meilen. Das dritte Boxerdrama passt sich ganz den damals aktuellen Gegebenheiten an.
Durch den Anbruch eines moderneren Zeitalters geschieht auch etwas mit der Saga selbst. Der dritte Teil nimmt eine actionbetontere Form an. Statt eines finalen Kampfes gibt es nun mehrere Kämpfe. Die Handlung erweist sich als nebensächlich und bietet kaum noch Charakterisierung. Gegenüber den Vorgängern wurde die Laufzeit auf knappe 90 Minuten ohne Abspann reduziert. Dies alles hat zur Folge, dass "Rocky III" wesentlich temporeicher ist und mehr Unterhaltung bietet. Allerdings nicht ohne Nebenwirkungen.

Zugegeben, die zahlreichen Kämpfe sind definitiv sehenswert und fügen ganz neue Aspekte ein. Allerdings fallen die gesundheitsschädigenden Prügeleien wesentlich oberflächlicher aus, als man es von der Saga gewohnt ist. Nebenbei ist der Umgang miteinander wesentlich gereizter und aggressiver, was einen Großteil des Charmes zerstört.
Nachdem in den Vorgängern zweimal Apollo Creed der Opponent war, kommt diesmal frischer Wind in die Reihen der Gegner. Clubber Lang verfolgt einen direkteren Weg und stellt als Muskelprotz eine physische Gefahr für Rocky dar. Leider verkommt die Figur des Gegenspielers zu einem seelenlosen Monster, das nach dem Fall auf den Boden keinerlei weiterer Bedeutung bedarf. Nicht so bei Wrestling-Legende Hulk Hogan der eine tolle Vorstellung eines künstlichen Schaukampfes präsentiert.

Die einstige Ideologie der Figuren vollzieht einen sehr kontroversen Wandel. Nicht nur, dass durch die drei Jahre die zwischen dem Vorgänger liegen, eine sichtbare Alterung der Darsteller erfolgte, was ganz besonders Talia Shire weit weniger frisch wirken lässt. Nein, auch die Charaktere selbst scheinen in den gleichfalls drei vergangenen Jahren der Handlung völlig ausgetauscht zu sein. Rocky erscheint wesentlich intelligenter und draufgängerischer, dessen Freund Paulie angriffslustiger. Die Glaubwürdigkeit der Figuren begibt sich auf sehr glattes Eis, da keinerlei Raum für die charakteristische Veränderung vorhanden ist.

Auffällig ist einmal mehr die mindere Qualität der ersten beiden Drittel der Laufzeit gegenüber dem letzten. Die Trainingseinheiten fallen losgelöster, beinahe lächerlich aus und man muss sich bei Kenntnis der Vorgänger erst einmal auf den neuen Stil umstellen. Bei Nichtkenntnis fällt der Bezug zu den Figuren aus.
Der Ausfall des Trainers Mickey mag einigen an den Kopf stoßen, stellt aber gleichzeitig die einfühlsamste Sequenz dar.
Die letzte halbe Stunde beschreitet dann glücklicherweise wieder alte Pfade, präsentiert sich ernsthafter und fügt neue Ideen hinzu.

Punkten kann "Rocky III" einmal mehr aus musikalischer Sicht. Neben dem obligatorischem Thema "Gonna Fly Now“ trägt der Kultsong "Eye of the Tiger“ von Survivor einen großen Teil zur hervorragenden Atmosphäre bei und stellt sich später gar als die "Rocky" Hymne überhaupt heraus.

Das Team der bekannten Schauspieler ist erneut präsent, diesmal aber weit weniger flexibel als noch bei den Vorgängern. Handlungsbedingt fällt die Zeit für Talia Shire, Burgess Meredith und Burt Young mager aus und verweist sie beinahe zu Statistenrollen. Dafür tritt das Duo Stallone / Weathers umso mehr aufs Gas. Allerdings kann nur noch Weathers mit einer komplementären Verkörperung seiner Rolle wirklich überzeugen.

"Rocky III - Das Auge des Tigers" beschreitet neue Pfade, besticht mit mehr Action, einer aggressiveren Präsentation und lässt dabei seine Figuren verkümmern. Die Oberflächlichkeit regiert, eine tiefgründige Persönlichkeitsstudie ist nicht mehr präsent und auch die Kämpfe verlieren viel von ihrem Charme. Wäre da nicht der einprägsame, vorteilhaft erweiterte Score könnte Teil 3 der Saga nicht annähernd die heroische Atmosphäre der Vorgänger aufbauen. Knappe...

6 / 10

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