An sich war Chuck Norris nur noch fürs Fernsehen tätig, beim fortgeschrittenen Alter von rund 65 Lenzen auch kein Wunder, doch 2005 schob er mit „The Cutter“ mal wieder einen B-Actioner vor.
Die Hauptfigur John Sheperd (Chuck Norris) geht auch skrupellos wie in alten B-Actionzeiten vor, macht mit Kidnappern gerne mal kurzen Prozess und arbeitet als Privatdetektiv. Da dürfen diverse Klischees nicht fehlen, John war natürlich früher selbst Bulle und liefert sich gerne Wortgefechte mit den Cops – doch die obligatorischen Freunde im Department dürfen auch nicht fehlen. Das hat man auch zur Genüge gesehen, aber immerhin bringt „The Cutter“ das Uraltszenario nicht ganz trocken herüber.
Derweil ist aber ein fieser Schurke, Dirk (Daniel Bernhardt), dabei einen großen Coup zu planen. Um eine antike Rüstungsbrustplatte und zwei gewaltige Diamanten in seine Gewalt zu bekommen, metzelt er kurzerhand ein ganzes Archäologenteam dahin. Danach geht’s in die USA auf der Suche nach einem geeigneten Diamantenschleifer, um die Steine weiterzuverarbeiten. Über Dirk, den eigentlichen Fiesling, erfährt man während des ganzen Films leider wenig: Er hat einen Auftraggeber und ist halt richtig fies, das war’s.
Als er den Mann, Isaac Teller (Bernie Koppel), gefunden hat, entführt Dirk den Diamantenschleifer kurzerhand. Dessen Nichte Elizabeth (Joanna Pacula) beauftragt jedoch John mit der Suche nach ihrem Onkel – und der ist ein harter wie hartnäckiger Knochen...
William Tannen, der mit Chuck Norris schon „Hero“ drehte, hatte bei „The Cutter“ leider nicht die meisten Mittel zur Verfügung und das sieht man dem Film leider an: Eher kärglich ausgestattete Sets und ein etwas dröger Look sind nicht gerade anregend. Immerhin sieht er nicht ganz so billig aus wie manch anderer, zeitgleich gedrehter Nu Image Streich und die Wüstenszenen bei der Ausgrabungsstätte sehen angesichts des Budgets gar nicht mal schlecht aus.
Spannend oder sehr kurzweilig ist „The Cutter“ allerdings nicht geworden, denn die Story schleppt sich einfach nur so dahin. John geht Hinweisen nach, teilweise logisch ermittelt, teilweise sind die Schlussfolgerungen aber auch nur aus den Fingern gesogen und gelegentlich bringen die Fieslinge Zeugen um oder Versuchen John zu beseitigen. Der Background um Ex-Nazis und Diamantenschleifen im KZ lehnt sich arg an „Der Marathon-Mann“ an, wird leider nur wenig ausgearbeitet, verleiht „The Cutter“ aber immerhin einen etwas ungewöhnlichen Touch, was die lahme Geschichte aber nur etwas aufpeppt.
Was die Action angeht, ist „The Cutter“ leider auch nicht besonders prickelnd. Es wird ein wenig geballert, gelegentlich auch mal gekämpft, aber es könnte mengenmäßig deutlich mehr. Zudem sind die meisten Actionszenen auch nicht allzu spektakulär, was auch an Norris Alter liegt. Er kann sich nicht so furios zulangen wie früher, wird auch öfters mal gedoubelt, aber weitaus weniger offensichtlich als Kollege Steven Seagal in seinen letzten Werken. Einzig und allein der Endfight gegen Daniel Bernhardt ist ein echtes Highlight, wobei Bernhardt natürlich spektakulärere Moves draufhat, aber verliert, weil das Drehbuch es so will.
In seiner Leinwandkarriere hat Chuck Norris sogar etwas schauspielern gelernt und versucht das hier zu zeigen. Gelingt auch halbwegs, gleichzeitig kommt er aber nicht so cool rüber wie in manchen Frühwerk, was die Leistung wieder schmälert. Daniel Bernhardt ist als Fiesling OK, der gebürtige Schweizer darf im O-Ton auch öfters deutsch reden. Aaron Norris, Chucks Bruder, hat einen Gastauftritt, zudem spielen diverse Nu Image Regulars wie Marshall Teague mit.
Alles in allem ist „The Cutter“ dank des Endfights und einiger netter Einfälle im Bereich Story noch unterdurchschnittlich, aber die Mängel kann das nicht wettmachen: Dahinplätschernde Geschichte, kaum sehenswerte Action und wenig berauschender Look.