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Der vierte und erfolgreichste Teil der „Rocky“-Saga steht ganz im Zeichen der Reagan-Ära und bezieht im Gegensatz zu den Vorgängern Politik mit ein.
Natürlich braucht man wieder einen besonderen Grund, um Rocky Balboa (Sylvester Stallone), dem man schon im ersten Teil aus gesundheitlichen Gründen riet nie wieder zu boxen, erneut in den Ring zu schicken. Sein ehemaliger Rivale und jetziger bester Kumpel Apollo Creed (Carl Weathers) will es nun noch mal wissen und lässt sich auf einen Freundschaftskampf mit dem russischen Boxer Ivan Drago (Dolph Lundgren) ein, doch der schlägt ihn kurzerhand tot. Jau, das sollte ja Motivation genug sein, um sich noch mal richtig die Fresse polieren zu lassen.
Trotz kleinerer Widersprüche von Frau Adrian (Talia Shire) beschließt Rocky in die Sowjetunion zu reisen, wo man den Kampf veranstaltet. Doch Drago ist eine unglaubliche Kampfmaschine und so steht der Kampf des Jahrhunderts bevor…

Im Gegensatz zu den Vorgängern ist „Rocky IV“ fast ein reiner Boxfilm und lässt den Charakter Rocky Balboa fast gänzlich außen vor. Dessen Privatleben wird kaum behandelt, private Konflikte hat er auch kaum zu bewältigen, Boxen ist quasi seine einzige Aufgabe. Ehefrau, Kind und Schwager Paulie (Burt Young) haben hier kaum etwas zu tun, bestenfalls kurz gegen den Kampf protestieren, beim Training helfen oder am Ende jubeln. Ganz besonders kurios und lächerlich ist die Einbindung des Haushaltsroboters, dessen Auftauchen null Sinn hat und für wirklich witzige Momente ist der Spack im Stil von Nummer 5 auch nicht gut.
Ganz furchtbar ist jedoch die übertriebene politische Komponente, die sich auch auf die Charakterzeichnung niederschlägt. Die bösen Russen dopen ihren Athleten natürlich, sodass der schon unaufgewärmt und vor dem Frühstück mit einem Druck von 850 Pfund pro Quadratzentimeter zuschlägt, während normale Boxer so 700 schaffen. Drago spricht eh nur wenige Sätze Englisch, seine Ehefrau Ludmilla (Brigitte Nielsen) lächelt nur, wenn er gerade seinen Kontrahenten im Ring totgeschlagen hat. Dafür veranstalten die Amis ihren Kampf in Las Vegas, Apollo singt und tanzt im Uncle Sam Outfit zu „Living in America“ und das Publikum buht Drago von Anfang aus – da kann man seine Reaktion im Ring fast nachvollziehen. Boxt Rocky in Russland, hat er natürlich auch das Publikum gegen sich, nur da ist das auf einmal verwerflich und böse. Nach dem obligatorischen Sieg hält Rocky dann alibimäßig noch eine Rede für Toleranz und Völkerverständigung, die fast alle Russen, selbst Drago kapieren – nur ein Parteifunktionär nicht, aber der kriegt dafür von Drago auf die Fresse. Doch dieser Versuch von political correctness wirkt absolut unglaubwürdig.
Also konzentriert man sich als Zuschauer besser auf das Wesentliche, aber das tut der Film auch. Da eh kaum Charakterzeichnung vorherrscht, schmeißt „Rocky IV“ alles was nach Subplot aussieht über Bord, hat eine ziemlich knappe Laufzeit und besteht nach Apollos Tod quasi nur noch aus Training sowie Schlusskampf. Im Hintergrund tönt ein passender 80er Jahre Soundtrack und Stallone spult das Ganze als Regisseur flott herunter, da stört das Fehlen jeglicher Überraschungen kaum.

Muskelspiele in Form von Training und Kämpfen gibt es hier reichlich, allesamt ansprechend inszeniert, aber diesmal gänzlich unrealistisch. Die Kontrahenten kämpfen auch nach diversen Volltreffern gegen die Moppe noch rundenlang weiter und ähnliche Scherze, da steht die Action über der Logik, aber vom realistischeren Stil der Vorgänger hat sich „Rocky IV“ eh verabschiedet.
Sylvester Stallone spielt seine Paraderolle gewohnt gut, wobei er Rocky etwas älter und gelassener als in den Vorgängern darstellt. Talia Shire und Burt Young sind hier nur bessere Statisten und Brigitte Nielsen muss (von der Szene mit dem Lächeln mal abgesehen) nur einen Gesichtsausdruck zeigen. Ein junger Dolph Lundgren als Kontrahent muss kaum schauspielern, stellt aber allein mit seiner unglaublichen körperlichen Präsenz einen würdigen Gegner für Rocky dar.

Ignoriert man die politischen Messages von „Rocky IV“, bekommt man einen ganz netten Boxerfilm geboten. Er ist zwar unrealistischer und um den Menschen Rocky Balboa geht es so gut wie gar nicht mehr, aber dafür ist er flott inszeniert und bietet ordentlich Kampf- und Trainingsszenen mit viel Dynamik, um sich noch über den Durchschnitt zu heben.

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