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Nachdem mehr als zufriedenstellenden Abschneiden von Rocky II (1979), welcher immerhin 200 Millionen Dollar weltweit einspielen konnte, hatte Sylvester Stallone mit seinen beiden nachfolgenden Projekte weitaus weniger "Glück". Nachtfalken und Flucht oder Sieg (beide 1981) erfuhren an den globalen Kinokassen wenig bis gar keine Beachtung, Anscheinend wollte das Publikum ihn nur als Rocky sehen und sein zweites Standbein Rambo war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht existent, so griff er auf seinen "boxenden Italiener" zurück, um die Karriere wieder in erfolgreiche Bahnen zu lenken. Von der Machart her bewegte sich der 18 Millionen Dollar teure Rocky III - Das Auges des Tigers (1982) vom reinen Boxdrama weg in Richtung Sport-Action und übertrumpfte die beiden berühmten Vorgänger um ein Vielfaches, in dem ein globaler Ticketerlös von 270 Millionen Dollar erzielt wurde.

John G. Avildsen, Regisseur des bahnbrechenden Originals von 1976, sollte erneut die Geschicke leiten, er lehnte jedoch dankend ab und ermutigte den italienischen Hengst selbst, auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Stallone lässt seinen Helden Rocky Balboa nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft im Schwergewicht in 3 Jahren 10 mal seinen Gürtel verteidigen, ehe der hungrige und brutale Boxer Clubber Lang (Mr. T.) einen Titelkampf fordert. Trotz vehementer Warnungen von seinem Manager Mickey Goldmill (Burgess Meredith) nimmt Rocky die Herausforderung an und verliert prompt durch Knock Out in der 2. Runde gegen Clubber, während Mickey einen Herzinfarkt erleidet und wenig später in Rockys Armen stirbt. Die Tragik der Ereignisse ruft den Ex-Champion und ehemaligen Kontrahenten Apollo Creed (Carl Weathers) auf den Plan, der Rocky zu einem Rückkampf mit Clubber Lang überredet und ihn gemeinsam mit Rockys Frau Adrian (Talia Shire), seinem ehemaligen Couch Duke (Tony Burton) und Rockys Schwager Paulie (Burt Young) auf das tödliche Duell vorbereitet. Doch das Training gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn Rocky hat seinen Glauben an sich selbst verloren...

Die Nr. 1 zu werden ist einfach, oben zu bleiben ist in der Regel deutlich schwieriger, was Rocky Balboa am eigenen Leibe erfährt, wenn er dank eintretender Selbstzufriedenheit nach dem Erreichen seiner Ziele auf den Boden der Tatsachen zurück geholt wird. Die Rückkehr zu den Anfängen und die erneute Mobilisierung aller Kräfte nach dem schmerzlichen Niedergang mit dem Verlust Mickeys begünstigt den ungemeinen Motivationsfaktor von Rocky III, welcher mit schweißtreibend inszenierten Trainingssequenzen, durch mutmachende Dialoge und dank der anspornenden Filmmusik Eye of the Tiger neben den druckvoll realisierten Fights das Herzstück dieses unterhaltsamen Sport-Actionfilms darstellt. Dabei erfährt die Konzentration auf die Action eine nicht zu leugnende Wertsteigerung, der Anteil an Ringkämpfen wurde merklich erhöht, wobei das finale Gigantenduell ungeahndet von Rockys Sudden-Death-Knock-Out-Matchplan meiner Meinung nach viel zu kurz geraten ist und dem zuvor als unbesiegbar propagierten Clubber Lang ein wenig den Schrecken nimmt.

Stillstand bedeutet Rückschritt, ein bekanntes Zitat vom 1989 verstorbenen Topmanager Bennigsen-Foerder, dass dürfte sich auch Sylvester Stallone gedacht haben, weswegen er die Persönlichkeitsentwicklung seiner Hauptfiguren im zweiten Rocky Ableger wohl nachhaltig fokussierte. Aus dem liebenswerten, aber etwas tolpatschig und einfältig wirkenden Amateur-Boxer Rocky ist ein erfolgreicher und smart weltmännisch auftretender Profisportler geworden, der von den Vor- und Nachteilen seines Ruhms mit allen Konsequenzen eingeholt wird. Seine Frau Adrian hat sich vom schüchternen hässlichen Mauerblümchen in eine taffe Frau verwandelt, die ihrem Mann auch mal den Kopf wäscht und die Familie wie ein Fels in der Brandung zusammenhält. Apollo Creed zeigt nicht geahnte Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft, was ihm in den Vorgängern als arroganter und hochnäsiger Angeber größtenteils verwehrt blieb, nicht umsonst bezeichnet Darsteller Carl Weathers Rocky III als seinen absoluten Lieblingsteil, weil dessen Charakter eine deutliche Sympathisierung seines Verhaltensprofils erfahren durfte.

Neue Gegner braucht das Land und die 10 geglückten, im Musikvideo Stil eingefangenen Titelverteidigungen  am Anfang des Films funktionieren für mich als Einstimmung auf die folgenden Auseinandersetzungen prächtig.  Unfreiwillig komisch und subjektiv bestenfalls wie Füllmaterial wahrgenommen fällt der erste Filmauftritt vom damaligen Wrestling WWF Superstar Hulk Hogan aus, welcher in einem höhepunktlos choreographierten Showevent Boxer vs. Catcher mich nur bedingt überzeugen konnte, als künstlich und hölzern habe ich seine Darbietung empfunden. Mr. T. hingegen ist eine gnadenlose Zertrümmerungsmaschine und spendiert dem Rocky Franchise einen bedrohlich anmutenden Antagonisten der mit sarkastischen One-Linern, seiner exotischen Optik und seinem zielstrebig kompromisslosen Kampfstil Stallone einen mindestens ebenbürtigen Opponenten  beschert.

Resümierend kann festgehalten werden, dass die Neuerungen und Veränderungen für mich bis auf wenige Ausnahmen größtenteils funktionieren und Rocky III - Das Auge des Tigers eine würdige Fortsetzung der beiden vorangegangenen Klassiker darstellt. Stallones Plan, Rocky wegen Sattheit seinen Titel verlieren zu lassen, geht auf. Die Geschichte bietet einen hervorragenden Hintergrund für ein actionreiches, kurzweiliges und beeindruckendes Comeback mit routiniert aufspielenden Darstellern, phantastischen Trainingssequenzen und den Rocky typischen Boxschlachten im Ring, welche keinen besonderen Wert auf Realismus legen, was aber nicht unbedingt schlecht sein muss, solange es unterhaltsam ist. Deutlich ärgerlicher sind meines Erachtens der freundlich formuliert ausbaufähige Showdown und ein Hulk Hogan, der als Filmschauspieler nur im entferntesten Sinne an seine Qualitäten vom Wrestlingring anknüpfen kann. MovieStar  Wertung 8 von 10 Punkte.

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