„Handbuch der Liebe“ ist ein humoristischer, aber zuweilen auch etwas langatmiger Liebesfilm, der ob seiner Aufteilung in vier Episoden reichlich konventionell daherkommt. Der Titel bezieht sich auf diese, in der Exposition erläuterte, Anweisung für das Leben in einer Beziehung bzw. die Abschnitte einer Liebesbeziehung an sich. „Sich verlieben“, „sich auseinander leben“, „betrogen werden“ und „verlassen werden“ als Schritte oder Stadien einer zwischenmenschlichen sexuellen Partnerschaft werden anhand von jeweils zwei Menschen – sprich: einem Paar – in all ihren Einzelheiten demonstriert und anhand geschickter Konstellation der Figuren ins nächste Stadium übergeleitet. Da kommt es natürlich zu reichlich skurrilen Situationen…
In der ersten Episode, „sich verlieben“ geht es um den 23-jährigen, hartnäckig arbeitslosen Tommaso (Silvio Muccino), der seinem WG-Mitbewohner Dante (köstlich: Francesco Mandelli) mit seinem permanenten Schnorren den letzten Nerv raubt. Tommaso verliebt sich in die zunächst widerspenstige Fremdenführerin Guilia (Jasmine Trinca). Nachdem er sie endlich zu einem Date überreden kann, landen sie in dem Fischrestaurant seiner Schwester, was natürlich nicht ohne Folgen bleibt. Tommasos permanente Geldnot fliegt auf und er steht wie ein Trottel da. Dennoch soll er Guilia doch noch für sich gewinnen können; sie beschließen zu heiraten.
Auf der Hochzeitsreise begegnen sie flüchtig einem Paar in den mittleren Jahren, anhand derer die zweite Episode, „sich auseinander leben“, erzählt wird. Fahrlehrer Marco (herrlich lakonisch: Sergio Rubini) und seine Frau Barbara (Margherita Buy) haben sich nicht mehr viel zu sagen: Er ist zu faul zum Ausgehen, sie hasst seine Lethargie, ständig gibt es Zoff. Als Barbara in einer durchzechten Nacht beinahe fremdgegangen wäre, soll Marcos Dienstwagen abgeschleppt werden. Doch Polizistin Ornella (Luciana Littizzetto) lässt Gnade vor Recht ergehen.
Ornella wird von ihrem Mann Gabriele (eher blass: Dino Abbrescia) betrogen – Episode Nummer drei. Fortan hegt sie einen prinzipiellen Hass gegen Männer, was bei übermäßiger Knöllchen-Verteilung während der Rush Hour schon einmal einen langen Stau verursacht. Besonders frech wird sie dabei von Goffredo (Carlo Verdone) beschimpft, gegen den sie Anzeige wegen Beamtenbeleidigung erstattet.
Arzt Goffredo ist – Episode vier – von seiner Frau verlassen worden. Er weiß nicht, was er tun soll und stürzt sich – auf Rat des Hörbuchs „Handbuch der Liebe“ – in ein Abenteuer mit einer ihrer Schwestern. Doch bevor die Beiden richtig zur Sache kommen können, kommt deren Freund wieder nach Hause. Als Versteck hält erst das Bett, dann der Erker her. Doch auch für Goffredo soll sich noch alles zum Guten wenden.
Obwohl sich die Handlung scheinbar als sehr komplex gestaltet, überfordert „Handbuch der Liebe“ seine Zuschauer zu keiner Zeit. Die oben kurz angerissenen, eher unoriginell wirkenden Episoden werden teilweise mit Einlagen von Situationskomik und skurrilen Typen garniert, dass das Zuschauen über weite Strecken nie langweilig wird. Tommasos genervter Mitbewohner Dante ist bspw. schlicht zum Schießen. Auch der gemeinsame Besuch von Marco und Barbara bei einer befreundeten Familie, die (scheinbar) pures Familienglück illustriert, ist angesichts Marcos Brummbärigkeit urkomisch.
Dennoch versucht sich der Film auch zuweilen als ernsthafte, allerdings bemüht wirkende, dramatische Reflexion über die Liebe – was angesichts der lockeren, luftigen Gute-Laune-Atmosphäre von „Handbuch der Liebe“ leider misslingt und ebenso wie die finale Botschaft den Plot banalisiert. Der Tiefgang wirkt aufgesetzt und konterkariert zeitweise die Skurrilität und die Herzlichkeit der charmant-spleenigen Figuren, welche wirken wie dem Leben entsprungen. Ebenso wie Regisseur Giovanni Veronesi („Witches to the North“, 2001) nur eingefleischten Fans des europäischen Independentfilms ein Begriff sein dürfte, verhält es sich mit den in Deutschland ziemlich unbekannten Darstellern. Die italienische Besetzung um Dino Abbrescia (zu sehen im Thrillerdrama „Ich habe keine Angst“, 2003) und Jasmine Trinca („Das Zimmer meines Sohnes“, 2001), welche durch die Bank eine - da die Schauspieler in ihren Rollen unverkrampft und natürlich wirken – gute Leistung abliefert, dürfte auch nur Insidern ein Begriff sein. Einzig Sergio Rubini wirkte schon in kleinen Nebenrollen in den publikumsträchtigeren Filmen „Der talentierte Mr. Ripley“ sowie „Die Passion Christi“ mit.
Am Ende bleibt ein eher konventioneller europäischer Beitrag vom Genre der Romantischen Komödie mit Einigem an Situationskomik, aber Wenigem an Originalität. Der aufgesetzt wirkende Tiefgang stört zwar, aber auch nicht im großen Maße, denn nach diesem Film ist klar: Der Sommer darf endlich wiederkommen!