Endlich mal wieder ein Horrorbeitrag aus Japan, der kein Remake, kein Sequel oder Prequel von Ring & Co ist. Mittlerweile gibt es sieben Teile von dieser Manga-Verfilmung, - für eine bestimmte Zielgruppe muss dieser Stoff also geeignet sein.
Demnach gekonnte Schockeffekte und eine gepflegte Gruselstimmung? Leider nein, die einzig gruselige Stelle ergab sich, als mein Bier alle war. Während des Films fiel es noch nicht einmal schwer, neues aus dem Keller zu holen (was bei gelungenen Genrevertretern möglicherweise einen Moment Zögern auslöst).
Das Ding geht eher als schnarchiges Beziehungsdrama durch, eventuell mit einem Hauch von nervigem Dämonenmädchen, was die Sache nicht unbedingt schmackhaft erscheinen lässt.
Es geht unter anderem um die junge Tsukiko, die regelmäßig eine Psychiaterin aufsucht, um einen verdrängten Unfall von vor drei Jahren zu entschlüsseln. Während einer Hypnosesitzung fällt der Name Tomie und wie später ein ermittelnder Kommissar herausfindet, steht dieser ebenfalls im Zusammenhang mit ungelösten Mordfällen der letzten Jahre. Und just erschüttert erneut eine Mordserie Tsukikos Umfeld, doch in welcher Verbindung steht sie mit dem mysteriösen Mädchen Tomie?
Könnte alles so schön sein, der Stoff ließe eine prickelnd düstere Atmosphäre zu, unheimliche Schockmomente, allgemeine Gänsehaut, sprich, alles was das Horrorfanherz begehrt. Doch der Streifen bietet bis auf die letzten Minuten nichts von alledem und dann auch nur in müden Ansätzen.
Nicht nur der Einstieg entfaltet sich stinklangweilig und ohne Tempo, man wird zudem mit diversen unzusammenhängenden Szenen und Personen konfrontiert, die zunächst noch nicht einmal die notwendigen Querverweise liefern.
Tsukiko und ihre Freundinnen, Tsukiko bei der Psychiaterin, Tsukiko fotografiert gerne, ihr Freund geht fremd, zwischendurch ein merkwürdiger Typ mit einer Augenbinde, dann wieder Tsukiko mit ihrer Psychologin im Freien, doch inhaltlich kommt man überhaupt nicht auf den Punkt. Es fehlen Zusammenhänge und es tauchen viele Personen ohne Charakterzeichnung auf, die nichts zu sagen haben.
Dabei kann man zwar Hauptfigur Tsukiko lieb gewinnen, aber mit Grusel oder gar Horror hat das Ganze überhaupt nichts zu tun. Wenn man im Nachhinein betrachtet, worauf das hinausläuft, kann man nur sagen: Ungeschickter und langatmiger hätte man das kaum in Szene setzen können. Die musikalische Untermalung ist zwar in ruhigen Momenten gegeben und klingt auch angenehm, sie fehlt aber in düsteren Szenen komplett. Es kommt keine Atmosphäre auf, es gibt insgesamt nur einen gewollten Schockmoment, doch Blutvergießen findet sich überhaupt nicht.
Als zwischenmenschliches Drama versagt „Tomie“ ebenfalls, da man, bis auf die Hauptfigur, keinen emotional handelnden Personen beiwohnt.
Lediglich – und das rettet ein dann doch vor dem kompletten Reinfall – findet in den letzten Minuten so etwas wie eine greifbare Handlung statt. Da erhalten konfuse Sequenzen ein wenig Hintergrund, die Auflösung gestaltet sich zwar reichlich hanebüchen, aber daraus ergeben sich immerhin etwa fünf Minuten brauchbare Unterhaltung.
Vielleicht verträgt man den Stoff besser, wenn man den Hintergrund der Mangas kennt, jedoch sollte ein Film auch für sich stehen können und das tut er eben zu keiner Zeit.
Gehaltlos und statisch wiedergegeben, wie die Kamera entweder bewegungslos auf zwei Figuren hält oder eine verbale Konfrontation mit Wackelbildern und unnötigen Farbfiltern einfängt.
Da mögen die Darsteller ihr bestes gegeben haben (was nicht wirklich viel ist), doch spätestens mit der furchtbaren Synchro von Dämonenmädchen Tomie geht alles dahin, da diese wie eine alberne Entenstimme aus einem Märchenhörspiel klingt.
Der Film bietet den so ziemlich belanglosesten Asia-Horror der letzten Jahre. Er möchte zwar eigenständig dastehen, verkackt jedoch in sämtlichen Belangen.
Ein fast quälender Streifen mit nie da gewesenen Längen, unnötig kompliziertem Storyaufbau und allenfalls ein paar ansehnlichen Abschlussminuten. Dann doch lieber die zehnte Fortsetzung eines vertrauten Grudge-Ungetüms.
Knapp
3 von 10