Maxime de Borrego (Roberto Bruni) hat geheimes Wissen über den Schatz des Templerordens. Darum wird er vom Mann ohne Gesicht (Jacques Champreux) ermordet. Da Borrego aber sein Wissen vor seinem Tod nicht preisgibt, wendet sich der Mann ohne Gesicht an den Neffen de Borregos, Paul (Ugo Pagliai). Der wiederum engagiert den Privatdetektiv Séraphim (Patrick Préjean), und zusammen mit der Freundin (Josephine Chaplin) und dem Kommissar Sorbier (Gert Fröbe, in der deutschen Version Kommissar Dumont) geht es auf muntere Verbrecherjagd.
So ein Beschrieb klingt ja eigentlich erstmal ganz nett. Da kann was draus gemacht werden. Der Regisseur hat immerhin 14 Jahre vorher den Klassiker AUGEN OHNE GESICHT gedreht, und mit Gert Fröbe an Bord kann kaum noch etwas schief gehen, oder? Falsch gedacht …
Zu klassischer Klaviermusik steigt die Handlung zwar mysteriös mit einem verräterischen Butler und einer geheimnisvollen alten Frau ein, bleibt dann aber erstmal anhaltend verworren und vor allem langatmig. Die Szenen dauern teilweise viel zu lang und die statische Kamera, die sich beim Abfilmen von Gesichtern gefällt, sorgt da nicht wirklich für Stimmung. Ein paar Mal kommt eine Stimmung wie in einem der schlechteren Filme von Jess Franco auf, nur ohne Sex. Die Dialoge klingen wie in einem Lehrfilm für die französische Sprache – genauso langsam, genauso hölzern, genauso gestelzt. Die Schauspieler … Nun ja, Schwamm drüber. Gayle Hunnicutt und Josephine Chaplin sind zumindest schön anzuschauen, aber selbst Gert Fröbe wirkt etwas demotiviert.
Der einzige wahre Höhepunkt ist die Szene auf dem Dach. Zu einer Musik, die wie von Stelvio Cipriani erträumt klingt, huscht und tänzelt Gayle Hunnicutt Catwoman-artig über die Pariser Dächer, schaut in Fenster, seilt sich ab, mordet, kann entkommen, und flüchtet vor der Polizei wie ein flüchtiger feuchter Traum. Allein diese Sequenz ist den Film wert, und auch der „Angriff“ der Killer im Auktionshaus ist recht stimmungsvoll geraten, der Rest aber ist ein hölzerner und uninspirierter Fantomas-Abklatsch.
So weit die französische Fassung. Die deutsche Fassung hingegen startet erstmal mit einer Verfolgungsjagd via Auto und Hubschrauber, einigen stimmungsfördernden Dialogen („Schade dass sie nicht bei uns hier oben sind, Chef. Wir wurden gerade beschossen.“), und insgesamt geht, unterlegt von einem recht trashigen Off-Kommentar, erstmal die Luzie ab. Der Vorspann ist eine Umkehrung von Smoke on the water, und könnte tatsächlich so von Deep Purple eingespielt worden sein. Nach 10 Minuten Party kommen wir dann an die Stelle an der die französische Version beginnt. Da aber die deutsche Version insgesamt ein paar Minuten kürzer ist als die diese, kommt der kühle Rechner zu dem logischen Schluss, dass in der deutschen Version so einiges fehlt. Und richtig, die einzelnen Szenen sind mitnichten zu lang und zu hölzern, stattdessen ist das alles recht flott und dynamisch geschnitten und mit einigen putzigen Synchronkalauern hinterlegt. Insgesamt kommt wenig bis gar keine Langeweile auf.
Ganz im Gegenteil, es ist sogar noch Zeit einen Handlungsstrang um 2 Killer einzufügen (und diesen sogar ordentlich zu beenden). Dafür wurde leider die traumhafte Sequenz auf dem Dach gekürzt, und auch der gewerkschaftsfeindliche Monolog des Doktors über seine Zombie-Killer musste leider ausfallen. Aber man kann halt nicht alles haben. Überhaupt, diese Zombie-Killer. In der deutschen Version handelt es sich um den „Vampir, der den Leuten das Gehirn aussaugt“. In Wirklichkeit steckt da ein Wissenschaftler dahinter (der in der deutschen Version einen russischen Dialekt hat), der durch finstere Experimente illegale portugiesische Einwanderer zu willenlosen Killern machen kann (so ein Haderlump). Dass diese Killer das Tempo und den Einfallsreichtum der reitenden/schwimmenden/poppenden Leichen aus den spanischen Horrorfilmen haben macht gar nichts, da die Opfer, sobald sie die Zombies sehen, die aus ebendiesen Filmen bekannte Krankheit der Zeitluperitis bekommen und sich Schritt für Schritt mit sicherem Gespür an die nächste Mauer stellen, entsetzt schauen und warten bis sie getötet werden.
Gert Fröbe spricht sich hier selber, die psychedelische Rockmusik sorgt für einige wirklich starke und intensive Momente, und wenn am Ende der Mann ohne Gesicht zu den Klängen von Water on the Smoke durch die Gänge geht strahlt das Herz des Trash-Freundes. Man vergleiche nur die Sequenz auf dem Dach des Zuges, wie (auch wenn ich mich wiederhole) uninspiriert die französische Fassung hier wirkt, und wie schwungvoll die deutsche.
Auch ist das Ende in der französischen Version komplett anders, hier wurde entsprechend auch ein Jahr später eine mehrteilige Fernsehserie gedreht. Fantomas und seine Epigonen haben in Frankreich halt einfach eine gewisse Tradition und sind auch heute noch beliebt, während in Deutschland diese Helden bis auf Ausnahmen eher unbekannt geblieben sind.
Was bei beiden Versionen gleich ist sind die trashigen Settings und die skurrilen kleinen Momente. Das Hauptquartier des Mannes ohne Gesicht erinnert ein wenig an meine letzte Wohnung im Winter, weil alle Angestellten mit Sturmmützen rumlaufen. In der französischen Version benötigt der Chef sogar einen Sturmmützenträger der ihm den Fernseher einschaltet. Die Verstecke der Mikrofone in der Wohnung der Freundin sind außerordentlich einfallsreich gewählt, und eine meiner Lieblingsszenen ist, wenn Paul den Kommissar das erste Mal aufsucht und ihm erklärt dass er gerade aus dem Ausland kommt, sich am Flughafen eine Zeitung gekauft hat und über die Meldung entsetzt war (womit er den Mord an seinem Onkel meint). Mit diesen Worten gibt er dem Kommissar die Zeitung – und der fängt auch prompt an in der Zeitung zu lesen …
Ich vermute mal, dass Franju eine kühl-elegante Fantomas-Version vorschwebte, in der Tradition des klassischen französischen Gangsterfilms, ohne die Klamaukelemente eines Louis de Funès. Dafür sprechen die pittoresken Kulissen wie z.B. das Geschäft der Mdm Ermance und die kalte und moderne Einrichtung des Hauptquartiers. Für die deutsche Version ist im Vorspann Manfred R. Köhler als Bearbeiter angegeben, und der hat die Kunst der etwas trashigeren Unterhaltung halt einfach beherrscht.