„Ihr Bruder hat mir gesagt, dieses Schloss sei unbewohnt.“ – „Damit hat er gar nicht so unrecht, denn ich bin... ich bin tot.“
Mit „Dracula im Schloß des Schreckens“ wiederverwertete der italienische Regisseur Antonio Margheriti („Asphaltkannibalen“) im Jahre 1971 in italienisch-deutsch-französischer Koproduktion den Stoff seines eigenes Films „Danse Macabre“, der 1964 noch in Schwarzweiß gedreht wurde und mir leider unbekannt ist, weshalb ich keine Vergleiche anbringen kann. Es handelt sich um einen klassischen Gothic-/Haunted-House-Horror-Streifen, in dem lediglich innerhalb der Dialoge der deutschen Synchronfassung Vampire vorkommen.
Edgar Allan Poe (Klaus Kinski, „Nosferatu – Phantom der Nacht“) wettet mit dem Journalisten Alan Foster, dass dieser keine Nacht in einem gefürchteten Spukschloss verbringen wird. Foster hält das Gerede über Menschen, die das Schloss betraten und nicht mehr lebend herauskamen, für Quatsch, vertraut auf seine weltlichen, rationalen Überzeugungen und willigt ein...
Klaus Kinski spielt also niemand Geringeren als Edgar Allan Poe persönlich, der als Aufhänger für Margheritis Schauermär herhalten muss – und das tut er voller Inbrunst und schlicht großartig. Zwar ist er in erster Linie lediglich im Prolog zu sehen, dürfte bereits damit aber jeden Kinski-Fan zufrieden stellen. Die eigentliche Hauptrolle wurde Anthony Franciosa („Tenebrae“) zuteil, der seine Sache gut macht und der Verlorenheit in den unheimlichen, alten Gemäuern ein Gesicht gibt, das er lange Zeit hinter einer abgeklärten, souveränen Fassade zu verbergen versucht. Als er jenes Schloss betritt, wird der Film sodann auch gleich unerwartet gruselig, wenngleich es etwas eigenartig anmutet, wie sehr ein einsamer Kerzenschein die ausladenden Räume zu erhellen vermag. Begleitet von einem wunderbar stimmigen, weil die morbide Atmosphäre des Films herrlich herauskitzelnden Soundtrack Ri(t)z Ortolanis, der viel mit unheimlichen Toncollagen und Geräuschkulissen arbeitet, wird Foster respektive der Zuschauer mit einigen Jumpscares konfrontiert, bis eine attraktive Dame ihn mit den Worten „Haben Sie mich für ein Gemälde gehalten?“ begrüßt und sich als Elisabeth (Michèle Mercier, „Die drei Gesichter der Furcht“), die Schwester des Schlossbesitzers, vorstellt. Ganz so einsam und verlassen scheint das Schloss nämlich doch nicht zu sein und mit zunehmender Spieldauer wird es gar ein einziges Kommen und Gehen in der ollen Bude. Die Kamera verwöhnt das Auge des Betrachters, wie man es von Italienern gewohnt ist, mit zahlreichen Zooms und Schwenks und fängt die ebenfalls gewohnte nackte Haut ein, die im Zuge der dunklen Romantik des Films ebenfalls zum Tragen kommt.
Wie Foster nämlich feststellen muss, birgt das Gemäuer einige düstere Geheimnisse; ein böses Beziehungsdrama spielte sich dort ab und zieht jeden Besucher in seinen todbringenden Bann. Todbringend war „Dracula im Schloß des Schreckens“ leider auch für eine Schlange, die vollkommen unnötigerweise für den ansonsten weitestgehend unblutigen Film ihr Leben lassen musste, was leider sauer aufstößt. Ansonsten ist Margheritis Film nämlich ein über weite Stecken gelungener Genrefilm, der größtenteils sorgfältig umgesetzt und mit einer schaurigen, bösartigen Pointe versehen wurde, sich aber auch immer wieder ein paar trashige Ausreißer erlaubt. Um pseudowissenschaftlichen Mumpitz kommt man ebenso wenig herum wie um die krampfhaft aufgesetzten, der deutschen Bearbeitung geschuldeten Vampir-Bezüge, die so gar nichts mit der Handlung gemein haben. Von Kinskis derwischhaftem Auftreten einmal abgesehen, bietet „Dracula im Schloß des Schreckens“ nichts Neues oder Innovatives und bewegt sich ausschließlich im enggesteckten Genrerahmen, sollte mit seiner Rezeptur aus Gotik-Schick, Geistererscheinungen, hübschen Frauen, Dramatik und sich steigerndem Wahnsinn des Protagonisten sowie seiner italotypischen Vorzüge aber den Nerv jedes Freundes gediegenen, altmodischen Gothic-Grusels treffen. Merke: „Vollkommen sterben kann man nur, wenn man darauf vorbereitet ist!“ – Wenn das keine vielversprechende Prämisse für vielen weiteren Gruselstoff ist...